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Witwe schockiert: Stadt räumt Grabschmuck ab und stellt ihn neben die Mülltonnen

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Von: Kathrin Bastert

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Hier fand die Witwe ihren Grabschmuck wieder. © Privat

Dieser Besuch auf dem Osthofenfriedhof war für die Witwe ein Schock: Der kleine Engel, die Kerze, eine kleine Grablaterne, die sie unterhalb der Grabstätte ihres im November verstorbenen Mannes abgestellt hatte – alles weg.

Soest - Den Grabschmuck fand sie wieder, neben vielen anderen Utensilien, die Angehörige an dem Kolumbarium abgestellt hatten. Im Müll, wie sie sagt. 

Die ganze Fläche hatten Friedhofsmitarbeiter leergeräumt. Die Soesterin ist empört, empfindet die Entfernung ihres Schmucks als pietätlos, ja, gar als Grabschändung. Sie ist sich keiner Schuld bewusst, überall würden doch die Kerzen und Blumen genau so abgestellt. Das hatte ihr und ihrem Mann so gut gefallen, als sie gemeinsam die Bestattungsform ausgesucht hatten. Und dann das.

Schock auf dem Friedhof: Schmuck auf dem Kiesstreifen

Doch was ist genau passiert? Die Stadt Soest erklärt es so: Ein Kolumbarium sei eine pflegefreie gemeinschaftliche Bestattungsform. Eine wesentliche Eigenschaft: „Es gibt keine individuellen Flächen zur Ablage von Grabschmuck“, fasst Stadtsprecher Thorsten Bottin zusammen. Stattdessen verfüge jedes Kolumbarium über eine zentrale Abstellfläche für die Angehörigen aller Beigesetzten. „Dort dürfen Blumen, Kerzen und kleiner Grabschmuck vorübergehend abgelegt werden.“

Soweit, so klar. Offensichtlich hat die 66-jährige Witwe sich auch daran gehalten. Ihr Schmuck stand auf dem Kiesstreifen, der das Kolumbarium umgibt. Schwierig wird’s, wenn diese kleine Fläche zu voll wird. Dann nämlich weichen Angehörige auch auf die gepflasterte Fläche aus, die die Grabstelle einfasst. Immer wieder, beschreibt Stadtsprecher Bottin, sammelten sich große Mengen Grabschmuck neben den Ablagestellen an oder würden auf den Grabplatten abgestellt. Und über dieses Erscheinungsbild beschwerten sich dann immer wieder Angehörige; „zuletzt gab es sogar täglich Beschwerden darüber beim Friedhofsbüro.“

Schock auf dem Friedhof: Kerzen und Blumen neben den Mülltonnen

Die Reaktion: Die Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe räumten die gesamte Fläche ab, deponierten die Kerzen, Blumen und Lichter am Friedhofsbüro. Dort – unweit von Mülltonnen – fand die Soester Witwe ihr Eigentum auch wieder. Doch hätte sie sich gewünscht, vorher informiert worden zu sein. Thorsten Bottin versichert, dass auf die Regelungen immer wieder hingewiesen werde, auch schon bei ersten Gesprächen zum Kauf einer Grabstätte und auch von Seiten der Bestatter. Außerdem gebe es entsprechende Schilder.

Dass alles weichen muss, wenn die Fläche zu voll wird, ist gewissermaßen ein Akt der Gleichberechtigung: „Wenn es zu voll wird auf den gemeinsamen Flächen, besteht ja auch keine Chance mehr, etwas Neues hinzustellen. Weil wir nicht wissen, was von wem stammt, kommt dann einmal alles weg.“ Natürlich werde – sofern die Angehörigen ihre Sachen am Friedhofsbüro nicht wieder abholen – diese Sammlung irgendwann auch entsorgt.

Schock auf dem Friedhof: Frau bricht Telefonat ab

Ein Versuch des Friedhofsamtes, der Soesterin die Lage zu erläutern, scheiterte. Ein Telefonat brach die Frau ab - „ich war zu aufgebracht“, sagt sie. Die Trauer um ihren geliebten Mann sei einfach noch zu frisch.

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