Wüste vor der Haustür: Insekten leiden unter Steinen im Vorgarten

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Grau statt Grün ist seit Jahren ein Modetrend, der viele Vorgärten zu Mondlandschaften mutieren lässt. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, fest steht aber, dass solche Steinwüsten nicht gerade naturfreundlich sind.

Kreis Soest - Der Trend der Vorgartengestaltung geht hin zu einer Lage heller Steine, dazu eine Gabione und als grüner Blickfang ein Buchsbaum oder Kirschlorbeer – soweit, so praktisch, aber eine Katastrophe für die heimischen Insekten. 

Pflegeleicht muss es sein, Naturschutz steht anscheinend immer öfter hinten an. Besorgniserregend aber sind die Zahlen, die der Naturschutzbund (Nabu) veröffentlicht hat, denn in den vergangenen 27 Jahren ist die Zahl der Insekten in NRW um 75 Prozent zurückgegangen.

Aber jeder kann etwas tun, um den eigenen Garten insektenfreundlich zu gestalten. Ralf Joest von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) mit Sitz in Lohne rät im Sinne der Insekten zu „ein bisschen Unordnung“ in Garten und Vorgarten. Möglichst offen sollten diese gestaltet sein, heimische Pflanzen sollten darin wachsen dürfen – alte, etablierte Sorten aus der Region.

Oft sei die Diskussion, welche Pflanzen gut für Insekten und Bienen seien, sehr „auf die Blüten fokussiert“, meint Ralf Joest. Er gibt zu bedenken, dass auch Futterpflanzen wie Brennnesseln oder Ecken mit Totholz und Steinen als Nistplatz und Überwinterungsmöglichkeit wichtig sind. Ein Bewusstsein für das Thema Insektensterben zu schaffen, das stehe nun im Vordergrund, denn auch in der Region bestätige sich die alarmierende Entwicklung. In Naturschutzgebieten sei die Artenvielfalt viel größer, als in nicht geschützter Gegend.

Die Klotingerin Christina Riechert hat sich umfassend informiert, wenn es um die Gestaltung eines Gartens mit insekten- und bienenfreundlichen Pflanzen geht. Zusammen mit ihrem Mann Peter ist sie aktiv in der Initiative „Blütenreichtum in Welver“, die zum dortigen Imkerverein gehört. Wichtig für die Auswahl der Pflanzen ist zuerst die Bodenbeschaffenheit und der Standort, sind die meisten doch für die Sonne geeignet. Mit ein wenig Planung könne man fast durchs ganze Jahr hindurch für einen ansehnlichen Blütenflor sorgen, das klappe sogar im Winter mit Christrosen, Schneeglöckchen und Krokussen. Mit Bergenie oder Glockenblumen etwa könne es weitergehen, gerade letztgenannte würden bis weit in den Herbst Insekten Nahrung geben können.

Stauden und Bodendecker – hier können unter anderem Lavendel, Waldsteinie oder Lungenkraut durchaus eingesetzt werden, wenn es ein wenig pflegeleichter sein soll, sagt Riechert. Möglichkeiten gebe es viele, auch für nicht ganz so sonnige Standorte, denn auch diese Pflanzen entwickeln zum Beispiel Blütenstände, die wieder den Insekten Nahrung geben. Und: auch wenn man nach der Blüte durchaus Zeit in die Pflege der Pflanzen investiere, für Bienen und Insekten seien sie überlebenswichtig.

Wer seinen Garten oder Vorgarten gestaltet, darf übrigens ohnehin nicht unbegrenzt Flächen versiegeln oder überbauen. Darauf weist Soests Klimaschutzbeauftragter Ulrich Günther hin, denn in Bebauungsplänen ist der „Versiegelungsgrad“ zum Beispiel genau festgehalten.

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