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Schwerer Unfall in Soest - Vorwurf: Illegales Rennen auf alter B1

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Von: Daniel Schröder

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Durch die Kollision mit hoher Geschwindigkeit bohrte sich das Motorrad förmlich in das Auto.
Durch die Kollision mit hoher Geschwindigkeit bohrte sich das Motorrad förmlich in das Auto. © Daniel Schröder

Sowohl der Motorradfahrer als auch der Autofahrer werden beschuldigt, Schuld am schweren Unfall auf der Werler Landstraße in Höhe von McDonald’s zu haben.


Soest – Rückblick: Am späten Mittwochabend (3. August) war der Motorradfahrer, ein 24-Jähriger aus Bad Sassendorf, offenbar mit viel zu hoher Geschwindigkeit stadtauswärts auf der Werler Landstraße unterwegs. In Höhe von McDonald’s kollidierten er und sein Mitfahrer, ein 21-jähriger Welveraner, frontal mit dem Seat Leon eines 35-jährigen Soesters, der gerade dabei war, nach links auf den McDonald’s-Parkplatz abzubiegen. Der Motorradfahrer erlitt schwere Verletzungen, sein Mitfahrer schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Nun laufen die Ermittlungen.

Oberstaatsanwalt Thomas Poggel erklärt, dass gegen beide Fahrer ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. „Gegen beide wegen fahrlässiger Körperverletzung“, so Poggel. Gegen den Motorradfahrer wurden zudem Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen Paragraf 315d des Strafgesetzbuches eröffnet – heißt konkret: Ihm wird vorgeworfen, ein illegales Straßenrennen gefahren zu sein.

Schwerer Unfall in Soest: Gutachten soll wichtige Erkenntnisse bringen

„Dabei geht es um das Erzielen der höchstmöglichen Geschwindigkeit“, erläuterte der Oberstaatsanwalt. Wie schnell genau der Motorradfahrer gewesen sein soll, ist noch unklar. Eine Antwort auf diese und weitere Fragen soll das Unfall-Rekonstruktions-Gutachten eines Sachverständigen liefern. Erfahrungsgemäß dauert es mehrere Monate, bis ein solches Gutachten vorliegt.

Schwerer Unfall in Soest - Anwohner berichtet: Das war „ein Motorradcrash mit langer Ansage“

Fakt ist, dass mehrere Augen- und Ohrenzeugen den Motorradfahrer schon weit im Vorfeld des Unfalls auf der alten B1 wahrgenommen hatten. Ein Anwohner berichtete unserer Redaktion: „Etwa zwei Stunden lang raste ein Motorrad die Straße auf und ab, zwischen Märkischer Straße und Senator-Schwartz-Ring, teils auch weiter, wohl Richtung Ampen und zurück.“ Der Anwohner spricht von einem „Motorradcrash mit langer Ansage“. „Das Geräusch aus extremer Beschleunigung und Wahnsinnstempo trat immer wieder auf.“

Ob dieses Vorspiel bei der Bewertung des Unfalls noch eine Rolle spielen wird, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben, so Poggel. „Für die konkrete Unfallsituation spielt das allenfalls mittelbar eine Rolle.“

Schwerer Unfall in Soest: Motorradfahrer „trifft möglicherweise ein Mitverschulden“

Die nüchternen Fakten lassen den Autofahrer aus Soest erst einmal als Unfallverursacher dastehen: „Der erste Anschein lautet, dass der Autofahrer die Vorfahrt missachtet hat. Wenn der Motorradfahrer jedoch zu schnell war, trifft ihn möglicherweise ein Mitverschulden“, erklärte Poggel.

Bei der Aufklärung der Schuldfrage stehen nun also zwei Säulen im Fokus, um die sich alles drehen wird: Das verkehrsanalytische Gutachten und mögliche Aussagen der Beschuldigten. „Es gibt bislang nur eine Aussage des Autofahrers, die er unmittelbar vor Ort getätigt hat. Jedoch ist er noch nicht als Beschuldigter vernommen worden“, berichtete der Oberstaatsanwalt. Gegenüber der Polizei hatte der Autofahrer ausgesagt, dass er den Motorradfahrer nicht habe heranrauschen sehen.

Laut Poggel gebe es viele Zeugen, die sich zum Unfallzeitpunkt in unmittelbarer Nähe aufhielten und im Verlauf des Einsatzes durch mehrere Seelsorger betreut werden mussten. Aber: „Es gibt nicht so viele, die das konkrete Unfallgeschehen gesehen haben. Hinsichtlich der Zeugen müssen wir sehen, was dabei herauskommt.“

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