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Vögel füttern: Experte gibt Tipps und warnt vor „Problemkräutern“

Viele Gartenbesitzer füttern die Vögel in ihrem Garten - auch im Sommer. Experte Klaus Fischer gibt Tipps zum Vogelfutter und warnt vor „Problemkräutern“.

Soest - Früher wurde strikt die Meinung vertreten, dass eine Vogelfütterung im Garten wenn überhaupt, dann nur im Winter sinnvoll sei. Inzwischen aber tendieren immer mehr Vogelkundler dazu, dass eine ganzjährige Fütterung sinnvoll sei in Zeiten stark abnehmenden Zahlen heimischer Vögel. Aber es gibt dabei einiges zu beachten, wann welches Futter angebracht ist. Garten-Experte Klaus Fischer hat sich dem Thema angenommen.

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Vögel im Garten füttern: Experte gibt Tipps und warnt vor „Problemkräutern“

Der Naturschutzbund (Nabu) gibt online zur Vogelfütterung im Garten zahlreiche Hinweise und Tipps. Ganzjahresfütterung ist umstritten und hat Vor- und Nachteile*, berichtet 24garten.de*.

Ich habe die Fütterung mit Körnerfutter und Fettringen während der Brutzeit (April bis Juli) eingestellt und werde jetzt wieder mit der Fütterung beginnen.

Aus gärtnerischer Sicht gibt es aber noch einen anderen wichtigen Aspekt der Vogelfütterung. In der Regel besteht das Futter, das man im Handel kaufen kann, aus verschiedenen Körnern und je nach Vogelart auch aus Weichfutter wie getrockneten Beeren oder auch getrockneten Insekten. Körner – das sind alles Sämereien bestimmter Pflanzen. Der Großteil im herkömmlichen Vogelfutter besteht aus Getreidekörnern und Sonnenblumenkernen. Aber es gibt auch etliche andere Sämereien, die in die Futtertüte kommen.

Tischmanieren kennen Vögel natürlich nicht. Sie futtern und picken, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Und dabei fallen etliche Körner auf den Boden. Oder sie nehmen den Schnabel zu voll und verlieren unterwegs dann etwas von ihrer nahrhaften Fracht. Die Folgen davon können wir derzeit im Garten sehen: Überall keimt und sprießt es, was wir nie und nimmer dort ausgesät haben.

Vögel im Garten füttern: Hafer, Weizen, Roggen, Gerste im Beet

Ich habe in meinem Garten etliche Horste von Hafer, Weizen, Roggen und Gerste gefunden. Manchmal habe ich sie sogar stehen gelassen, weil sie im Beet durchaus eine gute Figur machen. Meistens aber stören sie doch die Harmonie im Beet, weil sie ziemlich in die Höhe schießen und sich nicht an unsere sorgfältig geplante Höhenabstimmung in den Rabatten halten. Und ich staune, wo überall Sonnenblumen hoch hinaus wachsen.

Manchmal passt ihr Standort, manchmal aber auch sind sie viel zu mächtig für ihre kleinen Nachbarn. Entdecken wir die wilden Sonnenblumen frühzeitig, lohnt es sich, sie umzupflanzen. Wenn sie aber schon Blütenknospen ansetzen, wird das sehr riskant.

Vogelfütterung im Garten: Ambrosia kann Heuschnupfen auslösen

Während unsere Getreidesorten und Sonnenblumen „harmlos“ sind für unseren Garten, gilt das für andere Sämereien nicht. Vor einigen Jahren hatte ich im Frühling plötzlich jede Menge mir damals unbekannter Jungpflanzen in den Beeten rund um den Futterplatz. Ich habe sie etwas größer werden lassen, um herauszufinden, um welches Gewächs es sich handelt: Es war Ambrosia, auch beifußblättriges Traubenkraut genannt. Ich habe dann die Ambrosia sofort entfernt. Die Pflanze ist stark Allergien auslösend – für mich als vom Heuschnupfen geplagter keine Option.

Die Pollen der Ambrosia-Pflanze können schon in kleinsten Mengen heftige Reaktionen auslösen. 

„Problemkräuter“ im Vogelfutter: Ambrosia, echte Hirse und Rispenhirse

Man darf Ambrosia auf keinen Fall zur Blüte und schon gar nicht zur Samenreife gelangen lassen. Schon winzige Mengen des Blütenpollens lösen teils schwere Allergien aus bis hin zu Asthmaanfällen. Amborisa breitet sich in Deutschland immer weiter aus und wird zur Plage.

Und der Samen, von denen eine Pflanze mehrere Zehntausend produziert, kann Jahrzehnte im Boden überdauern, um dann urplötzlich, wenn die Bedingungen günstig sind, zu keimen. Ich achte seitdem darauf, dass das Vogelfutter den Vermerk „frei von Ambrosiasamen“ trägt.

Ein anderes Problemkraut im Vogelfutter ist die echte Hirse oder auch Rispenhirse. Ihre kleinen Samenkörner werden von Vögeln und auch vom Wind im Garten verteilt. Sie keimen sehr gut und wachsen rasch heran. Dabei überragen sie schnell die meisten anderen Pflanzen in unseren Beeten und verdrängen sie allmählich. Lässt man sie zur Samenreife kommen, hat man schnell einen wahren Hirse-Urwald im Garten.

Aussaat für Hornveilchen, Bartnelken & Co

Es wird höchste Zeit, noch Zweijährige auszusäen. Das sind Pflanzen, die im ersten Jahr nur eine Blattrosette bilden und im zweiten Jahr dann den vollen Blütenflor entwickeln. Dazu gehören unter anderen Stiefmütterchen und Hornveilchen, Bartnelken, Stockrosen, Fingerhut, Vergissmeinnicht, Goldlack, Nelken, Akelei, Bellis, Marienglockenblumen, Nachtkerzen, Königskerzen und Islandmohn. Am besten werden die Zweijährigen dort ausgesät, wo sie im nächsten Jahr blühen sollen. Eine Vorsaat im Kasten ist aber auch möglich.

Auch wenn Hirsekörner ein uraltes Lebensmittel und sehr nährstoffreich sind, so ist doch diese Pflanze eine wahre Plage im Garten. Ich habe mehrere Jahre gebraucht, um mein Grün wieder einigermaßen hirsefrei zu bekommen. Aber in jedem Sommer muss ich erneut aufpassen, ob nicht doch wieder aus dem Vogelfutter neue Hirse heranwächst, die dann sofort entfernt werden muss.

Wer knabbert an meinen Pflanzen? Rehe kommen nachts in den Garten und haben eine besondere Vorliebe. Gartenexperte Klaus Fischer verrät, was zu tun ist. - *24garten.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Klaus Fischer

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