Regina und Hans-Jürgen Fahney gehen in Ruhestand

Bäcker Fahney schließt Betrieb

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Die Bäckerei Fahney ist ein Familienunternehmen, wie auch das Engagement der Töchter im Betrieb zeigt. Das Bild zeigt die Fahneys vereint (v.l.): Luisa (21), Regina (58), Hans-Jürgen (62), Sophie (23) und Sarah (23).

Warstein - Nach 22 erfolgreichen Jahren in Warstein schließt Hans-Jürgen Fahney (62) zum 1. August seine Traditionsbäckerei an der Schulstraße. Die Bemühungen des Bäckermeisters, einen Nachfolger zu finden, der den Betrieb weiter führen könnte, sind leider im Sande verlaufen. Immerhin ist er froh, den Verkauf der beiden Filialen im Combi-Markt an der St. Poler Straße und in Niederbergheim an der Sauerlandstraße so abgewickelt zu haben, dass voraussichtlich alle Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten können.

Mit gemischten Gefühlen wird die gesamte Familie, mit Ehefrau Regina (58) und den Töchtern Sarah und Sophie (23) sowie Luisa (21), Warstein schon bald den Rücken kehren. Zwar freuen sich alle auf den Umzug ins eigene Haus in der Nähe von Paderborn, doch die Wästerstadt ist ihnen im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen.

Dabei verläuft das Leben der Fahneys exakt nach Plan. „Wir haben damals den Betrieb in Warstein bewusst nicht gekauft, sondern für 20 Jahre gepachtet“, erinnert sich Regina Fahney. Die Töchter sollten sich nicht irgendwann einmal genötigt fühlen, den Familienbetrieb übernehmen zu müssen. „Wir haben nur für uns entschieden und den Kindern immer die freie Wahl gelassen.“

Nun möchte Sarah Lehrerin werden und Luisa studiert Design- und Projektmanagement. Allein Sophie hätte sich vorstellen zu können, Nachfolgerin ihres Vaters zu werden. Unter anderem um sich das Rüstzeug für die Leitung eines zukunftsfähigen Betriebes zu holen, studiert sie Wirtschaftsingenieurwesen und musste schon bald erkennen: „An der Schulstrasse würde das nicht funktionieren.“ Weil sie an diesem Standort keine Expansionsmöglichkeiten sah, gab sie zwar ihren ursprünglichen Plan, nicht aber das Studium auf.

Die Eltern sind stolz auf ihre Töchter. Schließlich haben sie den Grundstein für deren positive Entwicklung gelegt und das war nicht immer einfach. In eine Bäckerfamilie hineingeboren war der Berufsweg von Hans-Jürgen Fahney vorgezeichnet. Weil der ältere Bruder den Großbetrieb mit zeitweise 22 Filialen übernahm, dachte der Jüngere über Selbstständigkeit nach.

Als er schließlich seine spätere Ehefrau Regina kennenlernte und die Zwillinge geboren wurden, reifte der Wunsch nach einem eigenen Geschäft. In der Bäckerzeitung lasen sie die Annonce von Bäckermeister Josef Nolte aus Warstein.

Der suchte einen Nachfolger und nach langen Überlegungen wurde man schließlich handelseinig. Eine gute Entscheidung, wie sich schon bald herausstellen sollte: Innerhalb von drei Monaten verdoppelte sich der Umsatz und verdreifachte sich in den folgenden drei Jahren. Auch die Zahl der Mitarbeiter in Backstube und Ladenlokal schnellte in die Höhe. Aus den ursprüngliche vier Angestellten und zwei Teilzeitkräften wurden schon bald doppelt so viele. Das lag auch an der Übernahme von zwei Filialen. Hans-Jürgen Fahney: „Wir kamen kapazitätsmäßig an unsere Grenzen.“

So kometenhaft der Aufstieg sich auch gestaltete, das Familienleben litt darunter. „Das erste Jahr war wirklich heftig“, erzählt Regina Fahney. Während ihr Ehemann nach aufwändiger Renovierung aus der Backstube kaum noch herauskam und die wenigen freien Abende für Büroarbeiten drauf gingen, hatte die Zwillingsmutter in Geschäft und Haushalt alle Hände voll zu tun: „Und kaum waren wir aus dem Gröbsten raus, war ich schon wieder schwanger. Ich hatte keine Verwandten, die mich hätten entlasten können und eine Kita gab es auch nicht.“

Doch die Nachbarinnen erwiesen sich als Retterinnen in der Not: „Die waren total hilfsbereit, sind mit den Zwillingen spazieren gegangen und haben mich so oft sie konnten unterstützt.“ Trotzdem war es im Rückblick „eine schöne Zeit“. Gern denken die drei Töchter an ihre glückliche Kindheit im Großfamilienbetrieb zurück. Zu ihm gehörten stets auch die Angestellten. Mit ihnen im Personalraum zu frühstücken war immer ein Erlebnis. Gern saßen die Kleinen nach Kindergarten oder Schule auf den Treppenstufen zwischen Wohnung und Geschäft. „Da hatten wir alles im Blick.“

Jeden Samstag gab es dort den frischen Apfel-Streuselkuchen auf die Hand. Dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stets Anteil an der Entwicklung des Fahney-Nachwuchses nahmen, hatte nicht nur Vorteile: „Wenn wir als Sechzehnjährige mal morgens um fünf nach Hause kamen, war immer schon jemand in der Backstube, der mit uns schimpfen konnte.“

Die neuen Kreationen des Vaters und kreativen Bäckermeisters wurden immer gemeinsam getestet. Ob Sprinter- oder Löwenzahnbrot, der große Partybrezel oder „Bernd das Brot“, sie alle kamen erst ins Ladenregal, wenn die Hausgemeinschaft sie für gut befunden hatte. Für ihren Zusammenhalt spricht auch die Tatsache, dass viele Mitarbeiter dem Betrieb über viele Jahre hinweg die Treue hielten, Rita Xhabafti zum Beispiel seit 17 oder Fahim Daud seit 16 Jahren.

Mit dem Einzug des afghanischen Flüchtlings in die Backstube konnte der Chef ganz beruhigt in Urlaub fahren: „Für uns war er eine große Hilfe und eine einzigartige Vertrauensperson.“ Umso schwerer fällt nun der Abschied von einem gut eingespielten Team. Ganz herzlich bedanken möchte sich Familie Fahney nach langjähriger Verbundenheit auch bei ihren Kunden: „Schließlich waren sie der Schlüssel zu unserem Erfolg.“

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