Geburt

Immer mehr Kaiserschnitte im Kreis Soest

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Mehr als jedes dritte Kind wird im Kreis Soest mittlerweile per Kaiserschnitt entbunden.

Soest  - Überdurchschnittlich hoch ist die Kaiserschnitt-Quote im Kreis Soest – und das seit Jahren. Darauf hat jetzt der Landesbetrieb IT.NRW hingewiesen.

Während im Jahr 2018 landesweit von 167 802 Babys 29,9 Prozent mit dieser Methode entbunden wurden, waren es bei 2 397 Geburten im Kreis Soest 36,5 Prozent, also 874 Kinder, die operativ geholt wurden. Warum das so ist, lässt sich nicht eindeutig ermitteln. 

Zwei Entbindungsstationen gibt es im Kreisgebiet, im Evangelischen Krankenhaus (EvK) in Lippstadt und im Klinikum Stadt Soest. Vor allem Frauen mit erhöhtem Schwangerschafts- und Geburtsrisiko kämen ins EvK in Lippstadt, sagt dessen Sprecherin Dr. Nadja Schikorra. Das erkläre eine hohe Kaiserschnittrate. Eine Rolle spiele auch die Perinatalstation im EvK, dort wüssten die Mütter ihre Risiko-Säuglinge gut betreut. 

Für die Entbindungsstation im Soester Klinikum spricht Oberärztin Teresa Schäfer. Im Jahr 2018 wurden hier 747 Kinder entbunden, davon 233 per Kaiserschnitt; das sind 32 Prozent. Wie überall sei auch hier die Zahl der Risikoschwangerschaften und Risikogeburten gestiegen, erläutert sie. Diese Entwicklung habe mit dem durchschnittlich höheren Alter von Erstgebärenden und damit zu tun, dass viele Schwangere adipös seien. Ältere und Übergewichtige zählten zu den Risikogruppen.

Ob diese Risikoschwangeren allerdings alle in Lippstadt oder Soest entbinden und die hohe Kaiserschnitt-Rate erklären, bleibt offen. Nicht alle Schwangeren aus dem Kreis bringen ihr Kind auch in einem Krankenhaus im Kreis zur Welt. „Viele unserer Frauen gehen für die Geburt in die Barbara-Klinik nach Heessen oder ins Karolinen-Hospital nach Arnsberg-Neheim“, sagt Claudia Wolff von der Sahl aus der Hebammenpraxis „Bauchgefühl“ in Werl. 

Im dem Neheimer Hospital werden jedes Jahr rund 1 600 Babys entbunden, weniger als ein Drittel durch Kaiserschnitt. „Wir unterstützen eine familienzentrierte Geburtshilfe und gehen erst mal davon aus, dass die Mutter ihr Kind auf normalem Weg zu Welt bringt“, sagt Chefarzt Dr. Norbert Peters, der die Station seit 2002 leitet. Für den Fall der Fälle, also für einen Kaiserschnitt, stehe jedoch das Equipment und für schwierige Neugeborene eine neonatologische Intensivstation zur Verfügung. 

Bundesweit soll die Kaiserschnittquote zwar gesenkt werden. Jedoch gilt grundsätzlich: Kaiserschnitte werden von den Kassen besser honoriert als normale Geburten. Plausibel ist das nicht. „Einen Kaiserschnitt kann man planen, alles steht während der Dienstzeit auf den Punkt bereit und nach 20 Minuten ist die Entbindung vorbei“, sagt der erfahrene Gynäkologe. Bei einer natürlichen Geburt dagegen sei nichts planbar, man warte unter Umständen Tage und das Baby komme vielleicht nachts.

 Bei Wunsch-Kaiserschnitten, wie manche Schwangere sie möchten, haben die Kassen keine Erstattungspflicht. Selbstverständlich gibt es triftige Gründe für die Operation, etwa wenn ein erhöhtes Risiko für Mutter und Kind besteht. Das ist beispielsweise bei einer Querlage des Kindes oder Krampfanfällen bei Schwangerschaftsbluthochdruck der Fall. Auch während der Geburt kann ein Kaiserschnitt nötig werden, wenn der Vorgang einfach nicht weitergehen will oder sich das Kind in Beckenendlage befindet.

INFORMATION

Der Kaiserschnitt (Sectio caesarea) heißt so, weil angelbich Julius Caesar auf diese Weise auf die Welt gekommen sein soll. Neben den üblichen Operationsrisiken für die Mutter bestehen für das Kind die Gefahren von Atemproblemen, Verletzungen bei der Operation, Bindungsstörungen aufgrund von Problemen beim Stillen und erhöhter Infektanfälligkeit, weil das Kind nicht mit der mütterlichen Bakterienflora in Kontakt kommen.

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