Steinabbau in Warstein

Angst vor Sprengschäden - Vergeblicher Widerspruch der Anwohner

Ein halbes Dutzend Neubauten sind auf einer privaten Erschließungsfläche entstanden. Jetzt sorgen sich die Bewohner um Sprengschäden.
+
Ein halbes Dutzend Neubauten sind auf einer privaten Erschließungsfläche entstanden. Jetzt sorgen sich die Bewohner um Sprengschäden.

Die Nachricht von der bevorstehenden Wiederaufnahme des Kalksteinabbaus in der nördwestlichen Ecke des Hillenberg-Steinbruchs hat nicht nur die Trinkwasserschützer (wegen der Nähe zur Hillenbergquelle und zum Wasserwerk) aufgeschreckt, auch Anwohner des nördlich angrenzenden Siedlungsbereiches sorgen sich um negative Auswirkungen durch die angekündigten Sprengungen. Auch im Namen der Nachbarn haben sich Benedikt und Dorothee Gödde jetzt mit einem „Widerspruch“ an den Regierungspräsidenten gewandt. Die Antwort, die sie erhielten, ist aus ihrer Sicht unbefriedigend. Ihnen bliebe nur die Klage vor dem Verwaltungsgericht, da das Verfahren nach Bergrecht einen Widerspruch nicht vorsieht.

Warstein – Bereits in den nächsten Wochen will die Firma Westkalk ihre Abbauaktivitäten an den Rand dieses ältesten Bereich des Hillenbergsteinbruchs verlagern. Ziel ist, in den nächsten drei bis vier Jahren rund 400 000 Tonnen Kalkstein abzubauen – im Sprengverfahren. Die Brisanz der Nähe zur Hillenbergquelle ist dem heimischen Steinunternehmen bewusst. Das sei in der erteilten „Wasserrechtlichen Erlaubnis“ berücksichtigt, hatte Westkalk-Geschäftsführer Franz-Bernd Köster auf Anfrage unserer Zeitung mitgeteilt. In Grundwassermessstellen werden die Pegel stetig überwacht.

Die Anwohner auf der anderen Seite der Steinbruchkante sorgen sich aber viel mehr um die Sprengerschütterungen. Schließlich gehören die Bewohner der Nachbarstraßen „Walkemühle“, „Am Hakenberg“ und „Röntgenweg“ zu den „gebrannten Kindern“. Viele Häuser wurden durch Sprengerschütterungen in Mitleidenschaft gezogen und hier gründete sich einst die „Interessengemeinschaft Sprenggeschädigter“.

Dabei sind gerade im vergangenen Jahr hier einige Häuser erst neu gebaut worden, nachdem auf einem Privatareal viele Bauplätze ausgewiesen wurden. Weitere Flächen stehen bereit.

„Viele junge Familien im Bereich des Piusberges mit neuem Eigentum, aber auch alte Anwohner mit ihrem Eigentum sehen dem Abbau des restlichen Kalksteinmassivs mit Angst und Schrecken entgegen“, schreiben Benedikt und Dorothee Gödde an den Regierungspräsidenten Hans-Josef Vogel. Die Abbautiefe der 400 000 Tonnen entspräche genau der Höhe ihrer Wohnhäuser, schreiben sie. Betroffen seien damit auch Anwohner im Bereich Altenwarstein, die auf gleichem Niveau lägen. Gefürchtet wird, dass sich beim Sprengen die Erschütterungswellen bis zu den Häusern übertragen.

Auch wenn die meisten bei der Gründung ihrer Häuser besondere Fundament gebaut haben, so sehen sie dennoch Gefahren. „Sprengrisse im ganzen Haus, Steinflug, Lärm und Dreck“, sind ihre Sorge. Sie schildern: „Es gab aber auch schon Sprengungen, bei denen sich die Lampen in den Häusern bewegten, Gläser in Schränken und Windlichter Wackelten.“

Stellvertretend für ihre Nachbarn stellt die Familie Gödde die Frage: „Können wir davon ausgehen, dass sämtliche Schäden, die die neuen Sprengungen am privaten Eigentum verursachen werden, durch die Steinindustrie bezahlt werden?“

Die Anwohner wünschen sich den Verzicht auf Sprengungen und schlagen den Abbau der 400 000 Tonnen durch eine Fräse vor. „Hiermit wären gleich zwei Probleme gelöst: Die Sprengschäden könnten vermieden und die Trinkwasserquellen geschützt werden.“

Unterstützt werden die Anwohner in ihren Anliegen durch Altbürgermeister Manfred Gödde, Vater von Benedikt Gödde, der auf vielen politischen Ebenen aber „Macht und Einfluss der Rohstoffindustrie“ sieht. Dabei verweist er auf die jüngste Änderung des Landeswassergesetzes, in der er eine Abbau-Erleichterung für die Rohstoffindustrie erkennt. Seine Forderung an die Abgeordneten, sich zu dem Thema zu äußern, blieb unbeantwortet.

Dass ein Widerspruch nicht möglich ist, ärgert ihn. Den Klageweg zu beschreiten, sei aber für die jungen Familien wegen des finanziellen Risikos nicht möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare