Auf dem Friedhof in Sichtigvor

Die letzte Ruhe unter einem Baum

Noch ist der Baum klein, doch schon bald wird es gut etwas hermachen. Die neue Bestattungsmöglichkeit in Sichtigvor stellten (v.l.) Erwin Koch, Gaby Raulf, Ingo Schaup, Olaf Willecke und Heike Kruse vor.
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Noch ist der Baum klein, doch schon bald wird es gut etwas hermachen. Die neue Bestattungsmöglichkeit in Sichtigvor stellten (v.l.) Erwin Koch, Gaby Raulf, Ingo Schaup, Olaf Willecke und Heike Kruse vor.

Die Bestattungskultur hat sich in den letzten Jahren verändert. Darauf reagiert die Stadt jetzt.

Sichtigvor – Auf den ersten Blick ist es nur ein Baum, den die Stadt Warstein da letzte Woche auf dem Friedhof in Sichtigvor gepflanzt hat. Doch in Wirklichkeit ist dieser Baum viel mehr, ab sofort kann er nämlich als letzte Ruhestätte für die Einheimischen genutzt werden. So wird aus einer einfachen Pflanze ein Platz der Trauer, Stille und Erinnerung.

„Ich freue mich, dass wir hier jetzt auch die Möglichkeit zur Baumbestattung haben“, findet das Sichtigvors Ortsvorsteherin Heike Kruse richtig gut. „Einige Bürger haben sich das so gewünscht.“ Der Friedhof in Sichtigvor ist nicht der erste in Warstein, auf dem Menschen nun am Fuße eines Baumes ihre letzte Ruhe finden können.

Immer weniger Sargbestattungen

Dies ist bereits in Belecke, Suttrop, Hirschberg, Allagen und dem Zentralort möglich. Betriebshofsleiter Ingo Schaup erklärt: „Das ist ein Angebot, das wir im Rahmen der Veränderung der Bestattungskultur machen.“ So sei es vielen wichtig, zwar einen Ort zu haben, an dem sie ihre verstorbenen Liebsten aufsuchen können, allerdings nur wenig mit der Pflege der Grabstätte zu tun haben. Erwin Koch, Leiter des Arbeitskreises Friedhöfe im Stadtrat, ergänzt: „Die Familie kommt nicht extra aus Hamburg her, um sich um das Grab zu kümmern.“

In ganz Deutschland sinkt daher der Anteil an klassischen Sargbestattungen von Jahr zu Jahr weiter, in Nordrhein-Westfalen machten diese 2018 nur noch 35 Prozent aus. Die restlichen 65 Prozent waren Urnenbestattungen. In ganz Deutschland wurden sogar 73 Prozent der Verstorbenen in einer Urne beigesetzt.

Freie Wiesen sinnvoll nutzen

Für Urnen sind die Bestattungsmöglichkeiten mittlerweile vielfältig geworden, eine der neueren ist die Baumbestattung. Diese finden meistens in speziell dafür ausgewiesenen Friedwäldern statt. „Doch wir sind nicht auf dieses System gegangen“, meint Erwin Koch. „Wir integrieren vielmehr die Flächen für die Baumbestattungen in unsere Friedhöfe.“ So könne man die dort freien Wiesen sinnvoll nutzen und müsse die Anlagen nicht erweitern, begründete das Ingo Schaup.

Für den frisch gepflanzten Baum in Sichtigvor gibt es allerdings noch keine Anfragen. „Doch ich werde die Bestatter schnell informieren und diese Option in unserem System freischalten“, verspricht Gaby Raulf, beim Betriebshof zuständig für den Bereich Friedhöfe. Um den Baum herum will die Stadt Warstein mehrere Grabstellen mit Stelen anlegen, in der jeweils zwei Urnen zusammen bestattet werden können.

Kein zweiter Baum geplant

Ein zweiter Baum ist derweil nicht geplant, stattdessen sollen auf der restlichen Freifläche im westlichen Teil des Sichtigvorer Friedhofes Flächen für andere Formen der Urnenbestattung entstehen. „Wenn die Beisetzung am Baum aber sehr gut angenommen wird, können wir es uns ja nochmal Gedanken über einen zweiten Baum machen“, sagt Gaby Raulf.

Schon 66 Baumbestattungen in Warstein

Der Friedhof in Sichtigvor ist nicht der erste, auf dem die Stadt die Möglichkeit einer Baumbestattung anbietet. Die Ortsteile Allagen, Belecke, Hirschberg, Suttrop und Warstein verfügen schon länger über dementsprechende Gegebenheiten. Dort hat es bisher insgesamt 66 Baumbestattungen gegeben: Elf in Allagen, fünf in Belecke und Hirschberg, drei in Suttrop und 42 in Warstein. „In Suttrop wurde es zunächst nicht so richtig angenommen“, sagt Erwin Koch, Vorsitzender des Arbeitskreises Friedhöfe. „Doch jetzt werden es dort langsam immer mehr.

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