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Ärzte bitten um Chance für Notfalldienst-Regelung

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Dr. Vatteroth, Dr. Becher und Dr. Cramer warben für das System, das keine Versorgungslücken entstehen lässt.
Dr. Vatteroth, Dr. Becher und Dr. Cramer warben für das System, das keine Versorgungslücken entstehen lässt.

WARSTEIN ▪ Wenn der neue ärztliche Notfalldienstplan am Dienstag, 1. Februar, erstmals in Kraft tritt, dann ist das eine Organisationsform, die von den Ärzten gewollt ist.

Der für die Aufstellung des Planes zuständige Allgemeinmediziner Dr. Matthias Becher machte bei einer Vorstellung im Verwaltungsgebäude des Maria-Hilf-Krankenhauses gestern deutlich, dass es eine mit langem Vorlauf gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe erarbeitete Lösung ist, vor der sich niemand fürchten muss: „Wir wissen, dass die Umstellung auch mit Anfangsfehlern behaftet sein kann. Aber sie werden alle erfasst und so schnell wie möglich abgestellt. Der Notfalldienstplan ist als lernendes System aufgebaut, in dem Veränderungen immer möglich sind“, sagte er vor einer Multiplikatorenrunde, der neben Maria Hilf-Verwaltungsdirektor Dr. Hans-Christian Vatteroth und Chefarzt Dr. Rolf Cramer auch die Bürgermeister von Warstein und Rüthen, Manfred Gödde und Peter Weiken, die Ortsvorsteherinnen Elisabeth Wiese und Elke Bertling, sowie vier Seniorenvertreter aus dem Möhnetal angehörten. Gerade dieses Quartett äußerte erhebliche Bedenken, doch Dr. Becher und auch Dr. Cramer, Vorsitzender des Ärztevereins Warstein-Rüthen, forderten auch von ihnen den Mut zur Neuerung.

Die bisherige notärztliche Versorgung läuft weiter, die Telefonnummer 112 bleibt für den lebensbedrohlichen Notfall bestehen. Wer aber außerhalb der üblichen Praxiszeiten Hilfe braucht, fährt entweder eigenständig in das diensthabende Krankenhaus nach Lippstadt, wo sich katholisches und evangelisches Krankenhaus im Monatsrhythmus abwechseln, oder nach Brilon. Einprägen müssen sich aber alle Patienten die neue zentrale Notfalldienstnummer 0180/5044100, über die der Einsatz geregelt wird. Reicht es erkennbar aus, dass ein Arztbesuch in einem überschaubaren Zeitraum vonnöten ist, dann wird der diensthabende Mediziner informiert. Dr. Becher, seit 1995 niedergelassener Hausarzt in Warstein, erzählte aus der eigenen Praxis, dass es auch beim bestehenden System passieren könne, dass am Wochenende ein Patient einige Stunden warten muss, weil die Praxis im Notdienst voll besetzt ist und erst diese Kranken Hilfe bekommen.

„In Westfalen-Lippe sind wir der letzte Bereich in Deutschland, der seinen Notfalldienst umstellt. Die ersten Bezirke haben schon 2002 damit begonnen“, so Dr. Becher. Anlass ist der Ärztemangel in Deutschland, beschleunigt durch das altersbedingte Ausscheiden von Ärzten aus dem Berufsleben. Die für Warstein und Rüthen geltenden neuen Bedingungen betreffen derzeit 15 Ärzte in Warstein und vier in Rüthen, wobei in der Nachbarstadt in den nächsten zwei Jahren zwei Ärzte aus dem Notfalldienst ausscheiden. „Wir suchen für unsere Gemeinschaftspraxis mit derzeit vier Ärzten händeringend einen Nachfolger für einen Kollegen. Es ist bisher erfolglos“, sagt Dr. Becher. Die Last wird von immer weniger Schultern getragen, deshalb werden absehbar auch Ärztinnen nach einer Berufspause in das Notfallsystem integriert. Die Praxis am „Maria Hilf“ ist an Wochenenden besetzt, die Arzthelferinnen wurden eigens dafür eingestellt. Die Kosten dafür übernehmen die Ärzte, ebenso wie für den Fahrdienst, der sie zu den Patienten bringt. Der wurde auf Bitten von Ärztinnen eingerichtet, die sich dann sicherer fühlen, wenn sie in eine bis dahin für sie unbekannte Umgebung müssen.

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