Die B1 wird in Soest in diesen Tagen Geschichte

Mehr als 10000 Autos rollen jeden Tag über die B1 in Soest. Vermutlich wird das so bleiben, auch wenn die Bundesstraße zur Landstraße degradiert wird.

SOEST - Einen besseren, griffigeren Namen kann eine Straße nicht haben: Die B 1 in Soest ist legendär, zumal sie eine der längsten Bundesstraßen in ganz Deutschland ist und von Aachen bis an die polnische Grenze reicht. Doch jetzt wird die B 1 umgetauft und bekommt zwei schnöde Landstraßennamen: L 856 und L 969.

Die L-Nummern sind ähnlich sperrig und gewöhnungsbedürftig wie das Gesetz, das man sich im Berliner Verkehrsministerium für die Umwidmung ausgedacht hat: „Abstufungskonzept der Bundesregierung für Autobahn-parallele Bundesstraßen“.

Zu der Umnennung der B1 wurde bereits mehrfach berichtet:

Die B1 gibt's in Werl und Soest bald nicht mehr

Um das zu kapieren, was der Gesetzgeber sich dabei gedacht hat, muss man Oscar Santos fragen. Der bemüht sich um Öffentlichkeitsarbeit beim Landesbetrieb Straßen.NRW und sagt: „Bundesstraßen, die in weniger als fünf Kilometer Entfernung parallel zur Autobahn verlaufen, werden abgestuft.“ Genau das ist im Bereich zwischen Werl, Soest und Erwitte der Fall: Die B 1 läuft nur einen Steinwurf weiter nördlich parallel zur Autobahn 44.

Damit der überregionale Verkehr möglichst die Autobahn nimmt, soll dem Autofahrer durch die Bundesstraßen erst gar nicht suggeriert werden, hier gebe es parallel zur Autobahn noch eine zweite Schnell- und Fernverbindung. Denn als solche sind Bundesstraßen ja nun mal gedacht.

Folglich bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder die B 1 wird komplett weggerissen (geht kaum, weil sie für den Nahverkehr benötigt wird) oder sie verliert kurzerhand ihren Namen „Bundesstraße“.

Zwischen Soest und Werl kommen bald neue Schilder

Letzteres passiert derzeit. Zwischen der Arnsberger Straße und Erwitte ist die B 1 bereits Geschichte und heißt dort Landstraße 856. Das westliche Teilstück von der Arnsberger Straße bis nach Werl wird in den kommenden Wochen umgeflaggt. Dann heißt es auch hier auf den gelben Schildern nicht mehr B 1, sondern L 969.

Eine Besonderheit haben sich die Straßenverwalter noch für den Abschnitt zwischen Arnsberger Straße und Stadtpark (Kreuzung mit der B 475) ausgedacht: Hier heißt die B 1 fortan B 229. Also so wie die Arnsberger Straße.

Um auch das zu begreifen, nochmal Santos: Das Bundesstraßennetz soll möglichst lückenlos sein. Wer also von Süden (Arnsberg) nach Norden (Münster) will, nimmt erst die B 229, dann die B 475.

Die letzte Frage, warum dieser Grundsatz (lückenloses Netz) ausgerechnet bei der B 1 durchlöchert wird, kann aber auch der Experte nicht beantworten.

In einem Punkt stimmt er freilich zu: „Es wird Generationen brauchen, bis die Soester nicht mehr von ihrer B1, sondern von der L 856 und der L 969 sprechen.“ - hs

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare