Siegfried Potyka warnt potenzielle Opfer

So wimmelte ein 83-jähriger Warsteiner falsche Polizisten am Telefon ab

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Warstein - Als das Telefon klingelte, fühlte sich Siegfried Potyka von einer Sekunde zur anderen wie der Hauptdarsteller in einem Kriminalfilm. „Hier spricht die Polizei“, donnerte eine durchsetzungsstarke Stimme am anderen Ende der Leitung. Doch der Rentner fiel auf den Trick nicht rein.

Obwohl sich der 83-Jährige nicht so schnell etwas vormachen lässt, verschlug es ihm zunächst die Sprache.  „Wir haben gerade vier Räuber gefasst“, hörte er den angeblichen Ordnungshüter weiter sprechen. Im Zuge der Ermittlungen sei man nun auf seinen Namen gestoßen. „Der steht auf der Liste der potenziellen Opfer.“ Nun werde man ihm einen Streifenwagen vorbei schicken mit der Nummer 746... An dieser Stelle wurde die Verbindung schlechter und brach schließlich ganz ab. Der Rentner hörte noch verschwommen den Befehl, mit Niemanden über die sehr vertrauliche Angelegenheit zu sprechen – weil das die Nachforschungen erschweren könnte.

Schnell holte er sein Handy „damit sie nicht merken, dass ich die Polizei anrufe“ und verständigte den Notruf 110. Die Beamten nahmen seine Personalien auf und versprachen, sich zu kümmern.

"Wenn Sie nicht mit uns zusammen arbeiten, müssen wir Sie verhaften"

Damit war Siegfried Potyka zunächst wenig geholfen, denn schon wieder klingelte der Festnetzapparat. Die bekannte Stimme polterte weiter: „Wenn Sie nicht mit uns zusammen arbeiten, müssen wir Sie verhaften.“ Er sei, so der Warsteiner, kaum zu Wort gekommen. Als der angebliche Polizist wissen wollte, wie viel Geld er zurzeit auf dem Bankkonto habe, war ihm schon klar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Er kenne seinen aktuellen Kontostand nicht, habe er geantwortet und dann einfach aufgelegt.

Telefonbetrug im Kreis Soest

Ausgerechnet an diesem Tag las er in unserer Zeitung einen Bericht der Polizei mit dem Wortlaut: „In den letzten Tagen kam es im Bereich Warstein wieder einmal zu vermehrten Anrufen von „falschen Polizisten“. Allerdings reagieren die meisten Angerufenen mittlerweile richtig. Sie lassen sich auf nichts ein und rufen die „richtige Polizei“ an, um die verdächtigen Anrufe mitzuteilen.“

So hat er sich für weitere Anrufe gewappnet

Eine Bestätigung für den empörten Rentner, denn er hatte weder Auskunft über seine Finanzen, noch über die Bank seines Vertrauens gegeben. Um andere potenzielle Opfer zu warnen, wandte er sich an unsere Zeitung mit der Begründung: „Wenn man diesen Untaten etwas entgegen setzen kann, sollte man es auch tun!“ Man sollte sich zum Beispiel für den Fall der Fälle ein paar Sprüche zurechtlegen. „Wenn die Verbrecher immer blöde Antworten bekommen, werden sie es vielleicht aufgeben.“

Telefonbetrug im Kreis Soest

Polizei: "Man sollte sich auf nichts einlassen"

Obwohl Jens Westhaus von der Kreispolizeibehörde dem Rentner ein umsichtiges Verhalten bescheinigt, stimmt er in diesem Punkt nicht mit ihm überein: „Man sollte sich auf nichts einlassen und sofort auflegen.“ Höflichkeit oder gar Freundlichkeit sei hier absolut fehl am Platze.

So würde die "echte Polizei" handeln

Die „echte Polizei“ würde niemals derartige Fragen am Telefon stellen, weiß er: „Wir kommen dann immer persönlich raus.“ Die Täter beschreibt er als „geschult“. Sie suchen ihre Opfer willkürlich, oft aus dem Telefonbuch, aus und wenn sie gutgläubig sind, wickeln sie sie buchstäblich um den Finger. Misstrauen lassen sie nach den Worten des Fachmanns gar nicht erst aufkommen. „Sobald es durchscheint üben sie massiven Druck aus.“ Sein Rat: Auf nichts eingehen, sofort auflegen und die Rufnummer der Polizei 91000 oder den Notruf 110 verständigen. „Wir nehmen das sehr ernst und ermitteln in alle Richtungen, um der Täter habhaft zu werden.“ 

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