Volksbank Hellweg: Keine Fusion, dafür aber neue Aufgaben

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Trotz Null-Zins-Politik der EZB konnten die Volksbanker Bernd Wesselbaum und Dr. Andreas Sommer drei Millionen Euro Überschuss erwirtschaften.

Soest - Die Volksbank Hellweg wird in den nächsten Jahren keine weitere Fusion mit einer anderen Genossenschaftsbank eingehen. Nach einem Jahr intensiver Gespräche mit potenziellen Partnern in der näheren und weiteren Umgebung seien zwar reichlich Möglichkeiten für Kooperationen ausgelotet worden, einen Zusammenschluss mit einem anderen Geldhaus aber werde es nicht geben, sagt Volksbank-Chef Bernd Wesselbaum.

Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Andreas Sommer stellte er die Entwicklung der Soester Bank im vergangenen Jahr vor. Es sei gelungen, die Einbrüche (minus 5,3 Prozent) beim Zinsgeschäft wegen der anhaltenden Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank durch Kostenreduzierung wett zu machen. Unterm Strich erwirtschaftete die örtliche Bank einen Überschuss von knapp drei Millionen Euro und konnte ihre Bilanzsumme um 2,3 Prozent auf fast 1,4 Milliarden Euro steigern.

Aus dieser Position der Stärke heraus wolle man ohne Fusion weiter bestehen und seinen Weg gehen. Der Bericht eines Branchendienstes in dieser Woche, wonach die gesamte Branche der Sparkassen und Volksbanken ihr „Heil in Fusionen suchen“, gelte für die Volksbank Hellweg nicht.

Doch die umfangreichen Gespräche mit den Nachbarn hätten durchaus Sinn und Ergebnisse gebracht, so Wesselbaum. Ein praktisches Beispiel: Mit der Volksbank Sauerland, einst Kandidat für eine Banken-Verschmelzung mit Soest, betreibe man fortan in Hüsten ein Zentrum für Zahlungsverkehr. „Tonnenweise“ landen hier Hartgeld und Scheine, die auf ihre Echtheit überprüft werden, bevor sie in Geldautomaten gesteckt oder in Rollen als Wechselgeld ausgegeben werden. „Die Anforderungen des Gesetzgebers werden immer strenger; wir müssen selbst die Ein-Cent-Münzen auf Echtheit prüfen“, erläutert Sommer.

Mit einer verbesserten Internet-Präsenz, die künftig Video-Dialoge mit Kunden für Beratungsgespräche ermöglicht, will die Bank den veränderten Kunden-Gewohnheiten entgegenkommen. Das stationäre Geschäft in den Filialen sei weiter rückläufig; die meisten Kunden „schauen vielleicht einmal im Jahr rein“. Stärkere Beratung – wo und wann auch immer – sei dagegen ein Schlüssel, um weiter zu wachsen und neue Kunden zu gewinnen.

1750 „Neue“ konnten bereits vergangenes Jahr ins Boot geholt werden; derzeit sind 66 200 Kunden registriert: 23 000 aus dem Bereich Soest samt der umliegenden Gemeinden, 19 000 aus Warstein, 16 000 aus Werl, 7 500 aus Ense.

Noch besser entwickelte sich die Mitgliederzahl: 44 887 Genossen bestimmen die Geschicke der Bank; im vergangenen Jahr sind fast 1100 neue hinzugekommen. Um das Geschäft dauerhaft zu stabilisieren und wenn möglich zu erweitern, hält die Volksbank Ausschau nach völlig neuen und bis dato eher ungewöhnlichen Dienstleistungen. „Wir prüfen gerade, einen privaten Sekretär anzubieten“, so Wesselbaum. Wer etwa wegen Alter oder Krankheit nicht mehr in der Lage ist, seine Geschäfte und seinen Schriftverkehr zu führen – oder dies aus anderen Gründen partout nicht will, kann die Bank damit beauftragen. Wenn es sein muss, organisiere man auch einen Gärtner, der den Rasen und die Beete pflegt. Die Grenzen dieses Engagements? „Wir werden nicht selber den Rasenmäher schieben!“

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