Neonblaue Strahlkraft am Soester Bahnhof

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Der Pilgerstab am Bahnhof ist eingeweiht.

Soest - Das Lichtkunstprojekt "Ein Pilgerstab für Soest" ist endlich umgesetzt - und nicht zu übersehen.

Fast genau 2000 Kilometer Fußweg liegen zwischen Soest und Santiago de Compostela. Circa 80 Tage müsste man sich dafür Zeit nehmen, also knapp drei Monate. Das mutet geradezu als Spaziergang an gegen den mehrjährigen Gewaltmarsch durch die Instanzen, den der Verein „Wall im Licht“ und das Kölner Künstlerduo Ursula Molitor und Vladmir Kuzmin zurücklegen mussten, um das Ziel zu erreichen, an dem sie nun ankamen: Die Einweihung des Lichtkunstobjekts „Ein Pilgerstab für Soest“, dem zweiten nach Richard Cox’ „Lichtbogen“ in der Gräfte beim Freiligrathwall. 

2011 war der Verein vor dem Kulturausschuss mit dem Vorhaben gescheitert, das Kunstwerk am Jakobitor aufzustellen – also am Pilgrimhaus, das seinen Namen aus den im Mittelalter dort übernachtenden Pilgern ableitet. Letztlich wurde der Bahnhof als Ort ins Spiel gebracht. 

Immerhin: Durch die rund um die Uhr anwesenden Taxifahrer sowie die anwesende Bahnhofs-Security ist das Objekt, das ohnehin vom Material her ausgesprochen Vandalismus-resistent ist, die meiste Zeit unter Beobachtung. Dort leuchtet der Stab seit Mittwochabend, 19 Uhr – ergänzt um einen großen Stahlrahmen. 

Der stellt abstrahiert das Brüdertor dar, als Einstieg in die Fußgängerzone, „und wenn jetzt täglich 15000 Menschen durch den Bahnhof gehen, hat diese Konstruktion dort eine noch viel größere Strahlkraft und Wirkung“, war sich Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer sicher, bevor ihm Carl-Jürgen Schroth, Vorsitzender von „Wall im Licht“, die Schenkungsurkunde überreichte, „auf säurefreiem Büttenpapier, damit es im Stadtarchiv auch ein paar Jahrhunderte überdauert“, so Schroth. 

Damit sich niemand beim Anblick dessen, was zunächst aussieht wie eine große blaue Neonröhre, wundern muss, prangt auf einer Stele eine kleine Infotafel, die über die Symbolik aufklärt. Noch tiefer ins Detail ging Stadtarchivar Dr. Norbert Wex. 

Er beleuchtete die viel höhere Bedeutung der Religiosität und des Pilgerns im Mittelalter sowie die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, die Pilgern seitens der Bevölkerung zuteil wurde: „Fremde waren damals keine Außenseiter.“ Das Mitleid und Erbarmen für jene, die auf der entbehrungsreichen Reise ihr Seelenheil zu retten suchten, bräuchten heute jedoch andere. 

Und am Bahnhof, so Ursula Molitor, würden heute natürlich keine Pilger vom Stab empfangen, sondern eher Pendler. Auch die beiden Künstler schienen erleichtert, dass die Hürde endlich genommen war, und dankten den Sponsoren und der Landesregierung als Hauptfinancier, vor allem aber Schroth für seine Beharrlichkeit, der das späte Gelingen des Projekts letztlich zu verdanken sei. 

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