Umfrage in 50 Kitas mit alarmierenden Antworten

Brandbrief aus Soest für Minister Stamp: „Wir brauchen klare Regeln in den Kitas!“

 Eike Ströbel, Diana Junker Thiemann und Charlotte Bierkamp haben einen Brandbrief nach Düsseldorf geschickt.
+
Da war die Welt noch deutlich mehr in Ordnung, inzwischen sieht das aber ganz anders aus. Und deshalb haben Eike Ströbel, Diana Junker -Thiemann und Charlotte Bierkamp (von links) jetzt einen Brandbrief nach Düsseldorf geschickt.

Es brennt in den heimischen Kitas, nicht in allen, aber in vielen – und deshalb haben drei Fachberaterinnen des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg jetzt einen Brandbrief an den NRW-Familienminister geschickt in der Absicht, ihm ein wenig Feuer unter dem Allerwertesten zu machen – sie nennen das „Wachrütteln“.

Kreis Soest – Diana Junker-Thiemann, Charlotte Bierkamp und Eike Ströbel sind das Trio, das in den insgesamt rund 50 Kitas des Kirchenkreises erste Erfahrungen mit den seit einer Woche geltenden Lockdown-Regelungen für die Kindergärten im Land abgefragt hat. Das Ergebnis ist dermaßen alarmierend, das in dem Schreiben an Dr. Joachim Stamp dringende Nachbesserungen gefordert werden.

Kern der Kritik ist die fehlende Eindeutigkeit bei der Frage, welche Kinder weiterhin in den Kitas betreut werden müssen und welche nicht. Weil die Politik lediglich an Eltern appelliere, ihre Kinder zu Hause zu betreuen, das aber nicht verbindlich vorschreibe, seien viele Einrichtungen weiterhin damit konfrontiert, dass oft weit mehr als die Hälfte der Kinder in den Kitas betreut werden müssten, oft auch ohne vorherige Anmeldung.

Das löst bei vielen Mitarbeiterinnen offenbar große Angst aus. „Die Ansteckungsgefahr durch Kinder wird vom Ministerium heruntergespielt“, heißt es in dem Brandbrief. So würden Kinder nicht auf eine Ansteckung getestet – und wenn doch, wie im Fall einer Kita in Kamen, mit einem erschreckenden Ergebnis. Dort verstarb eine 44-jährige Erzieherin, nachdem sie an Covid 19 erkrankt war. Anschließende Tests zeigten neun infizierte Mitarbeiterinnen und 32 (von 64) infizierte Kinder.

Wie gefährlich der Arbeitsalltag für alle Beteiligten in den Kitas derzeit sei, verdeutlichen auch andere in dem Schreiben erwähnte Kritikpunkte: eine Maskenpflicht für kleine Kinder gibt es nicht und ist auch nicht durchführbar, aus Gründen des Infektionsschutzes eigentlich gebotene Abstände sind nicht einzuhalten. Und: Es gibt keine Freistellung von Mitarbeiterinnen aus Risikogruppen.

Völlig unberücksichtigt bei allen personellen Planungen sei bislang auch die Tatsache, dass natürlich auch Erzieherinnen zusätzliche Betreuungstage für eigene Kinder in Anspruch nehmen könnten. Sie fehlen dann an ihrem Arbeitsplatz.

Bei allem Verständnis für die Nöte vieler Eltern, komme es immer wieder, so heißt es außerdem, zu heftigen Diskussionen mit Vätern und Müttern, einschließlich Beschimpfungen und Beleidigungen. „Viele Leitungen fühlen sich als Prellbock der Eltern überfordert“, beschreiben das die Autorinnen des Schreibens.

Die Forderung deshalb an die Politik: Klare und eindeutige Regeln für alle Eltern! Und das sehr schnell!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare