Lieselotte Gerlach erlebte den Krieg als Helferin im Soester Bahnhof

Liselotte Beckschwarte verlobte sich 1942 mit Josef Gerlach.

Soest.  Liselotte Gerlach, geb. Beckschwarte, wird kommenden Monat stolze 97 Jahre alt. Doch an die Jahre des Krieges und der Bomben auf Soest erinnert sie sich noch sehr genau. Sie arbeitete als Köchin im Bahnhof, der bekanntermaßen im Fokus der alliierten Fliegerangriffe lag, die die Versorgung über die Schiene stören wollten. „Ich war bestimmt fünf Jahre dort als Köchin angestellt und wohnte auch im Bahnhofsgebäude. Alle Angestellten der Bahnhofsgaststätte wohnten im Bahnhof“, erzählt die Zeitzeugin. 

Sie erinnert sich, dass es häufig Fliegeralarm tagsüber und in der Nacht gab. „Ich hatte meine kleine Tasche immer gepackt bei mir. Sobald die Sirenen los gingen, bin ich gerannt und habe im Bunker am Brüdertor Schutz gesucht. Der war überfüllt mit Menschen.“ Bis heute wundert sich Liselotte Gerlach, dass ihre Vorgesetzte bei den Angriffen immer im Bahnhof geblieben ist. „Sie wollte einfach nicht in den Bunker oder die Keller flüchten“, schüttelt die alte Dame den Kopf. Einen Angriff wird sie nie vergessen: „Es war in der Mittagszeit und wir hatten gerade einen großen Rinderbraten für die Reisenden gekocht, als es Alarm gab.

 Ich nahm mein Köfferchen und lief los. Da rief meine Chefin, ich sollte mich um den Braten kümmern und diesen erst sicher im Keller verstauen. Das habe ich aber nicht gemacht, sondern mich in Sicherheit gebracht. Die Küche im Bahnhof hat dann einen Volltreffer abbekommen – und auch der Rinderbraten war weg.“ Weil viele Reisende am Bahnhof versorgt werden mussten, wurde die Küche notdürftig wieder instand gesetzt. Zumindest Suppe gab es für die hungrigen Gäste. 

„Obwohl alles kaputt war, die Züge fuhren eigentlich immer“, wundert sich Liselotte Gerlach. Weil das Bahnhofsgelände zum Teil zerstört war, zogen die Angestellten nun in ein Haus am Hammer Weg. Bei dem schweren Luftangriff auf Soest am 5. Dezember 1944 verlor Liselotte Gerlachs Onkel, der Bruder ihres Vaters, Ehefrau und Sohn. „Das war wirklich schlimm. Denn er kam kurz nach dem Bombenangriff von der Front nach Soest und natürlich kam er zuerst zu mir in die Bahnhofsgaststätte. Er fragte nach Frau und Sohn und ich musste ihm die traurige Botschaft übermitteln. Seine Familie hatte den Luftangriff in einem Keller in der Friedrichstraße nicht überlebt“, sagt Liselotte Gerlach traurig. Als ihr Onkel vor den Trümmern des Hauses stand, musste er feststellen, das die Nachbarhäuser noch heile waren und nur das, in dem Frau und Sohn umkamen, einen Volltreffer abbekommen hatte. 

Auch die Hochzeit von Liselotte Beckschwarte und Josef Gerlach stand im Zeichen des Krieges und Fliegerangriffe. „Mein Mann bekam im Frühjahr 1945 ein paar Tage Fronturlaub und wir heirateten. Wir konnten nicht mehr in Soest heiraten, also ist die ganze Familie mit dem Fahrrad nach Brenken bei Büren geradelt. Zwischendurch wurden wir von Tieffliegern beschossen. Auch in der Kirche gab es Fliegeralarm und alle mussten raus.“

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