Erinnerungen an den Krieg

Zeitzeugen-Serie: Hans Klaus Lahoff stand vor Trümmern - "Unser Haus brannte lichterloh"

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Hans Klaus Lahoff

Soest – Der heute 84-jährige Hans Klaus Lahoff erinnert sich im Rahmen unserer Zeitzeugen-Serie an den Krieg. Als am 5. Dezember 1944 in Soest die Sirenen losgingen, war er ein zehnjähriger Junge. Er stand vor den Trümmern seines Zuhauses - und hat trotzdem auch schöne Erinnerungen an diese schreckliche Zeit.

Eigentlich hatten sich die Jungs zum Nikolaus-Spielen verabredet. Doch dann kam alles anders. Hans Klaus Lahoff war im Dezember 1944 ein zehnjähriger Junge, der mit seiner Mutter in einer Wohnung in einem Fachwerkhaus im Leckgadum 6 wohnte. 

„Damals waren viel mehr Kinder auf der Straße, als heute, und ich sauste mit meinem Roller durch die Gassen von Soest“, erzählt der heute 84-Jährige. Als am Abend des 5. Dezember die Sirenen in Soest losgingen, war der Junge allein zu Hause.

„Meine Mutter arbeitete in der Lichtburg, dem Kino in der Brüderstraße. Auch an jenem Abend liefen dort Filme und meine Mutter war dort“, erzählt Lahoff. Seine drei großen Brüder waren an der Front. Gemeinsam mit ein paar Freunden suchte Lahoff in einem zum Luftschutzraum ausgebauten Raum im Wall am Brüdertor Schutz. „Der Raum stammte wohl noch aus dem Mittelalter. Warum ich nicht in den Bunker lief, weiß ich nicht mehr. Wir liefen zum Schutz immer zum Wall.“ 

Weil seine Mutter im Kino arbeitete, musste der Junge für sich allein sorgen. „Das war damals eben so. Da musste man früher erwachsen werden“, sagt Lahoff und zuckt mit den Schultern. 

Das Fachwerkhaus stand in Flammen 

Während sich die Mutter bei Großangriff aus Soest zusammen mit den Gästen des Kinos im Keller schütze, saß Hans Klaus am Wall. „Alle waren sehr verängstigt und haben gebetet“, erinnert er sich an die schlimmen Stunden am Abend des 5. Dezember 1944. Als der Angriff vorbei war, eilte Lahoffs Mutter zunächst zum Wall, um den Sohn abzuholen. Sie liefen nach Hause. Ihr Fachwerkhaus im Leckgadum hatte einen Treffer abbekommen und stand in Flammen. „Löschen war unmöglich, denn es brannte überall in der Stadt. Noch Dinge aus dem Haus zu holen, war ebenso unmöglich.“ 

Die Bewohner waren verzweifelt und geschockt. Noch in derselben Nacht gingen Hans Klaus Lahoff und seine Mutter nach Katrop, wo sein Opa und eine Tante lebten. „Da sind wir dann erstmal untergekommen. Wir hatten ja nicht mehr, als wir auf dem Leib trugen“, berichtet der Zeitzeuge. Kurze Zeit später bekamen Mutter und Sohn ein möbliertes Zimmer im Leckgadum zugewiesen. 

„Alle Fenster waren nach dem Luftangriff zerstört, die Fenster wurden notdürftig geflickt, trotzdem war es mitten im Dezember bitterkalt im Haus.“ Dort verbrachte die kleine Familie dann ein bescheidenes Weihnachtsfest 1944. 

Auch schöne Dinge in einer schrecklichen Zeit

Trotz allem erinnert sich Hans Klaus Lahoff auch an schöne Dinge in dieser schrecklichen Zeit des Krieges: Die Nachbarn halfen sich gegenseitig und jemand lieh dem kleinen Jungen einen Schlitten aus. 

„Trotz der Schrecken des Krieges konnte uns Kindern dank des schneereichen Winters eine Rodelfahrt von der Schonekindbastion bis zur Soestbachbrücke tagelang viel Spaß bereiten.“ Zeit genug hatten die Kinder, die Schulen bleiben geschlossen. Damit Mutter und Sohn Nachrichten hören konnten, brachte Nachbar Franz Kalbhen, der Lichtburg-Vorführer, einen Lautsprecher in der Wohnung an, der per Drahtverbindung mit seinem eigenen Radio verbunden war. 

Lahoffs ganz persönliches Kriegsende

Später dann, während der Ostertage Anfang April 1945, hieß es angesichts der anrückenden Amerikaner, Soest werde zur Festung ausgebaut. „Frauen und Kinder sollten die Stadt verlassen. Und wieder sind wir zu meinem Großvater, Tante und Cousin nach Katrop gegangen.“ 

Dort vergnügten sich die Dorfkinder sich an den verlassenen, teilweise zerstörten Flakstellungen mit Kreiseldrehungen. Während des Artelleriebeschusses auf Soest versteckte sich die Familie im Keller. „Später kamen dann die Amerikaner zu uns ins Haus. Wir saßen in der Küche am Ofen, und auch die amerikanischen Soldaten wollten sich wärmen und haben ihr Essen auf unserem Ofen erwärmt. Es war eine friedliche Stimmung“, so beschreibt Hans Klaus Lahoff sein ganz persönliches Kriegsende.

Die Bomber ohne Angst von unten betrachten

Wenig später zog die kleine Familie – zwei Brüder waren im Krieg gefallen – zurück nach Soest. „Die Trinkwasser- und Stromversorgung war zusammengebrochen. Wir Kinder mussten mit dem Eimer Wasser von einer alten Pumpanlage am Kungelmarkt holen“, so der 84-Jährige. Über Soest flogen im April noch Bombengeschwader in Richtung Osten. Doch der Junge Hans Klaus konnte die Bomber ohne Angst um sein Leben von unten betrachten.

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