Stiftungsfest der Bürgerstiftung Warstein

Berthold Franke mit Ehrenpreis der Bürgerstiftung Warstein ausgezeichnet

+

Warstein - Der Bürgerpreis der Bürgerstiftung Warstein geht an Berthold Franke. Im Rahmen ihres Stiftungsfestes überreichten Vorsitzender Volker Simon und der Vorsitzende des Stiftungsrates Dr. Josef Leßmann im Festsaal der LWL-Kliniken den Ehrenpreis an den 80-jährigen Niederbergheimer.

Vielen als langjähriger Oberst, Ehrenoberst und „Kümmerer“ im Schützenverein Niederbergheim bekannt, war Franke lange vor dieser Zeit bereits als Ehrenamtler und engagierter Bürger aktiv. Der gelernte Herrenschneider sei gar kein Niederbergheimer, begann Leßmann seine Laudatio am Donnerstagabend für den Ehrenpreis-Träger. „Er wurde in Soest geboren, wuchs aber in Niederbergheim auf, wo Vater und Großvater bereits eine Schneiderei besaßen.“ 28 Jahre lang arbeitete Franke bei der Firma Delmod in Geseke. Dort war er auch zum gesetzlichen Betreuer für einen gehörlosen Kollegen bestellt. Franke war stets um die Entwicklung seines Heimatdorfes bemüht. Von 1986 bis 1992 war er im Vorstand des Heimatvereins aktiv. Und auch die Geschicke der Stadt lenkte er gerne mit. Für zwei Legislaturperioden saß Berthold Franke ab 1975 im Rat der Stadt Warstein. 

Dass sein Engagement auch weit über seinen Heimatort hinaus reichte, zeigte sein Blick über den Tellerrand: Die Nuklearkatastrophe in Tschernobyl und die damit verbundene radioaktive Verseuchung der in der Region lebenden Menschen ging Berthold Franke besonders nahe. „Ab 1992 war er gemeinsam mit Pastor Müller und einigen anderen Helfern als Kümmerer für die radioaktiv geschädigten Tschernobyl-Kinder tätig“, erinnerte Leßmann. „Er organisierte Flüge, holte die Kinder vom Flughafen Frankfurt ab, nahm selbst das Mädchen Swetlana für drei Wochen in seiner Familie auf, hielt Kontakt zum SOS-Kinderdorf Dorlar, organisierte Pakete für die Tschernobyl-Kinder und unternahm ab 1996 auch Fahrten in die Regionen um Kiew.“ 

Die Vorstände der Vereine in Allagen und Niederbergheim ehrten ihren engagierten Bürger im Jahr 1993 für „Begabung, Ideen- und Einfallsreichtum, Bodenständigkeit und Charakterstärke“. „Berthold Franke war zwischenzeitlich einer der Re-Aktivatoren des Seniorenbeirats der Stadt Warstein“, erklärte Leßmann. „Derzeit übernimmt er noch gemeinsam mit Monika Beneken die Organisation der Seniorenbetreuung für Allagen und Niederbergheim.“ „Das ist eine ganze Masse an Ehrenamt, die eine Person auf sich genommen hat“, betonte Leßmann. „Aus diesen Gründen hat die Bürgerstiftung Warstein bereits in ihrer Sitzung im April 2018 beschlossen, den diesjährigen Ehrenpreis der Bürgerstiftung Herrn Berthold Franke aus Niederbergheim zu verleihen!“ 

Begleitet von seiner Familie, seinen Kindern, Verwandten und Bekannten nahm Franke den Ehrenpreis entgegen und bedankte sich sichtlich bewegt für die Auszeichnung: „Zunächst war ich sehr überrascht, als der Anruf kam. Mittlerweile ist aus dieser Überraschung große Freude geworden. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie mein Engagement über 55 Jahre mit diesem Ehrenpreis würdigen.“ Die von ihm geleistete Hilfe für die Tschernobyl-Kinder sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen“, betonte der Ehrenpreisträger. „Aber das alles wäre nicht möglich gewesen ohne die vielen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die mich dabei unterstützt haben. Und vor allen nicht ohne dich meine liebe Hildegard!“ Seiner Ehefrau, die stets an seiner Seite stand, gebühre der Preis mindestens zur Hälfte. 

Zum festlichen Rahmen des Stiftungsfestes gehört eine anspruchsvolle musikalische Untermalung ebenso wie ein Festredner zu einem aktuellen Thema. Weichao Wu und Yujing Li von der Gitarrenschule Wu aus Warstein waren für den musikalischen Part zuständig. Als Festredner stellte Dr. Josef Leßmann den gebürtigen Sichtigvorer Ingenieur Friedhelm Hillebrand, der als Pioneer des Mobilfunks und Erfinder der SMS gilt, vor. Hillebrand referierte zum Thema „Chancen und Risiken der Informationsgesellschaft“, stellte aber im Vorfeld klar, dass bei diesem Thema weitreichende politische, ökonomische, technische Probleme gebe, die „wir weder durch den heutigen Vortrag noch durch eine Diskussion lösen können“. Der häufig verwendete Begriff „Digitalisierung“ sei sehr allgemein und unscharf und daher seines Erachtens ungeeignet, die zukünftige Entwicklung zu verstehen. „Ich möchte mich darauf konzentrieren, Ihnen als Nutzern der Informationsgesellschaft Hinweise zu geben, wie Sie Ihre Chancen maximieren und Ihre Risiken minimieren können.“ Haupttreiber der Informationsgesellschaft seien die digitalen Informations- und Kommunikationstechniken, die zu einer Informationsexplosion geführt haben. „Die Informationsgesellschaft durchdringt unser Leben“, erklärte Hillebrand. „Jeder muss sich damit auseinandersetzen und seine Position selbst finden: Was, wann, wo nutzen oder nicht nutzen?“

 Hillebrand wollte Hinweise geben, wie seine Zuhörer ihre Chancen maximal nutzen und dabei die „Nebenwirkungen“ minimieren können. Er stellte sowohl die Chancen der Informationsgesellschaft, wie beispielsweise den schnelleren Informationsaustausch durch E-Mail, SMS oder WhatsApp vor und machte am Beispiel der SMS deutlich, wie die Evolution vom Brief zum Dialog verlaufen sei. „Wichtige Informationen sind jederzeit und überall verfügbar“, betonte Hillebrand und nannte beispielhaft Google, online Tagesschau, Wikipedia oder Navigationsprogramme. „Wir erleben eine Revolution der Fotografie. „Im Jahr 2014 wurden mehr neue Fotos gemacht als in allen vorherigen Jahren seit Erfindung der Fotografie.“ Ein weiterer Vorteil sei die schnelle Hilfe in Notfällen. Auch die Nachteile wollte er nicht verschweigen: „Alle Nutzer müssen vor Hackern auf der Hut sein.“ Das Resümee des Experten war aber gleichzeitig eine Empfehlung: „Die Teilhabe an der Informationsgesellschaft wird Ihr Leben bereichern!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare