Coronavirus

Viele Kurse liegen bei Volkshochschulen auf Eis: Entspannung unter freiem Himmel

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Auch eine Möglichkeit: Entspannungsangebote an der frischen Luft.

Soest/Werl – Die Volkshochschulen sollen von den Corona-Lockerungen profitieren. Seit Anfang des Monats dürfen die Weiterbildner wieder durchstarten. Doch der Marsch zurück in den Alltag ist mühsam, und das Kursprogramm unterscheidet sich meilenweit von dem vor Ausbruch der Pandemie.

Zufall? Samstag rollte wieder der Ball in den Bundesliga-Stadien, wenngleich vor null Zuschauern. Passend dazu hat die Soester Volkshochschule diese Woche das „achte Fußball-Weltwunder“ präsentiert, ein Portrait über den einstigen Bayern-Bomber Gerd Müller, der den Aufstieg vom Provinzkicker zum Weltstar schaffte und später – wie es in dem Film heißt – „alkoholsüchtig in der Gosse landete“. 

Der von der Soester VHS gezeigte Plausch mit Müller ist so eine Art Pausenfüller. Weil die üblichen Sprach-, Hobby- und Weiterbildungskurse nur „auf niedrigem Niveau“ laufen, wie es Rathaus-Sprecher Thorsten Bottin beschreibt, hat die Volkshochschule ein paar Videos und Livestreams zusammengestellt, um ihre Kunden bei der Stange zu halten. Neben Gerd Müller tauchen hier Vorträge und Gespräche etwa über die zerstörte Demokratie in Brasilien, über die „Ibiza-Affäre“ in Österreich oder auch über Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf: „Der Corona-Kanzler?“ 

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Die Schwierigkeiten, das Graubrot aus Vor-Corona-Zeiten wieder aufzutischen, resultieren aus den strengen Auflagen, denen auch die Weiterbildner unterworfen sind. Der Werler VHS-Chef Marco Schlicht rechnet vor: Selbst der größte Vortragsraum in seiner Werler VHS hat mal gerade Platz für 60 Leute, aber auch nur, wenn Stühle dicht bei dicht gerückt werden. Erfüllt Schlicht die Corona-Auflagen – anderthalb Meter Abstand und mindestens fünf Quadratmeter für jeden Besucher – passen in den großen Vortragssaal nur noch neun Zuhörer plus ein Redner. 

Bis heute konnte noch kein einziger Präsenzkursus seine Arbeit wieder aufnehmen. Am kommenden Montag will sich die Verbund-VHS Werl, Wickede, Ense mit den Verantwortlichen im Werler Rathaus zusammensetzen, um Lösungen zu finden. Was nicht einfach werden dürfte: Selbst wenn man die Teilnehmerzahl in den Kursen halbieren oder gar dritteln würde, stellen sich automatisch Fragen nach zusätzlichen Räumen, Terminen und Dozenten. Und nach dem Geld, wer für den zusätzlichen Aufwand bezahlen soll. 

Coronavirus im Kreis Soest: Mal eine Sommerakademie?

Kai Strumann ist Abteilungsleiter für Bildung im Werler Rathaus und wird sich Montag an der Lösungssuche beteiligen. Man habe sich schon „verschiedene Szenarien“ überlegt. Einfach sei das schon deshalb nicht, weil nahezu im Tagestakt „immer neue Schutzverordnungen“ auf die Kommunen zukommen. Da das Semesterende am 26. Juni gleichsam in Sichtweite liegt, sei schon jetzt klar: Das komplette Angebot wie vor dem Lockdown Mitte März werde es kaum noch geben können. 

Strumann und die VHS-Verantwortlichen wollen die Gelegenheit auch nutzen, um schon mal einen Ausblick auf die Herbstsaison zu werfen. Trost in Werl: zumindest die Integrationskurse laufen wieder. Wer also hier dringend auf Zertifikate angewiesen ist, um schulisch oder beruflich vorankommen zu müssen, für den tun sich gerade keine Hürden auf. 

Kurse in Deutsch, Spanisch, Englisch, Niederländisch und Russisch sind bei der Volkshochschule in Soest wieder an den Start gegangen, berichtet Bottin. In der VHS-Filiale am Osthofenfriedhof. Schwieriger wird die Rückkehr in die Schulgebäude. Die sind wegen der verschärften Hygiene-Auflagen für Volkshochschul-Kurse noch tabu. 

In Soest versucht man derweil, aus der Not eine Tugend zu machen. Neue Angebote zum Teil unter freiem Himmel sind ins Programm genommen worden: etwa Entspannungs-Angebote an der frischen Luft im Bergenthalpark. Vorbereitet wird auch eine Sommerakademie in den Ferien. Dieses Jahr ist schließlich vieles anders. So könnte diesmal just in den sechs Wochen gelernt werden, die sonst eher zum Abschalten und Verreisen bestimmt waren.

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