Mit Schalmei und Saxofon durchs Mittelalter

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Dei Gruppe "Capella de la Torre" spielte in der Hohnekirche.
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Soest - Es war buchstäblich die Ruhe vor dem Sturm: Das Wandelkonzert, das den Auftakt zum Fehde-Wochenende bildet.

Dabei traf man am Donnerstag auf alte Bekannte unter den Musikern. Ihre Popularität sorgte für volle Reihen in den beteiligten Kirchen. Karten konnten nur so viel verkauft werden, wie Zuhörer in das kleinste Gotteshaus passen, und das war diesmal die Hohnekirche. Sie war ohne Zusatzbestuhlung komplett belegt, die Petrikirche fast ebenso, der Patroklidom war somit halb voll. 

Viele Besucher kamen gewandet, darunter der ukrainische Chor „Perlyna“, der am Sonntag in der Gräfte singen wird. Der „Stargast“, die „Capella de la Torre“ aus Berlin, war zum dritten Mal beim Wandelkonzert dabei und trat diesmal in sechsköpfiger Besetzung auf, zunächst in der Hohnekirche und später in der „Alde Kerk“. 

Wandelkonzert

Das vielfach ausgezeichnete Ensemble um ihre Gründerin, die Oboistin und Schalmei-Spezialistin Katharina Bäuml, hatte es sich wie alle anderen Mitwirkenden zum Ziel gesetzt, aufzuzeigen, welche Musik zur Zeit der Fehde populär war und wie diese später aufgenommen und aktualisiert wurde – doch dieser „Lehrauftrag“ rückte rasch in den Hintergrund.

Dem Sextett gelang es, jahrhundertealte Musik zu spielen, ohne langweilig zu wirken, alte Musik mit neuem Leben zu füllen und Fröhlichkeit zu verbreiten. Gerade Bäuml geriet selber zunehmend ins Tänzeln bei ihrem Spiel. Ein Solo des Posaunisten Tural Ismayilov klang sogar ausgesprochen jazzig.

 Dabei war Jazz eigentlich die Angelegenheit der Hinterhaus-Jazzband. Die packte noch einmal jene Arrangements aus, die sie schon vor einigen Jahren eigens zu einem Wandelkonzert geschrieben hatten. Für die Musiker war der Auftritt im Patrokli-Kreuzgang kein Spaziergang: Trompeter Helmut Reimer musste sich aus gesundheitlichen Gründen etwas zurücknehmen. War bei den früheren Wandelkonzerten noch der 2015 verstorbene Adi Nobis mit seinem Saxofon angetreten, übernahm diesmal Roland Danyi seinen Part. 

Den Vogel schoss  der Mittelpart zwischen Hohne und Petri ab. Im Dom gelang es Patrokli-Kantor Stefan Madrzak und Trompeter Martin Schröder, innerhalb einer halben Stunde für ein Maximum an Abwechslung zu sorgen. Gotische Suite aufgepeppt Die beiden spannten einen Bogen von minimalistischen Darbietungen am Regal, der tragbaren Kleinorgel, und einer Improvisation am Portativ, einer Art Kreuzung aus Orgel und Akkordeon, bis hin zur „Gotischen Suite“ des Franzosen Léon Boëllmann auf der großen Orgel. 

Der vierte Satz des ursprünglich als Orgel-Suite komponierten Werks gewann in der Kombination mit der Trompete an Dramatik und hätte gut als Soundtrack zu einem Gothic-Horror-Film à la Frankenstein oder Dracula dienen können.

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