Ton wird rauer: Soester Klimaaktivisten fühlen sich von Regierung verarscht

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Soester Klima-Demonstranten zeigen Regierung Rot.

Soest – Der Ton wird rauer, die Ungeduld größer. Mehrere hundert Klimaaktivisten (nach Polizeiangaben 250 bis 300) sind am Freitag in Soest für einen besseren Klimaschutz auf die Straße gegangen. Nach einem Jahr Protest haben sie den Eindruck: „Wir werden verarscht.“

So jedenfalls formulierte es der Soester Meeresbiologe Udo Engelhardt, der die Demonstranten unterstützt. Auch wenn es gestern wieder Schüler der Aktion „Fridays for Future“ waren, die die Kundgebung und den Marsch durch die Innenstadt organisiert hatten, längst mischen sich Alt und Jung bei den Demonstranten. 

„Das ist großartig, was hier generations-übergreifend passiert“, sagte Engelhardt und bekam (nicht nur) für diese Einschätzung die grünen Karten der Zustimmung hochgehalten, die zuvor unter den Teilnehmern verteilt worden waren. Die roten Karten reckten die Zuhörer für die „lächerliche Minibox“, die die Bundesregierung als Klimapaket ausgegeben habe. „Trump ist immerhin so ehrlich und steigt aus dem Pariser Klimaabkommen aus, die Bundesregierung dagegen verabschiedet sich durch die Hintertür“, so der Vorwurf. 

Weil eben die Soester Schüler schon lange nicht mehr unter sich sind, wenn es um Klimaschutz und -Proteste geht, stellte sich auch Kerstin Werner als Vertreterin der älteren und alten Generation für die „Parents and Grandparents for Future“ ans Mikrofon. „Zu wenig, zu langsam, zu unsozial“ sei das, was die Regierung in Berlin vorhabe: „Eine absolute Farce!“ Nötig sei eine verschärfte Gangart, weil die Frist in Kürze ablaufe, noch die Klima-Kurve kriegen zu können: „Die Zeit des Brav-Seins ist vorbei.“ 

Fridays for future -Streik in Soest

Mut macht den Soester Demonstranten, dass sie mittlerweile weltweit Gleichgesinnte finden: „An 3 800 Orten wird heute demonstriert“, so hatte Madee Pande die Schar vor der Stadthalle begrüßt. Rita und Heinz-Josef Mönig haben seit Jahrzehnten ihre Schulzeit hinter sich. Auf die Frage, warum sie beim Klima-Streik dabei sind, sagen sie: „Wenn wir uns jetzt nicht melden, geht das in die falsche Richtung.“ 

Richtung Innenstadt ging es im gemeinsamen Fußmarsch nach den Reden. Begleitet von Polizeistreifen, die den Zug flankierten und den Verkehr bremsten. „Bitte halten Sie sich rechts – wegen des Gegenverkehrs“, hatte vorab ein Polizist die Demonstranten gebeten.

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