Belecker Rosenmontagszug mit 66 Zugnummern auch ein virtueller Leckerbissen

Sahneschnitten, Lachs und Candys

Eine Hommage zum Abschied von JuKa-Sitzungspräsident Christian „Lachs“ Hoppe war der Prinzenwagen von Kinderprinz Mats I. und seinen Pagen.
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Eine Hommage zum Abschied von JuKa-Sitzungspräsident Christian „Lachs“ Hoppe war der Prinzenwagen von Kinderprinz Mats I. und seinen Pagen.

Belecke – Rosenmontagszugpremiere in Belecke. Die Geschichte des traditionellen Lindwurms blickt auf weit über einhundert Jahre zurück. Kriege und Wetterkapriolen verhinderten einige wenige Umzüge. Die Corona-Pandemie nicht. Gestern konnte in zahlreichen Wohnzimmern des Stadtgebiets virtuell Straßenkarneval gefeiert werden, während der Belecker Romozug im Maßstab 1:25 über die Bildschirme zog.

„Wir wünschen allen viel Spaß“, wandten sich zum Auftakt GBK-Präsident Christoph Sellmann und sein Vize Frank Lohmann – dargestellt als Playmobilpüppchen im weißen Sakko – an die Zuschauer. Dynamisch schwenkte der Präsi dabei das Mini-Megaphon mit Gelenk freiem Plastikarm und dankte allen, die zum Gelingen des 66 Positionen starken, bunten Geschlängels beigetragen hatten. Flott schob sich dann der Wagen des Romozug-Orgateams in die Szenerie, die im Hintergrund – neben Hoppen Gasthof und der „Skyline“ Oberbeleckes – auch zahlreiche „Zuschauer“ zeigte. Diese streckten ihre halbmondgeformten Plastikhändchen munter zum Helau-Ruf in den blauen Himmel. Nachdem auch der neue „Dorfsheriff“ Uli Figur im schmucken Polizei-Streifenwagen vom Moderatorenduo Erwin Grewe und Jürgen Lütkeduhme begrüßt worden war und der Präsidiumswagen mit überdimensionierter weißer Narrenkappe passiert war, „marschierte“ der Fanfarenzug Günne in selbst genähten, kunterbunten Clownskostümen heran. Wie alle anderen musikalischen Gruppen hatten die Musiker für ihren Auftritt eigene Musikstücke gewählt und sich originale Kleidung – auf den Leib genäht. Besonders kreativ zeigte sich die Nacht- und Nebelkapelle, mit 3D-gedruckten Instrumenten, winzigem Logo auf den Shirts und einem sich drehenden Mond Karl auf ihrem Premierenwagen. Das heimische Nachtgestirn war in Beleckes Lindwurm häufiger präsent. Natürlich durfte auch der Vater des traditionellen Stimmungssongs nicht fehlen: „Hasi“ Raulf nahm im Mondlicht Platz auf der „Hasibank“ und schmetterte, unterstützt von sexy Backgroundsängerinnen, seine Evergreens.

„Grün“ war auch eines der Themen der „Biälske Treckerfrönne“, die sich mit kalter Küche für den Bürgerwald stark machten. Ganz schön lecker zeigte sich dagegen der Wagen von Moritz und Emily Gauseweg, dem Nachwuchs des Ex-GBK-Vize-Präsis, und ihren Freunden Ida und Tim Friederizi. Als „Candy Kids“ hatten sie ihren Mottowagen mit Marshmallows, Puffreis und Co. verziert. Auch die Notnägel gaben ihrem süßen Zahn nach und kamen als Überraschungseier daher. Mitglied Dieter Flormann sorgte als „driving gag“ mit seinem Nappo-Express für immer wiederkehrenden Spass.

Dass man als Rentner nicht zum drögen Sandkuchen verkommen muss, bewiesen Hubert Löbbecke und Heinz Wessel mit ihrem zuckersüßen Wagen „Sahneschnittchen Ü60“. Mit einer „Knutschkugel“, einem Caravan in Biäelske-Boy-Karostyle, wurden Prinz Dirk der I. aus dem Hause Breitkopf und sein Duett-Partner Volker „Laba“ Gosselke auf Tour geschickt. Juka-Prinz Sven I. (Gauseweg) thronte auf seinem mit 400 winzigen Röschen verzierten Wagen, und Kinderprinz Mats I. sagte mit einem fülligen Fisch auf seinem Mottowagen Ex-Präsi Christian Hoppe Adieu: „Good bye Lachs“. Nicht nur Fische freuen sich über die Renaturierung an Stütings Mühle. Die „Wittekinder“ machten das Gebäude zudem „Bomben-sicher“. Natürlich durfte auch das Thema „Corona“ nicht fehlen. „Die Hoppen vom Seller“ wünschten sich das Aus nicht nur für das Virus, sondern auch für Trump und AfD und die „Ladykracher“ schüttelten selbstbewusst ihre unfrisierten Wallemähnen: „Kamm in and Hair fort“.

In Schautanzkostümen nahmen die „Trolle 2.0“ der GBK-Kindergarde am Umzug teil.

Frei ihres Mottos „Kein Karneval wegen Sars – dann fliegen wir zum Mars“ hatten die „Dröämelköppe“ ihre Expedition mit Alu-glitzernden Marsmännchen in Szene gesetzt. Auch die „Johnnys“ widmeten sich dem Weltraumthema – mit einem Retrowagen-Nachbau von 1984. Durch Karl Molitor als Besatzung, der mit der Johnny 1 zum Mond katapultiert wurde, erhielt der Belecker Mond einst seinen Namen. Ein Name, der im heimischen Karneval nicht fehlen darf, ist der der „Dai Niggelliggen“, die nicht nur klarmachten, dass sie von allen Vereinen die meisten Schützenkönige und Karnevalsprinzen stellen, sondern auch in diesem Jahr ihre 50. Geburtstag feiern – oder besser: gern feiern würden. Das halbe Jahrhundert der Parodistengruppe war nicht das einzige Jubiläum, das im Romozug Beachtung fand. So verwies das Ehepaar Glänzer mit knuddeligen Figuren auf 90 Jahre „Winnie Puuh“, der GBK-Senat zeigte zum 60. Geburtstag die „Impfstoff-Lösung für Alle“ auf und kam mit frisch gezapftem Wasser aus dem Kaiser-Heinrich-Bad daher (Familie Peters setzte hier auf die (Impf-)Dose Warsteiner), 10 Jahre gibt’s den Twirling Musik Tanz Verein Warstein, die Halli-Galli-Band spielt seit 11 Jahren in ihrer Besetzung auf und der Kegelclub „Dai Pööste“ feierte im Zug seinen 40sten Ehrentag unter südländischen Palmwedeln. Auf dem Fuße folgte der Prinzenwagen aus Drewer. Die DKG nahm ebenso an dem Zug teil, wie die Gesellschaften und/oder Gruppierungen aus Effeln, Mellrich, Warstein und Allagen. Eine Hommage an seine Prinzenpaare aus dem Jahr 2016 lieferte der Anröchter Karnevalsverein: Da damals der Zug dem Sturm zum Opfer fiel, fuhren in diesem Jahr die Monarchenpaare 2016 unter dem Motto „Seeräuber und Piratenbräute, heute macht der AKV fette Beute“ mit. Ein Playmobil-Piratenschiff schien es, in einigen Kellern oder Speichern noch gegeben zu haben. Nicht nur die Anröchter setzten auf den segelnden Eyecacher. So wie die Effelner „Romo-Homies“, die ihr Schiff von Coronaviren im Stressball-Design bedroht sahen. Den Viren-Angriff trotzen, das wünschten sich viele der Wagenbauer – die einen versuchten es mit Musik (wie zum Beispiel die Musikvereinigung Belecke), andere (etwa Julia Welzel) ließen Bürgermeister Schöne mit bombigem Erfolg das Problem lösen.

Ein Ersatz für den „großen“ Romozug war die Miniaturausgabe sicher nicht – aber er hat sowohl Mitwirkenden als auch Zuschauern (Vor-)Freude bereitet. Und einen Vorteil birgt die online-Variante zudem: Man kann die 53 Minuten Narretei mehrmals genießen und dabei vielleicht auch die Kleinigkeiten bestaunen. Beim näheren Betrachten fällt etwa auf, dass Ortsvorsteher Maas im Kampf ums Rathaus sein echtes Familienwappen auf der Brust trägt. Stets den Finger am Kameraauslöser hatte Spielmannszugmitglied Jürgen Schulte auch als Playmo-Kopie und die traditionelle Anti-Frostbeulen-Decke durfte in den Reihen der Effelner Gardistinnen natürlich auch nicht fehlen. Viele hundert Stunden mögen wohl zusammenkommen, zählt man die Zeit für die Filigranarbeit zusammen. Diese leidenschaftlich und liebevoll umgesetzten persönlichen Kleinigkeiten waren es wohl, die den den Romozug in Kleinformat so groß-(artig) machte. iz

Der „Rosenmontagszug in Kleinformat – ganz groß“ ist über die GBK-Homepage oder den Youtube-Link https:/youtu.be/mRczQ9kfGaU zu erleben.

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