Staatsanwaltschaft Bielefeld

Verdacht auf Betrug: Ermittler durchsuchen Soester Arztpraxis

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Fahnder der Staatsanwaltschaft Bielefeld haben Wohnungen Arztpraxen in Soest durchsucht.

Soest - Die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität ermittelt gegen eine Soester Arztpraxis. Die verantwortlichen beiden Ärzte dort sollen über Jahre Abrechnungsbetrug in großem Stil begangen haben. Bei einer Durchsuchung der Praxisräume in Soest, Hamm und drei weiteren Orten sowie zweier Privatwohnungen ist jede Menge Aktenmaterial beschlagnahmt worden.

Vergangene Woche Mittwoch waren die Fahnder aus Bielefeld zeitgleich in die Praxen und Wohnungen gekommen, nachdem sie bereits vor Wochen von dem Verdacht erfahren hatten. 

Zunächst war die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft in Arnsberg mit der Sache betraut worden, sie gab ab an die Generalstaatsanwaltschaft in Hamm, die reichte die Akte weiter nach Bielefeld. Dort hat sich die Schwerpunktabteilung zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität auf Delikte spezialisiert, bei denen die öffentlichen Kassen und somit der Allgemeinheit beträchtlicher Schaden zugefügt wird.

„Das hängt mit dem großen Umfang zusammen“, sagt Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann. „Wir gehen nicht von geringen Beträgen aus.“ Vielmehr sollen über fünf Jahre von 2011 bis 2015 der Kassenärztlichen Vereinigung Abrechnungen unter falschem Namen vorgelegt worden sein.

Zur Erläuterung: Ärzte dürfen nur ein bestimmtes Regelleistungs-Volumen bei den Kassen abrechnen. Fallen zu viele Leistungen und Honorare an, werden die gekappt. Um das zu umgehen, sollen die beiden Mediziner die Leistungen auf die Abrechnungen der bei ihnen angestellten Ärzte gesetzt und verteilt haben. Pollmann: „Diese Mitarbeiter haben womöglich gar nichts davon gewusst.“

Es werde Monate dauern, nun all die Belege auszuwerten, sagt der Oberstaatsanwalt. Erst dann lasse sich über genaue Summen reden, die da womöglich zu Unrecht und ausschließlich zur Gewinnoptimierung geflossen seien. Bislang seien die beiden Ärzte auch noch nicht vernommen worden. Ob sie selber Angaben machen oder sich von ihren Anwälten vertreten lassen, wisse die Staatsanwaltschaft nicht.

„Ich sehe das ganz gelassen“, entgegnete einer der beiden Soester Mediziner am Mittwoch auf Anzeiger-Anfrage. Er wolle in Ruhe abwarten, was aus den Vorwürfen werde. Zur Sache selber will er in der Öffentlichkeit keine Angaben machen: „In ein schwebendes Verfahren greife ich nicht ein.“

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