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Saatkrähen trotzen allen Vergrämungsversuchen: Stadt zählt jetzt mehr Nester als 2020

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Von: Achim Kienbaum

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Sie fliegen auf Soest: Nirgendwo sonst im ganzen Land fühlen sich Saatkrähen so wohl wie mitten in der Börde.
Sie fliegen auf Soest: Nirgendwo sonst im ganzen Land fühlen sich Saatkrähen so wohl wie mitten in der Börde. © Dahm

Wer in ihrer Nachbarschaft lebt, den dürften die Ergebnisse der aktuellen Saatkrähenzählung nicht überraschen: Die geschützten Vögel haben allen Versuchen, die Population an einigen von ihnen besonders bevorzugten Stellen im Stadtgebiet zu reduzieren, getrotzt.

Soest – Ob die verschiedenen Vergrämungsaktionen in den vergangenen Jahren mehr geschadet als genutzt haben, und sie möglicherweise, wie Hans Olmer (SO-Partei) annimmt, sogar mitverantwortlich für die weitere Zunahme sind, das mag eine Glaubensfrage sein – Tatsache ist aber: Genutzt haben diese Aktionen nichts – im Gegenteil. Das Ergebnis der jüngsten Zählung, das die Verwaltung im Umweltausschuss vorstellte, belegt eine erneute Steigerung bei der Zahl der Nester im Vergleich zum Vorjahr, und zwar um rund 9 Prozent auf 1775, verteilt auf 26 mehr oder weniger große Kolonien.

Zur Einordnung: Seit der Zählung im Jahr 2015, als 1114 Nester im Stadtgebiet gefunden wurden, ist deren Zahl kontinuierlich angestiegen – bis auf den Höchstwert in diesem Jahr.

Mit Abstand am größten sind dabei nach wie vor die Kolonien im Norden der Stadt, genauer im Clarenbachpark, an der Walburger Unterführung und vor dem Bahnhof. Insgesamt wurden an diesen drei Standorten rund 600 Nester gezählt. Mehrere weitere größere Kolonien gibt es in verschiedenen Abschnitten des äußeren Ringes.

Und zunehmend zieht es die offenbar klugen Vögel, auch das zeigen die Ergebnisse der Zählung, auch in den Soester Süden: Im Einzugsbereich der Englischen Siedlung ist der mit Abstand größte Zuwachs der Krähenpopulation zu verzeichnen, dort stieg die Zahl der Nester innerhalb eines Jahres um rund 25 Prozent von 431 in 2020 auf 543 in diesem Jahr.

So laut sind Krähen wirklich

Im Rahmen der jüngsten Zählung hat die Verwaltung auch ein Lärmgutachten durchführen lassen, das Aufschluss über die Intensität der Dauerbeschallung durch Kolonien der Vögel gibt. „Es geht hier ausdrücklich nicht um Spitzenwerte, sondern um die Mitte“, erklärte dazu Olaf Steinbicker. Untersucht wurden zwei Kolonien am Ottawa Weg und am Clarenbachpark, und zwar einmal während des Nestbaus Ende März und während der Nachwuchsfütterung Anfang Mai, jeweils zwei Stunden vor und nach Sonnenauf- und Untergang. Das Ergebnis: Der höchste Mittelpegel lag am 6. Mai bei Sonnenaufgang am Ottawa Weg bei 66 Dezibel. In der Fütterungszeit waren die Vögel sowohl tagsüber als auch nachts deutlich lauter. Zur Einordnung: Für Gewerbegebiete liegt der gesetzlich zugelassene Mittelwert bei 65, ab 70 gilt dauerhafter Lärm in dieser Größenordnung für Menschen als gesundheitsschädlich.

Wer im Ausschuss auf kluge und erfolgversprechende Antworten gehofft hatte, wie denn nun diese seit Jahren festzustellende Entwicklung zu stoppen, oder noch besser, umzukehren sei, der wurde enttäuscht: Matthias Abel, Technischer Beigeordneter, konnte nur einmal mehr auf den EU-weiten Schutzstatus der Saatkrähen hinweisen, und auf eine Reihe von Initiativen, in die auch das Land, der Bund und die EU eingebunden seien.

Da seien möglicherweise in nächster Zeit auch „eher unorthodoxe Maßnahmen“ zu erwarten, konkreter wollte er da aber mit einem Verweis auf die sprichwörtlich noch „ungelegten Eier“ nicht werden.

In einer ersten Reaktion erklärte Karl Rusche, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Rabenvogelschutz der NABU, dass es in den vergangenen Jahren offenbar zu einer Verlagerung von Kolonien aus den umliegenden Soester Ortsteilen in die Kernstadt gekommen sei. Als Beispiel nennt er eine Kolonie am OGA-Wäldchen zwischen Soest und Bad Sassendorf.

Zählungen hätten dort im Jahr 2006 noch 542 Nester aufgelistet, im gesamten Soester Stadtgebiet seien es damals nur 597 gewesen, so Rusche. Inzwiscehn seien die Krähen aber aus dem Wäldchen verschwunden. „Es ist nicht schwierig zu vermuten, dass die Vögel in der Nähe geblieben sind und sich im Stadtgebiet angesiedelt haben“, glaubt Rusche.

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