Wer früh abgeschlossen hat, muss nun im ersten Jahr mehr zahlen

Ärger in Allagen um Innogy-Verträge

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Während Bauarbeiter bereits die Hausanschlüsse erstellen, fühlen sich zahlreiche Allagener, wie hier Markus Mertens und Gerd Lenze (r.), von Innogy getäuscht. Sie haben unter dem Druck von Fristsetzungen zu teuer abgeschlossen.

Allagen – Die Betroffenen sind sauer und sprechen von Täuschung, der Innogy-Sprecher kann es erklären – aber gleichzeitig den Ärger der 216 betroffenen Allagener sehr gut verstehen. Mit einer sogenannten „Herbstaktion“, mit der die eigenen Anfangspreise kräftig unterschritten wurden, hat sich der angehende Netzversorger Innogy im aktuell mit Glasfaser versorgten Allagen viel Unmut verschafft.

Es geht um die nicht unerhebliche Summe von 360 Euro pro Haushalt. Seit Anfang des Jahres machte Innogy kräftig Werbung für den Anschluss ans digitale Netz. Dabei drängte das Unternehmen die Bewohner hin zu einem schnellen Vertragsabschluss – zu einem auf zwei Jahre taxierten Monatspreis von 49,90 Euro für den durchschnittlich benötigten 300 Mbit/s Internet/Telefonanschluss.

Ursprünglich wurde den Bewohnern der 1. Mai als Termin genannt, bis zu dem man unterschrieben haben müsse, damit die sogenannte „Aktivierungsgebühr“ von 398,65 Euro nicht fällig werde. Gerd Lenze ist einer der Betroffenen, die sich diesem Druck beugten. „Unter diesem Zeitdruck habe ich am 20. Juli abgeschlossen“, schildert er – um sich anschließend zu wundern, dass dieser Termin plötzlich bis Mitte August verlängert wurde. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte es in Allagen Unmut gegeben, weil das Netz ja eigentlich einen „open access“, also einen offenen Zugang, auch für andere Anbieter haben sollte. Auch in einer Bürgerversammlung wurde der Eindruck vermittelt, dass man schnell bei Innogy abschließen müsse, um keinen wirtschaftlichen Nachteil zu haben.

Nun aber ist das Gegenteil der Fall, was Betroffene wie Gerd Lenze oder Markus Mertens mindestens als „Täuschung“ bewerten. Während die Erstellung der Hausanschlüsse in vollem Gang war („Die Bauarbeiter sind wirklich fleißig und leisten gute Arbeit“, so Gerd Lenze) schickte Innogy Postkarten mit dem Angebot einer „Herbstaktion“ – aber offenbar nur an alle Haushalte, die noch nicht abgeschlossen hatten. Nur durch den Fehleinwurf der Post gelangte eine solche Karte in die Hände von Gerd Lenze. Der glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Allen Nachzüglern wurde die gleiche Leistung nun im ersten Jahr für 19,90 Euro angeboten, ein Vorteil von 30 Euro für zwölf Monate, also 360 Euro. Das spricht sich aktuell im ganzen Ort herum. „Jetzt kommt auch noch der Spott hinzu, dass wir zu eilig waren“, ärgert sich Markus Mertens.

Auf Beschwerde-Schreiben erhalten die Betroffenen nur den Hinweis, dass Innogy den Vorgang bedauert, dass „aus prozessualen Gründen eine rückwirkende Anpassung der Verträge jedoch nicht möglich ist“.

Innogy-Pressesprecher Mario Leikop kann den Ärger aus heutiger Sicht gut nachvollziehen. 49,90 Euro sei der „Markteinstiegspreis“ gewesen. Zwischenzeitlich hätten sich „die Marktverhältnisse durch den Wettbewerb verändert“, erläutert er auf Anfrage unserer Zeitung. Deshalb habe Innogy die „Herbstkampagne“ aufgelegt. Dies sei aber „damals nicht geplant und nicht bekannt“ gewesen. Leikop: „Daher kann man nicht von einer Täuschung oder gar Betrug sprechen. Unterschiedliche Preise sind letzten Endes Zeichen eines funktionierenden Wettbewerbmarktes.“ Bei 820 „Anschlusspunkten“ seien bislang 216 Serviceverträge für 49,90 Euro pro Monat abgeschlossen worden. Rückwirkend könne dies nicht geändert werden. „Alle anderen Allagener Bürger können das neue Angebot nutzen.“

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