Sammelmenge steigt

Gelbe Säcke in der Kritik: Besser Müll vermeiden als recyclen

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Im gelben Sack werden Verpackungen aller Art gesammelt.

Soest - Verpackungen gehören in den gelben Sack – das weiß seit der Verpackungsverordnung 1991 jeder. Also ab mit dem Joghurt-Becher in den gelben Sack – und schon sind Umwelt und Gewissen rein? So einfach ist die Sache nicht.

Kritiker nennen das Duale System, zu dem der Sack gehört, seit langem Augenwischerei. 60 Prozent dieses sorgfältig getrennten Abfalls landeten letztlich doch in der Müllverbrennung. Einfach verbrennen – das könnte man billiger, weniger aufwendig und umweltfreundlicher haben, weil längst nicht so viele Müllwagen fahren müssten, sagt Michael Triphaus von der ESG (Entsorgungswirtschaft Soest GmbH), die sich darum kümmert, dass die gelben Säcke von den Straßenrändern abgeholt werden. 

Entsorgt wird der Müll aber nicht von der Kommune wie jeder andere Abfall, sondern in Soest derzeit von der Firma Veolia, die die dreijährige Ausschreibung für diese Aufgabe gewonnen hat. Beschwerden kommen gleichwohl bei der ESG an, die aber mit dem Dualen System nichts zu tun hat. Am Dualen System beteiligen sich bundesweit neun Entsorgungsunternehmen, das erste und bekannteste ist der „Grüne Punkt“. Der ist aber längst abgeschafft. 

Im gelben Sack wird Verpackungsmüll gesammelt. Für die Entsorgung zahlen die Unternehmen, die diese Verpackungen verwenden – also die Fabrikanten von Joghurt, Pralinen oder Reinigungsmitteln. 

Im Kreis Soest sei die Sammelmenge der gelben Säcke in den vergangenen Jahren leicht, aber kontinuierlich gestiegen, sagt Volker Detmar, Leiter Kommunalvertrieb Rücknahmesysteme bei der Firma Veolia, von 8430 Tonnen im Jahr 2015 auf knapp 9200 Tonnen im vergangenen. Ob dieser Anstieg am wachsenden Müllbewusstsein oder am tatsächlich höheren Müllaufkommen liegt, vermochte Detmar nicht zu sagen. 

Auf den Umschlaganlagen der Börde Recycling GmbH in Soest und Wilhelm Knepper GmbH & Co.KG in Lippstadt werden die gelben Säcke bereitgestellt, bevor sie zu vier Sortierungsanlagen gebracht werden. Dort werden aus den gelben Säcken Kunststoffe nach verschiedenen Arten (PP,PE, PET, P), Verbunde, Flüssigkeitskartons, Weißblech und Aluminium aussortiert. 

Zu Anfang dieses Jahres ist ein neues Verpackungsgesetz in Kraft getreten, das die Recycling-Quoten erhöht hat. Bis 2022 sollen Papier, Eisenmetalle und Weißblech, Glas und Aluminium zu 90 Prozent, Getränkekartonverpackungen zu 80 Prozent und Verbundverpackungen zu 70 Prozent recycelt werden. Zudem führt das Gesetz eine weitere Recyclingquote ein, die sich auf alle von den dualen Systemen erfassten Abfälle bezieht: Die Firmen des Dualen Systems müssen im Jahresdurchschnitt mindestens die Hälfte aller Abfälle aus dem gelben Sack wiederverwerten. 

Die Entsorgungsunternehmen, die am Dualen System beteiligt sind, müssen jedes Jahr mit Mengenstromnachweise zeigen, dass sie alle Quoten erfüllt haben. Ein unabhängiger Sachverständiger bestätigt die Information. Bis Ende vergangenen Jahres überprüften die Bundesländer die Mengenstromnachweise. Im neuen Jahr hat die Zentrale Stelle Verpackungsregister diese Aufgabe übernommen.

Am gesamten Dualen System bemängeln Kritiker nicht nur, dass Transportwege zu aufwendig, lang und kostenintensiv seien, sondern unter anderem auch, dass der Recycling-Gedanke zu kurz kommt. Aus den Kunststoffen des Verpackungsmaterials werde Minderwertiges hergestellt. Besser wäre es, wenn durch das Recycling wieder Produkte und Verpackungen produziert würden, die neues Material ersetzten. Das sei gerade bei Kunststoffen wichtig, die überwiegend aus Erdöl hergestellt werden. Gleichwohl fordert etwa der NABU (Naturschutzbund Deutschland) dazu auf, weiter Müll zu trennen, denn: „Nur was getrennt ist, kann auch recycelt werden.“ Auch wenn ganz oben die Maxime stehen müsse: vor dem Recycling steht die Müllvermeidung.

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