Einschränkungen wegen Pandemie zeigen ungewollte Wirkung

Eine schmutzige Seite von Corona: Wäschereien brechen Umsätze weg

Bei den Hemden merkt es Jörg Thomas besonders: Seit viele Anzugträger im Homeoffice arbeiten, hat er deutlich weniger zu tun - eine Jogginghose bringt man eben nicht in die Reinigung.
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Bei den Hemden merkt es Jörg Thomas besonders: Seit viele Anzugträger im Homeoffice arbeiten, hat er deutlich weniger zu tun - eine Jogginghose bringt man eben nicht in die Reinigung.

Sicher, sauber haben es die Kunden immer noch ganz gerne – da hat sich am Geschäftsmodell der heimischen Wäschereien durch die Coronapandemie nichts geändert. Aber während die Großen der Branche, unter anderem mit Kundschaft aus dem Gesundheitssektor, unverändert gut zu tun haben, sieht das bei den kleineren Betrieben ganz anders aus: Sie trifft vor allem die Schließung der Gastronomie.

Kreis Soest – Die Wäscherei von Fritz Hollenbeck in Körbecke ist so ein kleiner Betrieb mit rund einem Dutzend Mitarbeiter. Ehefrau Gabi kann den Umsatzeinbruch ziemlich genau beziffern, den ausbleibende gewerbliche Kunden wie Hotels und Restaurants verursachen: „Im Moment haben wir nur noch 20 Prozent des normalen Geschäfts“, erklärt sie.

Das wiederum ist vor allem der Treue von privaten Stammkunden aus dem gesamten Kreisgebiet zu verdanken, die die Dienstleistungen der Körbecker Wäscherei nach wie vor benötigen und schätzen.

Auf Dauer aber wird das natürlich nicht reichen – und es ist ja auch alles andere als sicher, dass alle Gastro-Betriebe die langen Durststrecken in diesem Jahr wirtschaftlich überleben werden.

In Bad Sassendorf hat Michael Adams zwar auch nicht mehr genug Arbeit für seine insgesamt fast 40 Mitarbeiter, aber weil sein Betrieb hygienezertifiziert ist, kann er weiterhin die Schmutzwäsche von Seniorenzentren und anderen Einrichtungen reinigen, die auch während der Pandemie geöffnet sind. Die aber muss derzeit mit noch größerer Sorgfalt als ohnehin schon entgegengenommen werden.

Michael Adams kann in seinem Betrieb in Lohne immerhin noch Wäsche aus Seniorenzentren reinigen - mit beträchtlichem Sicherheitsaufwand.

„Die Mitarbeiter, die diese hereinkommende Wäsche sortieren, betreiben wirklich einen großen Aufwand, um sich zu schützen“, erklärt Adams. Wichtig sei dabei auch, dass die von den Kunden gemachten Angaben korrekt seien. Was dann aber an gereinigten Textilien zurück geht, ist genau so sauber und hygienisch einwandfrei wie immer, daran hat Corona nichts geändert.

Herbe Einbußen, nämlich bis zu 40 Prozent, verzeichnet auch Jörg Thomas in seiner Reinigung am Soester Markt. Das hat in seinem Fall vor allem mit abgesagten Familienfeiern wie Hochzeiten und runden Geburtstagen zu tun, die Thomas viel Umsatz bescherten, aber auch mit der komplett ausgefallenen Schützenfestsaison: Uniformen und Hoftstaatskleider landeten ebenfalls in großer Zahl bei ihm – vor Corona.

Spuren in seinen Bilanzen hinterlässt aber auch das in vielen Unternehmen angeordnete Homeoffice: „Statt früher bis zu 3000 Hemden im Monat reinigen wir jetzt oft gerade mal 1000“, rechnet er vor – das passiert, wenn Anzugträger auf Jogginghosen umsteigen.

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