Max Zienau erlebt das Fastenbrechen in der Soester Moschee

+
Von links: Autor Max Zienau, Vorsitzender Seyit Ali Yildirim und Vorbeter Sevki Galiskan (rechts) lassen es sich schmecken. Es gibt Linsensuppe, Reis mit Fleisch und Bohnen und zum Nachtisch Wassermelone. An den langen Tischen isst man gemeinsam.

Soest - Überall in der muslimischen Welt wird gerade Ramadan, der Fastenmonat, begangen. Der türkisch-islamische Kulturverein Soest bildet da keine Ausnahme. Anzeiger-Volontär Max Zienau war beim traditionellen Fastenbrechen nach Sonnenuntergang in der Moschee am Brunowall dabei.

Als ich gegen halb 10 den Hinterhof der Moschee betrete, werde ich fast über den Haufen gerannt. Viele Menschen wuseln umher, tragen Stühle, decken Tische und bereiten Speisen vor. Dazwischen spielen Kinder. Ich benötige ein paar Momente, um mich zurecht zu finden.

Dabei werde ich von vielen Menschen herzlich begrüßt, die ich noch nie zuvor getroffen habe. Ich schüttle viele Hände, lerne neue Namen und bin mit der Gesamtsituation heillos überfordert. „Ne olursan al, yine gel“, wird mir gesagt. Auf meine Nachfrage hin wird mir erklärt, dass es sich wie folgt übersetzen lässt: „Sei wie du bist, aber komm wieder.“

Die wichtigsten Fragen zum Fastenmonat  

Das bemerkt auch Seyit Ali Yildirim. Er ist der Vorsitzende des Kulturvereins und nimmt mich direkt unter seine Fittiche. Mit seiner Hilfe finde ich mich schnell zurecht. Ich lerne den Vorbeter Sevki Galiskan kennen und setze mich mit ihm und Seyit an einen Tisch.

Jeder kann mitmachen

Wer selbst einmal gemeinsam mit den Soester Muslimen ein Fastenbrechen verbringen möchte, ist am 30. Juni dazu eingeladen. Wer Interesse hat, kann sich bis zum 28. Juni per Mail an seyitali_yildirim@yahoo.de wenden. Die Anzahl der teilnehmenden Personen sollte vorher bereits mitgeteilt werden.

Währenddessen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Schüsseln voller Salat werden umhergetragen, in riesigen Pfannen werden Reis und Bohnen aufgewärmt, und die Suppentöpfe sind so groß, dass sie von zwei Personen getragen werden müssen. Jeder hilft mit. Einige verteilen das Essen, andere bringen es zu den Tischen und vergeben Wasser und Brot. „Wir haben heute auch viele Flüchtlinge, die in Soest leben, zu Gast“, erklärt mir Seyit. „Hier ist jeder willkommen!“

Ich habe das Gefühl, wirklich willkommen zu sein. Ich höre verschiedene Sprachen und treffe Menschen aus unterschiedlichen Nationen, die sich auf das gemeinsame Essen freuen. Ich fühle mich wohl.

Sie bleiben standhaft bis zum Schluss

Kurz vor Sonnenuntergang wird es ruhig. Vorbeter Sevki Galiskan spricht aus erhöhter Position ein Gebet. Die rund 200 Leute warten geduldig, bis der Imam sein Gebet beendet hat. Ich bin beeindruckt. 18 Stunden lang, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, dürfen die Muslime in diesem Ramadan nichts essen. Auch jetzt, mit den Speisen direkt vor der Nase, bleiben sie standhaft. Ich hätte an ihrer Stelle wohl längst angefangen zu futtern...

Der Vorsitzende des Kulturvereins Seyit Ali Yildirim holt sich seine Portion an der Essensausgabe.

Nach dem Gebet wird reingehauen, um es mal klassisch deutsch auszudrücken. Es gibt Reis mit Bohnen und Fleisch, dazu Salat und eine Linsensuppe. Die Portionen sind groß und an Nachschub herrscht kein Mangel. Das Essen ist sehr nahrhaft. Kein Wunder, die Muslime müssen auch einen ganzen Tag von der Mahlzeit zehren. Während ich meine üppige Portion verspeise, merke ich, wie mein Magen langsam an seine Grenzen stößt. Ich bin zwar ein großer Kerl und das Mahl schmeckt vorzüglich, trotzdem bin ich nach einer Portion pappsatt.

Nach dem Essen sitze ich noch mit Seyit und einigen anderen gemeinsam am Tisch, während es um uns herum langsam leerer wird. Wir trinken Tee und Gazoz und reden über alles mögliche. Als sich mein Gastgeber zum Nachtgebet zurückzieht, mache auch ich mich auf den Weg nach Hause. 

Es ist jetzt kurz vor 12 und es war ein sehr schöner, harmonischer Abend in der Moschee. Verabschiedet werde ich mit den Worten: „Ne olursan al, yine gel“. Ich glaube, ich komme wirklich wieder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare