Andreas Pohl startet mit „WarsteinAir“-Luftschiff bei Weltmeisterschaft am Tegernsee

„Ich sehe eine realistische Chance aufs Treppchen“

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Ein siebenköpfiges Team bereitet sich auf die Teilnahme an der Luftschiff-Weltmeisterschaft 2018 am Tegernsee vor: Pilot Andreas Pohl (in der Gondel), Copilot Torsten Sprenger (hinten rechts), sowie die Teammitglieder Jörg Mieth, Björn Beck, Andreas Hölter, Ralf Schulte und Christian Clewing.

Warstein -  Nach zehnjähriger Pause findet 2018 wieder eine Luftschiff-Weltmeisterschaft statt – und das erstmals in Deutschland. Und da Andreas Pohl zum kleinen Kreis der zehn startberechtigten Piloten  gehört, hat der 50-Jährige vom „Warsteiner Happy Ballooning“-Verein, ein „klares Ziel“: „Wir fahren nicht darunter, um nur dabei zu sein. Ich sehe eine realistische Chance aufs Treppchen, aber natürlich will ich gewinnen.“

Für Andreas Pohl ist es vom 15. bis 22. Februar am Tegernseer die erste WM-Teilnahme. Als sich zum letzten Mal die besten Piloten aus aller Welt zu solch einem Event trafen, da hatte der EDV-Fachmann noch nicht mal den Pilotenschein. Seit 2009 besitzt er die Lizenz zum Ballonfahren (PPL-D), seit 2010 auch die entsprechenden Papiere für Luftschiffe. Inzwischen ist er auch Ausbilder und Prüfer. Verglichen mit den anderen neun Startern ist er mit 410 Stunden in Weidenkorb und Ballongondel ein blutiger Anfänger, ein „Grünschnabel“, wie er selber sagt. Vier Konkurrenten haben ein mehrfaches an Stunden am Brenner verbracht, denn sie sind Berufspiloten. Und auch alle anderen Starter steuern deutlich länger ein Luftschiff als der Pilot aus dem Warsteiner Club, der erst seit der Anschaffung des Warsteiner Luftschiffes 2013 regelmäßig mit dem lenkbaren Heißluftgefährt abhebt. 

Für seine „wir wollen aufs Treppchen“-Zielsetzung sieht der 50-Jährige trotz der erfahrenen Konkurrenz gute Chancen, denn nach seinem „Bauchgefühl“ würden am Ende „50 Prozent Können und 50 Prozent Glück“ den Ausschlag geben. „Das heißt, man muss schon was können“, so Andreas Pohl, „aber ohne Glück wird das auch nichts.“ 

41 Meter lang, 12,8 Meter Durchmesser, 3000 Kubikmeter heiße Luft und 65 PS: Mit dem „WarsteinAir“-Luftschiff startet Andreas Pohl bei der WM.

Die Tallage rund um den Tegernsee sei geradezu prädestiniert für eine solche Weltmeisterschaft mit „sehr oft Luftschiff-tauglichem Wetter“ und einer „relativen Frostgarantie“ in rund 800 Metern Höhe. Gleichwohl biete das Areal aber auch Herausforderungen für den Piloten und seine Taktik: Zwar gehe Frost meist mit einer stabilen Wetterlage und dann auch wenig Wind einher, trotzdem muss man sich in dem Zusammenspiel von Bergen mit Sonne und Schatten auf plötzlich wechselnde Rahmenbedingungen einstellen: „Die Situationen können sich ganz schnell ändern“, so Andreas Pohl zu der „Schwierigkeit am Tegernsee“, man müsse oft „interpretieren, was könnte sein.“ Werde ein Hang im Schatten auf einmal von der Sonne beschienen, kehrten sich die Strömungsverhältnisse um, statt mit der kalten Luft nach unten gehe es dann mit der erwärmten Luft nach oben. „Und es kann entscheidend sein für das Erledigen einer Aufgabe, ob der Wind runter oder hoch geht.“ Zwar lässt sich im Gegensatz zum Heißluftballon das Luftschiff Dank Benzinmotor mit 65 Pferdestärken und einem großen Leitwerk auch lenken, aber eben auch nur in gewissen Grenzen. Manche Gegebenheiten müsse man auch buchstäblich „erfahren“, „deshalb starten die Profis gerne als dritter oder vierter, um zu sehen, was die anderen machen...“ Das wird allerdings bei dem Wettbewerb am Tegernsee schwerlich möglich sein, denn dort wird es bei fast allen Wettbewerben feste Startreihenfolgen geben. 

Bereits drei Mal war Andreas Pohl mit seinem Team – begleitet wird er diesmal von Co-Pilot Torsten Sprenger sowie den Crew-Mitgliedern Jörg Mieth, Björn Beck, Andreas Hölter, Ralf Schulte und Christian Clewing – mit dem „WarsteinAir“-Luftschiff am Tegernsee: Zuletzt 2017 beim Trainingslager für die Weltmeisterschaft, davor 2015 zur Deutschen Meisterschaft (6. Platz) und 2016 zur Europameisterschaft (4. Platz). Damit sicherte er sich als einer von fünf Deutschen, darunter ist mit Pia Marie Witt aus Kassel auch die einzige Pilotin, einen Startplatz bei der Weltmeisterschaft. Insgesamt zwölf Wettbewerbsflüge – jeweils morgens um 8.30 Uhr und nachmittags um 15 Uhr – stehen bei der Weltmeisterschaft an sechs Tagen zwischen der Eröffnungszeremonie am 15. Februar und der Siegerehrung mit Abschlusszeremonie am 22. Februar. Welche Herausforderungen am Brenner und Steuerhebel dann auf die Piloten zukommen, das kann man bislang nur erahnen. Zwar werden im offiziellen Programmheft verschiedene mögliche Aufgabenstellungen beschrieben, was am Ende aber die Wettbewerbsleitung um Cheforganisator Helmut Seitz aussucht, das erfahren die Piloten erst beim jeweiligen Briefing. „Es ist alles schwer“, weiß Andreas Pohl aus der Erfahrung der anderen Events am Tegernsee: Beispielsweise das Distanzfahren in einem genauen Zeitrahmen („da ist die Planung wichtig“), das Markern mit Sandsäcken an Zielpunkten, ein „Touch and Go“ („da mussten wir auch schon eine auf einem Holzpfahl stehende Sektflasche einfangen“) oder eine Landung direkt in einem Zielkreis. Gute Erinnerungen hat der 50-Jährige an die Geschwindigkeitsaufgaben: „Vor zwei Jahren habe ich alle gewonnen“, so Andreas Pohl, „ich bin einfach nur Vollgas gefahren. Und mein Luftschiff scheint schneller zu sein als die anderen...“ 

Bevor es allerdings auf die insgesamt elftägige Reise zur Weltmeisterschaft in das rund 650 Kilometer entfernte Oberbayern geht, hofft das „WarsteinAir“-Team nach den zuletzt wochenlang schlechten Startbedingungen noch auf eine weitere Trainingseinheit: Am Samstag, 3. Februar, beim Skispringen in Willingen sollen das Auf- und Abrüsten im Schnee geübt werden – wenn das Wetter es zulässt. Dass das Luftschiff bei dem Weltcupspringen aufgerüstet werden soll, hat einen einfachen Grund: Die Warsteiner Brauerei ist Sponsor nicht nur von „WarsteinAir“, sondern auch bei dem Sportevent. Dass ohne einen solchen Geldgeber im Hintergrund auch eine Weltmeisterschaftsteilnahme für einen Privatmann nicht zu stemmen sei, macht Andreas Pohl deutlich: „Mein herzlicher Dank gilt Catharina Cramer und der Brauerei für die finanzielle Unterstützung. Ohne diese wäre das alles nicht möglich.“ 

www.world-championship.org

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