Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, lobt Engagement für E-Mobilität

„Warstein hat bundesweit eine Vorbildfunktion“

+
Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), kam gestern im Elektroauto von Berlin aus nach Belecke, um sich über Elektromobilität auf dem Land zu erkundigen. Gesprächspartner waren unter anderem Bürgermeister Dr. Thomas Schöne, IHK-Präsident Andreas Rother und Infineon-Geschäftsführer Arne Kohring.

Belecke – Da staunte der Gast aus der Hauptstadt Berlin gestern bei seinem ersten Besuch in Belecke: „Wie lange dauern denn hier Genehmigungsverfahren?“, hatte Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), von Bürgermeister Dr. Thomas Schöne wissen wollen, nachdem dieser zuvor Warstein als bundesweit führend beim Verhältnis von Ladesäulen für Elektroautos zur Einwohnerzahl berichtet hatte. Nicht nur diese Quote faszinierte den Fachmann, sondern auch die Bürgermeister-Antwort mit „ein Tag“: „Das ist toll, woanders ist das nicht so schnell, da dauert das auch mal ein halbes Jahr...“

„Ladepunkte sind nicht nur in großen Städten wichtig“, erklärte Bernhard Mattes unmittelbar nach der Begrüßung auf dem Infineon-Mitarbeiter-Parkplatz. Dass dort mit zehn Ladepunkten an fünf Säulen einst die größte Stromtankstelle Deutschlands zu finden war und quasi „auf dem Dorf“ ein solches Pilotprojekt umgesetzt wird, weckte natürlich das Interesse des Automobilfachmanns, der daher gerne der Einladung in die Stadt Warstein, die inzwischen 27 öffentlich zugängliche Ladepunkte hat, gefolgt war. „Wie haben sie das geschafft?“, wollte Mattes daher auch vom Bürgermeister mit Blick auf die Quote von einer Lademöglichkeit pro 900 Einwohner wissen. „Wir haben Partner gefunden“, so Dr. Thomas Schöne über das Erfolgskonzept – und zwar Autohäuser ebenso wie beispielsweise einen Einkaufsmarkt. Hinzu komme noch die WVG als eigener Energieversorger und „starker Partner“. „Wir haben sie gewonnen, gemeinsam diesen Weg zu gehen“, den die Stadt als Haushaltssicherungskommune nie alleine hätte bestreiten können. Und dieses Netz an Lademöglichkeiten soll weiter wachsen, denn man wolle in Warstein „die Elektromobilität weiter nach vorne bringen“: „Drei Vorhaben mit sechs Ladepunkten kommen in den nächsten Monaten dazu“, so der Bürgermeister, dazu zähle beispielsweise auch das touristisch stark frequentierte Bilsteintal.

Wichtig war dem Bürgermeister auch, dass „alle E-Ladepunkte in Warstein bereits heute zu 100 Prozent Ökostrom“ liefern würden. In der Stadt Warstein habe man zudem den Anspruch, die elektrische Energie so klimafreundlich wie möglich zu erzeugen: „Bereits heute werden rund 25 Prozent des gesamten Strombedarfs des Stadtgebietes Warstein ökologisch erzeugt. In ganz Nordrhein-Westfalen beträgt der Anteil des Ökostroms lediglich 14 Prozent, Ziel sind 20 Prozent.“

Und auch bei Infineon – dort kommen bereits 24 Mitarbeiter per Elektroantrieb zur Arbeit – will man die Möglichkeiten zur Batterieladung weiter ausbauen, wie Unternehmenssprecher Jörg Malzon-Jessen erklärte. Nicht ohne Grund, ist das Unternehmen doch, wie es Geschäftsführer Arne Kohring erklärte, „die Wiege der Leistungselektronik“. Dort werden von den 2000 Mitarbeitern, darunter rund 500 Ingenieure, Halbleiterlösungen zum Beispiel für die Automobilelektronik und Elektromobilität, für erneuerbare Energien und Industrieantriebe entwickelt und gefertigt. Wie es denn mit dem Fachkräftemangel aussehe, interessierte den Gast aus der Bundeshauptstadt natürlich auch. Das sei eigentlich kein Problem, so Kohring – dank intensiver Werbung und nicht zuletzt einer tollen Natur und günstiger Immobilienpreise im Vergleich beispielsweise zu München. Der VDA-Päsident hatte, schmunzelnd, noch einen weiteren Joker für den ländlichen Standort, den man gestern auch besichtigte, parat: „Das Bier...“

Welche Bedeutung neben Infineon noch viele weitere Betriebe in der Region für die Mobilität haben, unterstrich Andreas Rother: „Kein Auto würde ohne Südwestfalen fahren“, betonte der Präsident der IHK Arnsberg, „außer Spiegel und Reifen machen wir alles.“ Eine Tatsache, die Bernhard Mattes nicht neu war und die er erst vor kurzem noch im Gespräch in Berlin betont habe: „Ohne die vielen, vielen mittelständischen Unternehmen würde kein Auto fahren.“ Gerade der Mittelstand zeichne sich durch eine hohe Innovationskraft aus.

Lob gab es am gestrigen Freitag auch für die Stadt: „Am Beispiel Warstein sehen wir, wie wichtig konkrete Maßnahmen vor Ort und kommunales Engagement beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos sind“, so Bernhard Mattes. Mit der hohen Dichte an Ladepunkten und der Speisung von Ökostrom seien die Voraussetzungen für nachhaltige und klimafreundliche Mobilität gegeben: „Für mich hat die Stadt Warstein bei der Lade-Infrastruktur für Elektroautos bundesweit eine Vorbildfunktion.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare