Erste Bilanz: Es gibt noch viel zu tun an Schulen

Der schwere Start nach den Ferien: So lief der Distanzunterricht an den Grundschulen am Tag 1

Lasse aus der 4a holt sich in der Georg-Grundschule seine Aufgaben ab.  
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Lasse aus der 4a holt sich in der Georg-Grundschule seine Aufgaben ab.  

An vielen Soester Schulen war es ein Start mit Hindernissen nach dem Ende der Weihnachtsferien in den politisch verordneten Distanzunterricht. Vor allem die Technik machte Probleme. Auch an den Grundchulen.

Soest – Die Aufgabe, alle Schulen im Land mit einer ausreichenden digitalen Infrastruktur auszustatten, ist schon gewaltig genug – die Folgen der Coronapandemie macht sie noch viel drängender: Wenn Distanzunterricht landesweit angeordnet wird und der Kontakt zwischen Schule und Schülern nur noch übers Internet geht, werden die Schwächen von mangelnder technischer Ausstattung, ungenügenden gesetzlichen Vorgaben und fehlenden pädagogischen Konzepten besonders deutlich sichtbar. Unter anderem an den Grundschulen.

„Im Mittelpunkt allen Handelns müssen die Schüler stehen“, versichert nicht nur Thomas Nübel, im Soester Rathaus federführend zuständig für die Schulen in der Stadt. „Wir dürfen auf keinen Fall den Kontakt zu den Schülern verlieren“, mahnen auch unisono die Soester Schulleiter. Das gilt, vielleicht sogar in besonderem Maße, für die jüngsten Schüler in den Klassen 1 bis 6.

Ein Blick in die Wirklichkeit des ersten Schultages nach dem Ende der Weihnachtsferien zeigt aber, dass Anspruch und Realität gerade an den Grundschulen ein gehöriges Stück voneinander entfernt sein können.

So erklärt Andreas Dittmann, Leiter der Georg-Grundschule, in einer Elterninformation die ganz praktischen Grenzen dessen, was die Politik „Distanzunterricht“ nennt. Wer meint, dass dabei im Gegensatz zum „Präsenzunterricht“, zu dem sich Schüler und Lehrer gemeinsam in der Schule treffen, lediglich die Entfernung zwischen den Beteiligten deutlich größer ist, der irrt offensichtlich.

Tatsächlich nämlich sehen sich Schüler und Lehrer allenfalls hin und wieder per Videoschalte, in der übrigen Zeit arbeiten die Kinder zu Hause Aufgaben ab, die ihnen jeweils montags schriftlich in Umschlägen zugehen, die sie aus der „Klassenkiste“ in der Schule abholen. Videokonferenzen im Klassenverbund oder zumindest mit mehreren Schülern werden zwar angestrebt – eine zunächst anderslautende Info an die Eltern der Georg-Grundschüler wurde später zurück gezogen - ob sie aber auch durchgeführt werden können, hängt von den technischen Möglichkeiten ab.

Und da haperte es am Montag noch gewaltig, weil die dabei genutzten Server immer wieder wegen Überlastung zusammenbrachen. „In Hochzeiten halten sie den Belastungen gelegentlich nicht stand“, heißt es in der Info an die Elten der Georg-Grundschüler ziemlich diplomatisch.

Zudem gibt es, erklärt Dittmann, rechtliche Probleme mit Schulbuchverlagen, die bislang keine Zustimmung dazu gegeben hätten, Inhalte aus Büchern einzuscannen und in Netzwerken hochzuladen.

Und die Kinder, die trotz aller Appelle doch für eine Notbetreuung in der Schule angemeldet werden? Für sie wird es während der Stunden, die sie in der Schule verbringen, gar keinen Unterricht geben. Dazu fehlt es an qualifizierten Lehrkräften. Sie können aber in dieser Zeit ihre Hausaufgaben erledigen. Allerdings: „Onlineformate werden die Betreuungskräfte in der Schule nicht verlässlich einrichten können“, erfahren die Eltern der Georg-Grundschüler.

Volker Wilmes, Leiter der Petri-Grundschule und Sprecher seiner Kollegen bei den anderen Grundschulen im Stadtgebiet, macht keinen Hehl daraus, dass die Beschulung der Kinder zu Hause trotz aller in den vergangenen Monaten bereits gesammelten Erfahrungen kein Ersatz für den Unterricht in der Schule im Klassenverband sein kann. „Wir müssen jetzt einfach versuchen, diese Situation so gut wie irgend möglich zu meistern“, appelliert er an alle Beteiligten – und hofft darauf, dass die Serverkapazitäten möglichst zügig ausreichend sein werden, um regelmäßige Videoschalten zwischen Lehrern und Kindern zu ermöglichen.

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