Museum Wilhelm Morgner

Wand aus Ölfässern: Manaf Halbouni stellt in Soest „Zone“ aus

deutsch-syrische Künstler und frühere Soester Kunst-Stipendiat Manaf Halbouni
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Der deutsch-syrische Künstler und frühere Soester Kunst-Stipendiat Manaf Halbouni setzt sich in seiner Ausstellung „Zone“ mit Grenzen auseinander.

Über mangelnde Aufmerksamkeit für seine Ausstellung „Zone“ wird der frühere Kunst-Stipendiat Manaf Halbouni in den nächsten beiden Monaten wahrscheinlich nicht klagen können. Die Wand aus Ölfässern und Sandsäcken, die die Gasse zwischen Dom und Museum Wilhelm Morgner trennt und durchs Museum auf die Thomästraße läuft, zieht schon jetzt alle Blicke auf sich.

Soest - „80 Prozent aller Passanten klopfen erst mal gegen die Fässer“, schildert Halbounis Kollege Christian Manss. Kinder haben bereits einen kleinen Fahrrad-Korso um die blauen Tonnen veranstaltet. Die Wand werde also offensichtlich angenommen, sagt Manaf Halbouni. Ob man dabei auf das Thema kommt, um das es hier gehe, sei eine andere Sache.

Name:Manaf Halbouni
Geboren:1984
Geburtsort:Damaskus, Syrien

Die aufwändige Installation verdeutlicht das zentrale Anliegen des deutsch-syrischen Künstlers: Es geht um Grenzen, Spaltung, Gegensätze, (Bewegungs- und Gedanken-)Freiheit. Und es geht um den Dialog und das Zueinanderfinden. Anregung für die Fässer-Wand gab die Grenze, die sich quer durch Zypern und dessen Hauptstadt Nikosia zieht. Ein sechs Meter bis sieben Kilometer breiter Streifen teilt die Insel in einen griechischen und einen türkischen Teil.

Sprachliche Grenzen verdeutlicht Halbouni mit dem Leucht-Schriftzug „KULTUR“, bei dem der erste Buchstabe ein arabisches Zeichen ist. Gleichwohl ist das Wort lesbar. Kultur als Schlüssel zum Dialog?

Ausstellung von Manaf Halbouni: Freiheitsruf in Dauerschleife

Akustische Grenzziehungen stellt der ehemalige Stipendiat mehrfach dar: Die Fässerwand wird im Raum Schroth unterbrochen von einer Pollerinstallation. Fahren die Poller runter, ertönt in Dauerschleife der Freiheitsruf „Wir sind das Volk“ von 1989, fahren sie hoch, ertönt der gleiche Ruf von 2015, als ihn die Pegida für sich vereinnahmte.

Eine weitere Klanginstallation ist im oberen Stockwerk untergebracht, damit sich die beiden Kunstwerke akustisch nicht in die Quere kommen: 20 Kassettenrekorder und Radios spielen 21 Nationalhymnen von Staaten, die nur im 20. Jahrhundert kurz existiert haben, unter andere die DDR, die Weimarer Republik und das Nazi-Reich. Zum Schluss gehen alle 20 Melodien in einer großen Kakophonie unter. Neben dieser Arbeit sind im Raum Schroth und im Untergeschoss weitere kleinere Werke von Manaf Halbouni aus den vergangenen drei Jahren zu sehen, die Bezug nehmen auf politische Situationen und neu entstehende Grenzen in der Welt.

Ausstellung von Manaf Halbouni: Viel Gerede um das „Rednerpult“

„Zone“ ist jene Ausstellung, die Manaf Halbouni als ehemaliger Kunst-Stipendiat eigentlich gleich nach seinem Soest-Aufenthalt ausrichten wollte. Aus verschiedenen Gründen wurde sie mehrfach verschoben. Derweil machten sein „Rednerpult“ im Rosengarten und dadurch auch der Künstler selber immer wieder von sich reden.

„Unsere Gesellschaft erlebt momentan eine Spaltung durch eine imaginäre Mauer, die nicht sichtbar ist, und dies in jedem Bereich und jeder gesellschaftlichen Schicht. Es fehlt uns an Debatten, es fehlt an einem Dialog“, sagt der Künstler Manaf Halbouni zu seiner Ausstellung „Zone“. Sie ist nach einem „Soft Opening“ ab Sonntag, 9. Mai, im Museum Wilhelm Morgner zu sehen.

Ausstellung von Manaf Halbouni: das Begleitprogramm

Verschiedene Veranstaltungen begleiten sie: Am Sonntag, 30. Mai, um 15 Uhr wird zum Künstlergespräch mit Manaf Halbouni geladen. Ebenfalls am 30. Mai von 18.30 Uhr bis 21 Uhr spricht Manaf Halbouni mit der Sea-Watch-Aktivistin Gabriele Kribus über Grenzerfahrungen im Mittelmeer. Die Moderation übernimmt Jürgen Kaumkötter, Direktor des Zentrums für verfolgte Künste in Solingen.

Am Dienstag, 8. Juni, öffnet der „Grüne Salon Soest“ um 18.30 Uhr in der Petrikirche. Es geht um „Flucht und Asyl: Was passiert in Soest?“. Die Veranstaltung wird ins Museums-Foyer übertragen und kann unter http://bit.ly/ FluchtundAsylSoest“ aufgerufen werden. Es moderieren Ulrike Burkert und Dr. Hermann Buschmeyer. Am Mittwoch, 16. Juni, gibt es von 18.30 Uhr bis 20 Uhr einen philosophischen Exkurs (Dr. Thomas Wachtendorf) mit tänzerischer Pantomime (Charles-Albert Mudry).

Ausstellung von Manaf Halbouni: Radiogottesdienst zur Finissage

Zur Finissage der Ausstellung wird am Sonntag, 18. Juli, ein Radiogottesdienst in der Kirche „Schiefer Turm“ gefeiert, der im WDR und im Deutschlandfunk übertragen wird. Pfarrerin Leona Holler predigt, für Musik sorgen Patrick Porsch (Saxofon) und Band sowie Organistin Annette E. Arnsmeier. Zu den Begleitveranstaltungen melden sich Interessierte an unter post@kulturparlament-soest.com

Die Ausstellung kann bis zum 18. Juli im Museum Wilhelm Morgner angesehen werden. Besucher melden sich im Museum an und beachten die üblichen Corona-Schutzregeln. Im Fenster des Museums läuft in Dauerschleife eine Video-Dokumentation über aktuell vorhandene „aggressive Grenzen zwischen Staaten und Territorien“.

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