Propst Dietmar Röttger sitzt in Australien

Wegen Corona im Ausland gestrandet

Propst Dietmar Röttger ist in Melbourne gestrandet.
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Propst Dietmar Röttger ist in Melbourne gestrandet.

Melbourne/Cusco – In einer misslichen Lage befindet sich zurzeit Dietmar Röttger, der seit 2018 als Propst in Soest tätig ist. Er ist zu Zeiten der Corona-Pandemie im australischen Melbourne gestrandet. Am 8. März ist er zu der Reise aufgebrochen und wollte ursprünglich am letzten Wochenende zurückkehren. Die Rückkehr hat sich nun verschoben. 

Anlass der Reise, zu der er mit einer befreundeten Familie aufgebrochen ist, war ein Besuch in Bendigo in der Diözese Sandhurst, wo der Sohn dieser Familie unter Vermittlung des Erzbistums Paderborn ein freiwilliges soziales Jahr verbringt. „Zum Zeitpunkt meiner Abreise war auch in Deutschland die Dynamik der Corona Maßnahmen noch nicht absehbar“, erklärt Röttger. 

In Australien sei zu Anfang das Thema Corona nur im Hinblick auf das Ausland präsent gewesen. Das änderte sich nach der ersten Woche seiner Reise schlagartig. „Als klar wurde, dass auch die Schulen schließen, haben wir beschlossen, früher nach Deutschland zurück zu fliegen.“ Das sollte letzten Dienstag sein. „Beim Einchecken auf dem Flughafen wurden wir dann nicht mehr in das bereit stehende Flugzeug gelassen, weil der Flughafen in Abu Dhabi als Drehkreuz für Australien Flüge auch für den Transit völlig unvermittelt geschlossen wurde. Hier wurde uns klar, dass die Rückkehr schwierig wird“, so der Propst.

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Auch in Australien sind besondere Maßnahmen getroffen worden. Aktuell sind Schulen geschlossen ebenso wie öffentliche Einrichtungen, Strände, Restaurants und viele Geschäfte. Auch die Kirchen sind zu und es finden keine Gottesdienste statt. Es bestehe keine Ausgangssperre, sondern eindringliche Aufforderung zu „großen Abständen zu anderen Leuten im öffentlichen Raum. Doch wie kommt der Propst zurück nach Deutschland? Röttger erklärt: „Das deutsche Konsulat hat alle Landsleute aufgerufen sich online beim Rückholprogramm der Regierung registrieren zu lassen. Das haben wir getan.“ 

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In Zusammenarbeit mit Qatar Airways, die als eine der wenigen Linien noch fliegen, hat das Konsulat Röttger aufgefordert, dort neue Flüge zu buchen und versichert, dass diese auch anheben. Ende der kommenden Woche soll das geschehen. „Ich bin zuversichtlich, dass mit der Rückreise alles gut gelingt. Ich atme aber erst durch, wenn der Flieger mit uns an Bord in Europa gelandet ist“, so Röttger. 

Die gebürtige Soesterin Jacqueline Kamp ist im peruanischen Cusco gestrandet. Nach Abschluss ihres Studiums in Berlin ist sie nach Mittel- und Südamerika gereist, bevor von dem Coronavirus überhaupt die Rede war. Sie befindet sich in einem Hostel mit etwa 20 weiteren Deutschen und kann nicht zurück nach Deutschland reisen. 

Kamp - hier auf einem Bild mit Freunden - ist zu Zeiten von Corona in Peru gestrandet.

„Die Situation für deutsche Reisende in Peru eskaliert“, erklärt sie. Obwohl die deutsche Botschaft daran arbeite, alle Reisenden zurückzuholen, gehe nichts voran. „Nicht einmal 24 Stunden wurden jedem Europäer nach Bekanntgabe der Grenzschließung für die Ausreise gegeben. Dass das unmöglich war einzuhalten, muss nicht erst gesagt werden.“ Deutschland hatte mit europäischen Airlines Rückholflüge organisiert, die dann in letzter Sekunde gestoppt wurden. Perus Präsident Martin Vizcarra hatte beschlossen den Flughafen in Lima komplett abzuriegeln. Jeder, der jedoch nicht in Lima, sondern zum Beispiel in Cusco sitze, habe keine Chance nach Lima zu kommen.

„Seit dem 25. März darf sich niemand mehr aus seinem Zimmer bewegen. Die Ausnahme ist die Nahrungsaufnahme und der Toilettengang. Die Zimmer haben keine Fenster und mitunter schlafen in ihnen bis zu zwölf Menschen. Die sanitären Anlagen werden von allen 140 Personen geteilt, die in dem Hostel leben. Eine Stunde Hofgang gibt es am Tag, ähnlich wie im Gefängnis“, erklärt Kamp. Sollte jemand diese Regeln missachten und sein Zimmer verlassen, um frische Luft zu schnappen, drohen fünf bis zehn Jahre peruanisches Gefängnis. 

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Ein Ende ist nicht in Sicht, denn: „Wir werden nicht bei den kommenden Rückholflügen berücksichtigt, da die Deutsche Botschaft es nicht schafft, mit den peruanischen Behörden zu verhandeln. Das heißt, obwohl am Dienstag Deutsche aus Cusco herausgeholt werden, bleiben wir weiter im Hostel gefangen.“ Zunächst seien die Deutschen dort eingeschlossen bis zum 19. April. Aber niemand wisse, ob das nicht verlängert wird. „Wir bekommen mittlerweile so wenig zu Essen, dass jetzt jemand sein Bewusstsein verloren hat. Das liegt daran, dass die peruanische Polizei und das Militär nicht genug Versorgung zu unserem Hostel weiterleitet“, beschreibt Kamp.

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