2500 Teilnehmer bei Demokratie-Demo in Warstein – erwartet wurden 500

Mit 500 hatte man anfangs gerechnet, 2500 waren es am Ende nach Schätzungen der Polizei. Wie die Demonstration verlief, was auf Schildern und Plakaten stand und was Rednerinnen und Redner sagten.
Warstein – Die Rednerinnen und Redner auf der Treppe vor St. Pankratius mussten sich selber erst einen kurzen Moment sammeln. Ein nicht enden wollender Demonstrationszug, angeführt von der Percussiongruppe „SamBadu“, bog vor ihren Augen auf den Kirchenvorplatz und den Marktplatz ein – mit hunderten Schildern und Plakaten, Fahnen, Aufklebern und Bannern. Aus den erwarteten 500 Demonstrationsteilnehmerinnen und -teilnehmern waren 2 500 geworden, so die Schätzung der Polizeibeamten vor Ort. Es waren Warsteinerinnen und Warsteiner aus allen Ortsteilen und über die Stadtgrenzen hinaus, die ein „Zeugnis für Demokratie, Vielfalt und Menschenrechte“ abgaben, die „ein herrliches Bild der Vielfalt unserer Stadt“ boten, so Bündnissprecher und Ortsvorsteher Dietmar Lange.
Während die ersten bereits auf dem Marktplatz angekommen waren, passierten die hinteren gerade das Gerätehaus des Warsteiner Löschzuges. „Gemeinsam stark“ stand auf den Plakaten, „Miteinander und Füreinander“, „Ich kenne kein braunes Konfetti“ oder ganz einfach „Sei Mensch“. Die Botschaften der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren deutlich: Für Toleranz und Frieden und gegen Rechts und Rassismus.

Frenetischen Applaus am Mikrofon erntete insbesondere die 15-jährige Sevil Mirzayeva, Mitglied der Schülervertretung des Europa-Gymnasiums. die seit 2016 mit ihrer Familie in Deutschland lebt. Es sei leider Teil ihres Lebens, auf offener Straße mit Rassismus konfrontiert zu werden: „Als ich von dem Treffen in Potsdam gehört habe, hatte ich Angst. Angst um meine Zukunft, Angst um meine Bildung, Angst um meine Familie, Angst um mein Zuhause. Alle meine Freunde sind hier. Alles, was ich habe, ist hier.“ Sie wehre sich „gegen jegliche Form von Extremismus, Hass, Hetze und Rassismus“: „Ich bin für Toleranz, Vielfalt, Gerechtigkeit und Respekt, für eine offene und vielfältige Gesellschaft. Die Weltgeschichte darf sich nicht mit den gleichen Fehlern wiederholen. Ich bin für ein Deutschland und ein Warstein, dass uns allen eine schöne Zukunft ermöglicht. Es ist unsere Aufgabe, laut zu werden, um die Demokratie zu schützen.“
„Bewegende Bilder“ für Bürgermeister Dr. Thomas Schöne
Es seien „bewegende Bilder“, die sich ihm gerade böten, richtete sich Bürgermeister Dr. Thomas Schöne an die 2500 Demonstranten, es sei eine Ehrensache für ihn, ans Mikrofon zu treten. Noch am Samstagmorgen habe er ein junges Paar im Haus Kupferhammer trauen dürfen: „Und ich wünsche mir, dass dieses junge Glück, dass die Kinder und Kindeskinder, dass Generationen in dieser Stadt in Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unter Achtung des anderen in einem respektvollen Miteinander und die Grundrechte stets hochhaltend leben dürfen – dafür sind wir heute zusammengekommen: laut und sichtbar.“
„Mit Liebe können wir gegen Hass angehen“, machte Diakon Ludger Althaus deutlich. Uwe Müller, Pastor der evangelischen Kirchengemeinde, wusste, dass Nein-sagen häufig leichter sei als das Ja-sagen: „Anspruchsvoller ist es, sich für etwas einzusetzen. Wir, die heute hier sind, sind deshalb nicht die Nein-sager, die behaupten, mit ihrem Nein das Volk zu sein. Sondern wir sind die, die für die Werte unserer Gesellschaft Zeugnis ablegen. Wir haben die Kraft, unser Land auch in Zukunft zu einem lebenswerten Land zu machen. Für Demokratie, für Vielfalt, für Menschenrechte. Dies ist unsere Stadt, dies ist unser Land, dies sind unsere Werte. Und die lassen wir uns von niemandem nehmen.“
Tenor der Deutschen Bischofskonferenz aufgegriffen
Den Tenor der Deutschen Bischofskonferenz griff Pastor Markus Gudermann auf. Kirche dürfe nicht schweigen, wenn der Mensch und die Menschlichkeit auf dem Spiel stehen: „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar. Rechtsextreme Partien und solche, die am Rande dieser Ideologie wuchern, können für Christinnen und Christen daher kein Ort ihrer politischen Betätigung sein und sind auch nicht wählbar.“ Viele heutige Probleme seien eine Frage der persönlichen Haltung und des Umgangsstils miteinander, so Gudermann: „Menschen möchten nicht beschämt werden, sondern möchten gesehen und angesehen werden, wie sie sind. Ein gesellschaftliches Klima kann jeder und jede einzelne mitbestimmen, da wo wir sind. Und deshalb stehen wir heute hier.“
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Als erste Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall Arnsberg zeigte Carmen Schwarz „klare Kante“: „Uns ist nicht egal, was in diesem Land passiert und es tut gut, dass so viele hier sind.“ Gewerkschaft stehe für Vielfalt, Demokratie und Toleranz: „Unsere Aufgabe ist es, die Grundwerte der Demokratie zu verteidigen und die Erfahrung der Geschichte niemals zu vergessen.“ In der Gewerkschaft spiele keine Nationalität, keine Religion, kein Geschlecht eine Rolle: „Denn der Mensch steht im Mittelpunkt unseres Handelns.“ Aber sie stehe auch am Rednerpult, „weil ich nicht vergessen habe, was vor 90 Jahren passiert ist“: „Und so ein Land will ich nie wieder hier haben. Und ich stehe auch gegen Menschen und Parteien hier, die die Demokratie mit Füßen treten und deshalb bekenne ich mich als Metallerin gegen die angeblichen moralischen Grundwerte der AfD, weil sie nicht mit unseren übereinstimmen. Jeder einzelne Mensch in diesem Land ist gefragt, eine Haltung zu zeigen und etwas zu tun.“
EU als größte Erfindung der Menschheitsgeschichte
Es sei „fünf vor zwölf“, machte Maximilian Spinnrath mit Europa-Fahne um die Schultern gebunden deutlich: „Wir müssen genau das machen, was wir heute machen: Aufstehen und laut sein gegen diese rechte Hetze.“ Die größte Erfindung der Menschheitsgeschichte sei die EU: „Man kann viel über Brüssel und Demokratie schimpfen. Aber die Grundwerte und die Fundamente dürfen wir uns nicht madig machen lassen.“ Ein Blick in die Geschichtsbücher zeige, dass die Friedens- und Wohlstandsperiode, „die wir genießen“, in der Geschichte einzigartig sei – „und das verdanken wir dem europäischen Projekt“. Als Vorsitzender der Warsteiner Europafreunde griff Helmut Schulte den europäischen Gedanken auf: „Wir leben schon lange Dinge, die nun plötzlich infrage gestellt werden. Bei uns ist aus Migration Integration geworden, wir leben sie zusammen.“ Als Europafreunde lebe man Nachbarschaft, man profitiere vom Miteinander der Kulturen: „Und das wollen wir auch weiterleben.“

Dass Sport bunt sei, verdeutlichte zum Abschluss Claudia Langeneke als Vorsitzende des TV Warstein: „Demokratie und Integration und Sport kann man nicht unabhängig voneinander betrachten. Diese Elemente sind auch entscheidend für das Wohlergehen unserer Gesellschaft. Sport lebt Integration, verbindet Menschen unabhängig von Herkunft, Religion und Kultur.“ Durch Spaß entstehen Freundschaften, die über den Sport hinweggehen, so Langeneke: „Demokratie ist das Fundament unserer Gesellschaft, Sport kann dafür ein Raum sein, indem demokratische Werte wie die Meinungsfreiheit und die Gleichberechtigung erlebt und praktiziert werden.“
Umrahmt von Musikbeiträgen, unter anderem von Sängerin Kara Terlikowski, die sich in Anröchte in der Flüchtlingshilfe engagiert, schloss die Kundgebung mit 24 Schlägen der St. Pankratius-Bürgerglocke und Glockengeläut in allen Ortsteilen. 24 Schläge, die auch an die 24 Stunden eines jeden Tages erinnern sollen, an denen man für die Werte der Gesellschaft, für Demokratie, Vielfalt und Menschenrechte einstehen möge, so Dietmar Lange, ehe die Europahymne über den Marktplatz schallte und die 2 500 Demonstranten in ihrem Ansinnen gefestigt innehielten.