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Weihnachtsmarkt in Soest: Vorsicht begleitet Händler und Besucher

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Daniel Klatecki verkauft seit 25 Jahren Mützen, Schals und Handschuhe auf dem Weihnachtsmarkt. Seine Stammkundschaft hilft ihm durch die Zeit.
Daniel Klatecki verkauft seit 25 Jahren Mützen, Schals und Handschuhe auf dem Weihnachtsmarkt. Seine Stammkundschaft hilft ihm durch die Zeit. © Karin Hillebrand

Der Soester Weihnachtsmarkt ist seit einer Woche geöffnet. Spürbar ist, dass weniger Gäste als sonst kommen. Es ist die Rede von einem Umsatzrückgang um 50 Prozent.

Soest – Jochen Wolnin vertreibt im achten Jahr Schmuck aus teils 200 Jahre altem Silberbesteck auf dem Soester Weihnachtsmarkt. Immer wieder bleibt jemand stehen, begutachtet Ketten, Ringe oder Armreifen. „Die Einheimischen kennen meine Produkte, ich stehe sonst auch auf dem Bauern- und dem Bördemarkt. Allgemein ist es aber zu ruhig, die Auswärtigen fehlen,“ sagt Wolnin. Und man merkt im Gespräch, wie sehr ihn das berührt.

Am Samstagabend habe man noch bequem entlang der Stände gehen können. Das sei in diesem Jahr nicht möglich. In Zahlen bedeutet das: 50 Prozent weniger Umsatz. Das hat Mirko Landetto für den Samstag ermittelt. Er steht zum vierten Mal mit seinen italienischen Delikatessen auf dem Marktplatz. In Österreich, wo er mit der Familie lebt, dürfen momentan – als eine Maßnahme gegen die Ausbreitung von Corona – nur noch Lebensmittelhändler ihre Stände öffnen.

„Die Stimmung ist o.K.,“ sagt er, wenngleich die Nachrichtenlage ihn beunruhige und er ergänzt „aber ab morgen beginne ich richtig zu rechnen.“ Schließlich sei der Weihnachtsmarkt ein paar Tage früher als sonst gestartet. Das müsse man beim Kassensturz berücksichtigen. Käse, Salami und Süßwaren sind schon bestellt und können nicht mehr storniert werden. Aus Sorge um eine frühzeitige Schließung des Marktes achtet der gebürtige Italiener darauf, nicht zu viel auf einmal anliefern zu lassen.

Irena und Dietmar Aukam möchten mit ihrer Enkelin Bea die Zeit auf dem Weihnachtsmarkt genießen. Sie achten dabei aber auf Abstand.
Irena und Dietmar Aukam möchten mit ihrer Enkelin Bea die Zeit auf dem Weihnachtsmarkt genießen. Sie achten dabei aber auf Abstand. © Karin Hillebrand

Dieter Aukams Augen leuchten, als er Enkelin Bea bei der Fahrt im Kinderkarussell zusieht. Gemeinsam mit Ehefrau und Oma Irena möchten die Enser den Marktbesuch nicht missen. „Wir sind extra früh gekommen, um den Trubel zu umgehen und achten darauf, Kontakte möglichst zu vermeiden,“ sagt Aukam. „Dies ist ein schöner Weihnachtsmarkt,“ ergänzt Irena Aukam „wir versuchen schon wegen der Enkelkinder hier zu sein, solange alles noch offen ist.“

Ein Fahrgeschäft für etwas größere Kinder, das würde allerdings fehlen. Auch Sophie Lingott und Manuel Koch aus Lichtenau bei Paderborn mögen das weihnachtliche Treiben in der Soester Altstadt. „Wir treffen uns hier sonst mit Bekannten, dieses Jahr gehen wir allein,“ erzählt Koch. Gedanken haben sich die beiden angesichts der aktuellen Situation schon gemacht. „Daher sind wir früh gekommen, in der Hoffnung, dass noch nicht allzu viel los ist,“ sagt Lingott und ergänzt: „Dort, wo es eng ist, setzen wir Masken auf. Und hier ist genügend Raum, um Abstand zu halten.“

Es ist Sonntagmittag, die Stadt füllt sich. Dichtes Gedränge herrscht nicht und an den Buden nehmen die Leute Rücksicht aufeinander. Viele tragen Masken.

Daniel Klatecki beschickt den Soester Weihnachtsmarkt seit etwa 25 Jahren mit Mützen, Schals und Handschuhen. Ihm fehlen die Vereine und die Busreisenden, die sonst die Gassen der Altstadt füllen. „Die Leute sind schon gut drauf. Sie wollen raus, was anderes sehen,“ meint Klatecki, der selbst noch guter Dinge ist „Wenn aber nach nur einer Woche hier Schluss sein sollte, dann wäre das fatal.“ Dabei hat er schon weniger Ware als sonst eingekauft, es fehlt die Planungssicherheit. Was ihn traurig macht: „Es geht um die Existenz der kleinen Unternehmer. Bei den großen Elektrofachmärkten dürfen die Kunden in Zweierreihen nebeneinanderstehen, um die neueste Playstation zu kaufen.“

Die Stammkundschaft ist dem Händler treu geblieben. Es sind viele bekannte Gesichter, in die er blickt und die ihm helfen, positiv in die Zukunft zu schauen.

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