Weihnachtsmarkt und Adventskonzerte fallen aus, aber:

Westfälische Krippe im Soester Dom bleibt

Domküster Georg zur Heiden (hinten) macht das Krippenpersonal für seinen großen Auftritt fit.
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Domküster Georg zur Heiden (hinten) macht das Krippenpersonal für seinen großen Auftritt fit.

Soest – Mag der Weihnachtsmarkt abgesagt werden, mögen Adventskonzerte ausfallen und Freunde unerreichbar sein – eine Konstante bleibt auch in der schlimmsten Pandemiezeit: die westfälische Krippe im Patroklidom.

„Wir haben untereinander und mit dem Propst besprochen, ob wir sie überhaupt aufbauen sollen und dürfen“, sagt Patrokli-Küster Georg zur Heiden. „Wenn nur einer gesagt hätte: Nein, ich mache nicht mit, das ist mir zu gefährlich, dann hätten wir‘s gelassen.“Aber die eingeschworenen Männertruppe freut sich schon viel zu lange auf den November, wenn‘s wieder losgeht mit dem Krippenbau. Da hätte niemand „Nein“ gesagt.

Und so schwitzen gestandene Männer jetzt wieder trotz gerade mal 15 Grad im Patroklidom. Unter zur Heidens Leitung wuchten sie, wie jedes Jahr seit 1976, die Fachwerkhäuser auf die gut ein Meter hohe Empore, decken den Boden mit Moos ab, bringen den kleine Bach zum Laufen und verteilen Äste als Bäume rund um das Szenario. Schließlich müssen noch die Figuren wie Hirten und Schafe, Maria und Josef und der Engel und all das lieb gewordene Kleinzeug auf der Fläche verteilt werden – Enten und Hühner, westfälisch karierte Wäsche, Körbe und Kästen. Wenn was fehlt, merken es die altgedienten Krippenbauer sofort.

Peter Puppich ist seit 36 Jahren dabei, Heribert Fröhlich mit 33 Jahren kaum weniger lange. Auch Harry Marks ist ein „alter Hase“. Zu dem Männerkreis gehören noch einige weitere, die gerade mal nicht dabei sind. Jeder weiß, was zu tun ist, aber alle schauen immer auf Georg zur Heiden. „Der hat den Überblick!“ Kein Wunder, ist doch der kleine Georg schon früh bei seinem Vater, seinem Vorgänger als Küster, in die Lehre gegangen.

Heribert Fröhlich, Küster zur Heiden, Peter Puppich und Harry Marks (von links),wissen genau, wie sie die westfälische Krippe im Dom aufbauen müssen. Erstmals ist Vikar Michael Stiehler (rechts) dabei.

Erstmals macht auch der neue Vikar Michael Stiehler mit. Sorgfältig belegt er den Rand mit Steinen und freut sich über die die enorme Begeisterung und Tatkraft, mit der die Männer die Szenen aufbauen. Er hat die westfälische Krippe vergangenes Jahr zum ersten Mal gesehen, als er mit seinen Hilchenbacher Messdienern Soest besucht hat.

Bis zu sechs Stunden arbeiten die Männer jeden Tag an dem Aufbau und das über mehrere Wochen. Der Dom war in dieser Zeit abgeschlossen, damit niemand störte. „Die Krippe muss ja von allen Seiten gleich gut aussehen, man kann sie ja umrunden“, schildert zur Heiden das Hauptproblem.

Am ersten Adventssonntag sind die ersten Szenen der biblischen Geschichte zu sehen. Und dann entwickelt sich das Geschehen bis Weihnachten weiter – auf der Krippenbühne wie in der Bibel.

Normalerweise zieht die westfälische Krippe Hunderte von Menschen an. Niemand weiß, ob im Pandemie-Jahr überhaupt jemand kommt. Aber: „Wenn wir nur drei oder vier Kinder damit erfreuen können, hat sich die Arbeit gelohnt“, sagen die Männer.

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