Überlegungen bekommen konkrete Formen

Klinikum und Marienkrankenhaus wollen fusionieren

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Wächst da zusammen, was Anzeiger-Fotograf Peter Dahm in dieser Montage schon mal zusammengefügt hat? Klinikum Stadt Soest (links) und Marienkrankenhaus (rechts) verhandeln über eine Fusion. Die soll noch in diesem Jahr unter Dach und Fach gebracht werden.

Soest - Das Klinikum Stadt Soest und das Soester Marienkrankenhaus wollen miteinander fusionieren. Durch diese "zukunftsweisende Zusammenarbeit" soll ein langfristiger Erhalt der Krankenhäuser gewährleistet werden.

Es kommt nicht auf die Größe an? Von wegen: Im Krankenhaussektor ist Größe im Kampf ums Überleben längst ein entscheidender Faktor geworden. Kein Wunder also, dass es in der Vergangenheit immer mal wieder Überlegungen gegeben hat, wie die beiden Krankenhäuser in der Stadt mehr miteinander statt gegeneinander arbeiten könnten. 

Jetzt scheinen diese Überlegungen sehr konkrete Formen anzunehmen: Beide Bräute wollen in ein gemeinsames Gesellschafts-Bett. „Es hat sich ein Zeitfenster aufgetan“, beschreibt Christian Larisch, Geschäftsführer des Katholischen Hospitalverbundes Hellweg, dem Träger des Marienkrankenhauses, die Situation – und sein Kollege im Klinikum Stadt Soest, Oliver Lehnert, sieht das ganz ähnlich.

Aus diesem Grund wird eine Zusammenarbeit angestrebt

Beide wollen in Abstimmung mit ihren jeweiligen Aufsichtsgremien diese Chance beim Schopf packen und haben deshalb seit knapp einem Jahr mit Unterstützung externer Berater Möglichkeiten einer „zukunftsweisenden Zusammenarbeit“ erkundet. Was sie mit dem „Zeitfenster“ meinen, ist klar: 

Landes- und Bundespolitik stellen massive Förderungen für Konzentrationsvorhaben in Aussicht und unterstreichen damit den erklärten politischen Willen, Zusammenlegungen zu fördern – in der Absicht, so leistungsfähige Krankenhäuser langfristig zu erhalten.

Diesem politischen Willen kann sich keines der beiden Häuser entziehen, obwohl sie unter sehr verschiedenen Bedingungen agieren, was die laufenden Gespräche kaum einfacher machen dürfte. 

Wirtschaftlich gesund, aber nicht immer flüssig

Das Klinikum wird zwar wohl auch für das vergangene Jahr wieder einen positiven Jahresabschluss ausweisen – die Rede ist von 500.000 Euro bei einem Umsatz von über 75 Millionen Euro – aber auch Lehnert räumt ein, dass die Liquidität des Unternehmens unzureichend ist. Und wie in den nächsten Jahren fällige größere Investitionen in den Altbestand finanziert werden sollen, ist derzeit völlig unklar.

Belegquote weit über 100 Prozent

Dabei operiert das Klinikum mit einer Belegquote von weit über 100 Prozent an der Kapazitätsgrenze. Möglich wird das dadurch, dass Patienten ein Bett bei ihrer Entlassung am Morgen frei machen, dass dann noch im Laufe des selben Tages neu belegt wird. 

Das Marienkrankenhaus sieht ebenfalls die Notwendigkeit zu wachsen, ein Millionen schweres Bauvorhaben ist zwar lange geplant, wird wegen der Fusionsgespräche derzeit aber nicht vorangetrieben. Und weiteres Wachstum ist an dem Standort mitten in der Stadt so gut wie unmöglich. 

Der Teufel, pardon katholische Gesellschafter, wird in den kommenden Wochen und Monaten sicher im Detail liegen, aber zunächst einmal soll der erste von vielen weiteren Schritten gegangen werden: die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft – bevor sich das Zeitfenster wieder schließt.

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