Lebensmittelmärkte

Weniger Kunden, aber dafür vollere Einkaufswagen

Lebensmittelmarkt Soest
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Dreifacher Schutz: Die Kassiererin trägt ein Visier, der Kunde die Maske. Und beide trennt noch eine Plastikscheibe.

„Wir haben das im Griff!“ Schließlich haben sie vor einem halben Jahr schon einmal die Situation so oder ähnlich erlebt und gemeistert. In den Super- und Lebensmittelmärkten darf ab Montag nur ein Kunde pro zehn Quadratmeter Ladenfläche auftauchen, um Infektionen auszuschließen. Bloß wie läuft das in der Praxis? Wie gehen die Händler diesmal mit den Auflagen um? Wir haben uns umgehört.

Soest / Werl – „Es ist relativ einfach“, sagt Dieter Paßgang vom Rewe-Markt Buschkühle an der Niederbergheimer Straße in Soest. „Wir steuern das über die Einkaufswagen.“ Es stehen einfach nur so viele Wagen am Eingang, wie Kunden in den Laden dürfen.

Max Sauer, der unter seinem Namen in Werl, Westönnen und Welver Lebensmittelmärkte betreibt, hat für die Kunden-Kontingentierung sogar in teure Infrarot-Kameras investiert. Sie messen elektronisch, wie viele Menschen gerade in Werl und Welver einkaufen. Steigt der Wert etwa im Geschäft an der Unnaer Straße über den Höchstwert von 50, geht die rote Lampe an. „Die Mitarbeiter an der Kasse bitten dann die Kunden, für einen Moment noch draußen zu warten.“

„Das mit den zehn Quartametern Platz für jeden Kunden ist gut so – und das haben wir gelernt“, berichtet Karsten Nüsken. Er betreibt den Edeka-Markt am Rigaring und weitere in Dortmund, Waltrop und Ennigerloh. Auch wenn im Sommer die Sorge um Corona-Infektionen beinahe schon erledigt schien, habe man die 10-Quadratmeter-Regel durchgängig beherzigt und praktiziert. „99,5 Prozent der Kunden verhalten sich vorschrifts-konform“, sagt der Einzelhändler.

Die Betreiber der Lebensmittelmärkte hoffen, es werde erneut gelingen, mit Ruhe und Vernunft durch die zweite Runde der Einschränkungen zu kommen. „Eine große Herausforderung – gerade in einem so dunklen Monat wie dem November“, findet Sauer. Sollte Ende November mit dem neuerlichen Lockdown light freilich nicht Schluss sein, könnte es im Dezember richtig spannend werden. In den Adventswochen vor dem Weihnachtsfest ist erfahreungsgemäß jede Menge los in den Lebensmittelmärkten. Einen Vorgeschmack bot bereits die Woche vor Ostern in diesem Jahr, als schon einmal Corona und der große Ansturm aufeinandertrafen.

Stichwort großer Ansturm: Alle Händler schildern übereinstimmend, sie seien gut durch dieses Ausnahme-Jahr gekommen. „Wir sind die Gewinner – definitiv“, berichtet Sauer. Wenn die Leute schon kaum in den Urlaub, zu Partys und auf Feste kommen, wollen sie es sich zu Hause wenigstens gemütlich machen und es an gutem Essen und Trinken nicht mangeln lassen.

„Man sieht es schon an den Warengruppen“, ergänzt Nüsken. Gerade im Feinkostbereich verzeichne er dieses Jahr „massive Umsätze“. Wer also zu Hause sitzt und es sich leisten kann, greife in diesen Ausnahme-Zeiten auch mal gern zu feinem Essen aus Asien oder zur französischen Küche, mitsamt der exotischen und etwas teureren Zutaten und Gewürze.

Das geht einher mit der Beobachtung, die Dieter Paßgang gemacht hat: „Es kommen weniger Kunden in den Markt, doch die Einkaufswagen sind deutlich voller.“ Das habe auch damit zu tun, dass Kunden, die gleich um die Ecke wohnen, nicht ein zweites oder drittes Mal in den Laden rennen, nur weil sie noch das Kaugummi oder den Kaffee vergessen haben. Seit dem Frühjahr werde gezielt und umfassend eingekauft.

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