Häusliche Gewalt

Vater schlägt und würgt in Soest seine Tochter - Gericht stellt Verfahren ein

Häusliche Gewalt
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Häusliche Gewalt (Symbolbild)

Ein Soester Vater hat seine Tochter geschlagen, gewürgt und mehrfach vor einen Türrahmen geschlagen. Dennoch blieb dem Gericht jetzt nichts anders übrig, als das Verfahren einzustellen.

Soest - Ganz so dramatisch wie in der Anklage geschildert sei das ja alles gar nicht gewesen. Das behauptete der Soester vor Gericht, der Mitte Dezember seine Tochter gewürgt, geschlagen und ihren Kopf mehrfach vor einen Türrahmen geschlagen haben soll. 

In Wirklichkeit habe es nur eine Ohrfeige gesetzt, und dann noch einenSchlag aufs Gesäß. Doch war es aus Sicht der Tochter zumindest noch vor einem halben Jahr schlimm genug, um die Polizei zu rufen, weshalb die Sache nun vors Amtsgericht ging. Was denn der Auslöser gewesen sei, wollte der Richter vom Vater wissen. „Auslöser war die Pubertät“, gab der wie aus der Pistole geschossen zurück, „sie wurde immer aufmüpfiger.“

Tochter will Schaden begrenzen

 Ob er denn Schläge für ein adäquates Erziehungsmittel halte, fragte der Richter. „Nein, man sollte sie eigentlich vermeiden“, antwortete der Vater. Der Richter wiederum hielt ihm entgegen: „Eigentlich? Vermeiden? Man sollte grundsätzlich nicht schlagen.“ „Es ist viel Zeit vergangen, es hat sich alles geklärt“, bemühte sich die Tochter nun um familiäre Schadensbegrenzung. Weshalb sie jetzt überhaupt noch in einem Strafprozess aussagen sollte, wollte ihr nicht recht einleuchten, obwohl sie damals selber einen Strafantrag stellte. 

„Den können Sie aber auch zurücknehmen“, so der Richter. „Echt? Ja, dann das.“ Sie machte zudem von ihrem Recht Gebrauch, als Angehörige die Aussage zu verweigern. Besteht das besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung noch, wenn das vermeintliche Opfer keinen Wert auf die Ahnung mehr hat? 

Staatsanwältin hat "Zahnschmerzen"

Der Staatsanwältin zufolge definitiv nicht, obwohl sie dabei Zahnschmerzen hatte: „Ich finde es absolut nicht in Ordnung, was da gelaufen ist.  So behandelt man seine Tochter nicht. “ Auch dem Richter blieb keine andere Lösung, als das Verfahren einzustellen, „juristisch korrekt, doch aus menschlicher Sicht kein zufriedenstellendes und zweifelhaftes Ergebnis“, räumte er ein. Der Angeklagte zeigte sich reuig: „Die Scham bleibt zurück, aber die habe ich wohl auch verdient.

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