Weniger Einbrüche, mehr Betrugsfälle:

Kriminalität im Kreis Soest sinkt

Schlechte Zeiten für Einbrecher: Weil in Corona-Zeiten viele Menschen zu Hause sind, bleiben auch die Ganoven Daheim.
+
Schlechte Zeiten für Einbrecher: Weil in Corona-Zeiten viele Menschen zu Hause sind, bleiben auch die Ganoven Daheim.

Kreis Soest – Weniger Straftaten insgesamt, eine sehr gute Entwicklung bei den deutlich rückläufigen Wohnungseinbrüchen, dafür aber mehr Betrugsfälle: Die Kriminalitätsentwicklung zeigt sich im Jahr 2020 unterm Strich ziemlich positiv – bis auf die Sache mit dem Enkeltrick. Das geht aus der Statistik hervor, die die Kreispolizeibehörde jetzt präsentierte.

Präsentierten positive Zahlen: Benjamin Aufdemberg, Eva Irrgang und Thomas Link stellten die Kriminalität als Zahlenwerk vor.

Ein Blick auf die Fallzahlen der letzten fünf Jahre zeigt es deutlich: Der Trend hin zu immer weniger Straftaten ist konstant. Gab es 2016 noch fast 18000 Fälle, sank die Zahl bis zum Jahr 2020 immer weiter bis auf 15573. Das entspricht einem Rückgang von 13,2 Prozent. Parallel blieb die Aufklärungsquote mit 57,5 Prozent etwa im Bereich der letzten Jahre.

Fallzahlen im Altkreis leicht gestiegen

15573 Straftaten registrierte die Polizei im Jahr 2020 kreisweit. Das entspricht im Vergleich zu 2019 einem Rückgang von 413 Fällen oder 2,6 Prozent. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote leicht um 1,15 Prozent auf 57,5 Prozent. Der Kreis Soest liegt bei der Quote damit wieder deutlich besser als der NRW-Schnitt.

Während in Soest die Fallzahlen mit 3657 im Jahr 2020 und einer Steigerung um 9 Fälle im Vergleich zu 2019 nahezu konstant blieben, legten Warstein (1299 Fälle, Steigerung um 118), Möhnesee (638, plus 89), Lippetal (374, plus 64) und Ense (389, plus 51) deutlich zu, während Welver (345, plus 29), und Rüthen 386 (plus 21) leichte Zuwächse verzeichneten. Eine leichte Entspannung verzeichneten Wickede (396, minus 28), Werl (1747, minus 29), Bad Sassendorf (462, minus 31) und Anröchte (332, minus 11), während die Kriminalität in Zahlen in Erwitte (473, minus 163), Geseke (800, minus 227) und Lippstadt (4326, minus 302) deutlicher nachließ.

Dass das Schlagwort „Corona“ während der Pressekonferenz der Polizei immer wieder auftauchen würde, daran erinnerten die Schutzmasken, die neben den Pressevertretern auch Thomas Link als Leiter der Behörde, Landrätin Eva Irrgang und Benjamin Aufdemkamp als Leiter der Direktion Kriminalität trugen. Doch dass der Kreis Soest im vergangenen Jahr in Sachen Kriminalitä(sbekämpfung) ziemlich gut dastand, „das liegt neben Corona auch daran, dass die Kollegen hier ziemlich gute Arbeit gemacht haben“. Dieser Einschätzung von Benjamin Aufdemkamp schloss sich Eva Irrgang mit den Worten an: „Da stecken überall Mitarbeiter dahinter, die ihren Job gut machen.“

Straßenkriminalität auf Tiefststand

Zum Beispiel im Bereich der Straßenkriminalität. Da weist die Statistik mit 3901 Fälle den tiefsten Stand der letzten fünf Jahre auf, macht mit einem Rückgang von 144 Fällen oder 3,6 Prozent nochmal einen Sprung nach unten im Vorjahresvergleich. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote leicht von 21 auf 23 Prozent. „Das wir hier diesen Rückgang haben, das erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl – und das ist sehr erfreulich“, bilanzierte der Leiter der Kriminalitäts-Direktion.

„Wir haben mit 33 Prozent eine herausragende Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen.“

Thomas Link, Abteilungsleiter Polizei

Was zur Straßenkriminalität gehört? Unter anderen die Körperverletzungen mit 1687 Fällen (minus 141) oder die Raub-Delikte mit 103 Fällen (minus 16).

Lockdown, Homeoffice, kaum Verkehr auf den Straßen: Dass diese Konstellation für Einbrecher alles andere als günstig ist, das schlägt sich in der Statistik nieder. Mit 241 Wohnungseinbrüchen gab es 47 Delikte weniger als 2019. Dass die Aufklärungsquote mit 33 Prozent einen großen Sprung machte (2019: 20 Prozent), das dürfte aber neben der Corona-Krise auch an der Arbeit der speziell für diesen Bereich eingesetzten Beamten liegen. „Wir haben hier seit Jahren in diesem Bereich sehr qualifiziertes und motiviertes Personal“, meinte Benjamin Aufdemberg. Die Folge: Wahrscheinlich wegen einer Kombination aus Corona und guter Polizeiarbeit ist von den reisenden Einbruchsbanden, die der Polizei 2015 und 2016 in Atem hielt, nichts mehr zu spüren. Das ist auch bei den Zahlen deutlich erkennbar: Gab es 2015 noch 831 Einbrüche, purzelte die Quote seither um stolze 71 Prozent nach unten. Was die Einbrecher künftig womöglich weiterhin fern halten könnte, fasste Thomas Link in die Worte: „Wir haben mit 33 Prozent eine herausragende Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen.“

Missbrauchte Kinder im Fokus

Wenig erfreut zeigten sich die Vertreter der Kreispolizeibehörde bei der Präsentation der Zahlen zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Der Grund: Seit 2015 steigen die Zahlen, die Aufklärungsquote sinkt. Eine der Reaktionen darauf: Die Fälle werden seit März 2021 von der Kriminalhauptstelle in Dortmund zentral bearbeitet. „Dahinter steckt die Hoffnung auf mehr Professionalisierung.“ Persönlich sei er der Ansicht, so Aufdemberg, dass man das in Soest in der Vergangenheit aber auch schon ziemlich gut gemacht habe. Dass mit 53 Fällen 15 Delikte mehr als 2019 verzeichnet wurden, führt der Leiter der Kriminalitäts-Direktion auch auf „eine deutlich sensiblere Wahrnehmung“ in der Bevölkerung zurück.

Weniger Straftaten, mehr Aufklärung

Im landesweiten Vergleich stand der Kreis Soest 2020 gut da. Während kreisweit auf 100000 Einwohner 5158 Straftaten kamen, waren es landesweit 6774. Die Statistik weist damit im Vergleich zu 2019 einen Rückgang um 1,16 Prozent im Kreisgebiet, landesweit um 1,06 Prozent aus. Die Aufklärungsquote sank kreisweit leicht um 1,15 Prozent auf 57,5 Prozent; landesweit lag sie 2020 bei deutlich geringeren 52,8 Prozent (2019: 53,3).

Ebenfalls deutlich gestiegen sind die Fälle bei der Verbreitung von Kinderpornographie. Einen echten Sprung auf 78 Fälle machten die Zahlen im Jahre 2020. Ein Jahr zuvor waren es noch 34 Straftaten oder 43,6 Prozent weniger. Der Großteil der Ermittlungen kommt über Hinweise eines amerikanischen Providers ins Rollen. „Wir erwarten da einen weiteren Anstieg der Verfahren, weil die Hinweise nicht mehr über das Bundeskriminalamt zu den Landesbehörden kommen, sondern künftig direkt dort landen.“ Deshalb könne sich auch der Bewertungsmaßstab verändern – und künftig früher und schneller ermittelt werden.

Kein Sprung bei häuslicher Gewalt

Und was hatte nun Corona tatsächlich mit den Kriminalitätszahlen des Jahres 2020 zu tun? Die rückläufigen Wohnungseinbrüche fallen ganz sicher in diesen Bereich. Die Befürchtung, dass bei der „häuslichen Gewalt“ ein Sprung nach oben bevorstehe, erfüllte sich dagegen nicht. Im Gegenteil: Verweise nach solchen Gewaltdelikten wurden 2020 in 169 Fällen ausgesprochen. 2019 waren es mit 198 Fällen noch deutlich mehr.

Betrug am Telefon: Vor allem Senioren bekommen es mit dem „Enkeltrick“ zu tun – und verlieren womöglich ihre gesamten Ersparnisse.

Die Schattenseiten der Corona-Krise gibt es trotzdem: Denn viele Betrüger haben sich ganz offensichtlich ins „Homeoffice“ zurückgezogen. Von dort aus werden vermehrt Warenbetrügereien, vor allem aber auch „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“ begangen. Darunter fällt der „Enkeltrick“ ebenso wie die „Handwerkermasche“ oder der „falsche Amtsträger“. Der Schaden ist immens: Im Jahr 2020 verzeichnete die Polizei bei 21 vollendeten Fällen (insgesamt 418 Fälle) eine Schadenssumme von 298333 Euro, pro Fall also im Schnitt mehr als 14000 Euro.

Kampagne „Achtung Falle“

Manchmal per sms oder Mail, in der Regel aber mit einem Telefonanruf nehmen Betrüger Kontakt mit Senioren auch aus dem Kreis Soest auf. „Da gibt es inzwischen professionelle Callcenter meistens im Ausland. Die Computer dort wählen tausende von Nummern – und wenn sich eine Stimme meldet, dann wird das Gespräch zu einem Mitarbeiter durchgestellt“, macht Benjamin Aufdemkamp auf die Professionalisierung internationaler Betrüger aufmerksam. An die komme man immer noch schlecht heran. Dafür gebe es eine Kooperation mit den Banken vor Ort, die die Polizei auf verdächtige Fälle aufmerksam machten. Zudem will die Polizei mit ihrer Kampagne „Achtung Falle“ auf die betrügerischen Maschen aufmerksam machen. Die geplante Vortragsreihe musste wegen Corona zwar unterbrochen werden. Dafür verteilen die Beamten nun Flyer in Apotheken, Arztpraxen und im Impfzentrum. Fragen zum Thema beantwortet zudem Hauptkommissar Andreas Göbel unter Tel. 02921/91004131.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare