Aus Abfall werden Design-Objekte

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Marke Eigenbau: In der Soester "Drehscheibe" dreht sich alles ums Selbermachen. Die Devise lautet: "Aus Alt mach neu". Alina, Sullyvan, Hannah, Hailey und Leandro sind stolz auf ihre Eigenkreationen. 

Soest -  Wer zum Jugendtreff-„Drehscheibe“ an der Brüder-Walburger-Wallstraße kommt, der sieht es sofort: Dort ist Selbermachen angesagt, und zwar aus ausrangierten Materialien, die zu schade sind, um auf der Müllkippe zu landen. 

Das ist die umweltfreundliche Variante des Trends, schöne und nützliche Dinge mit eigener Hand zu gestalten.

„Alles, was eigentlich weggeworfen werden soll, hat seinen Wert“, sagt Leiterin Sandra Richter. Was das heißt, ist beim Blick in die Räume auf Anhieb zu erkennen: Der Papierrollenhalter in der Küche besteht aus Langspielplatten. Die Musik auf dem analogen Tonträger mag aus der Mode gekommen sein, trotzdem sind die schwarzen Scheiben noch bestens zu gebrauchen. Ein Autoreifen, dessen Profil wohl nicht mehr passte, dient als Sitzfläche für einen stylischen Hocker mit Beinen aus Rohren – ein Unikat, das es nirgendwo zu kaufen gibt. 

Selbst der Rahmen fürs Hundebett besteht aus Euro-Paletten, ein vielseitig einsetzbarer Klassiker für den Bau ausgefallener Möbel. Sandra Richters Labrador fühlt sich auf seinem Ruhelager ausgesprochen wohl. Sie lebe das Upcycling, erklärt sie. Frei übersetzt bedeutet der Begriff soviel wie: Aus Alt mach Neu! Und das wird in der „Drehscheibe“ anschaulich praktiziert, wie jetzt wieder beim Ferienprogramm mit zehn Kindern, die mit ihrer Aktion in dieser Woche demonstrierten, was sich mit vermeintlichem Abfall alles anfangen lässt.

 In wenigen Tagen entstanden lauter handgefertigte Lieblingsstücke im individuellen Design, die zuhause im eigenen Zimmer einen Platz finden sollen: wie ein schickes, schlankes und aufs Wesentliche reduzierte Regal mit mehreren Fächern sowie eine hölzerne Kommode mit Schubladen sowie bunten Knöpfen als besonderen Blickfang. Für den heimischen Garten sind das Gestell für eine Hängematte sowie ein Hochbeet gedacht. 

Kinder wissen: „Wir kriegen das hin“

 Wer stundenlang gesägt, geschraubt, gebohrt und gemalt hat, der werde das fertige Teil auch schätzen, so die Erfahrung von Sandra Richter und Kollegin Gaby Frese-Schmidt. Sie wissen: „Die Kinder können mehr, als man ihnen zutraut.“ In der Werkstatt der „Drehscheibe“ erweisen sie sich als Allround-Talente. Was sie schufen, ist keine Massenware, die zuhauf in den Möbelhäusern steht. 

Bevor sie an die Arbeit gingen, hatten sie sich bereits Gedanken darüber gemacht, was sie bauen möchten. Sie skizzierten ihre Ideen, die Bauzeichnung vermittelte eine erste Vorstellung davon, was sich jeder Einzelne vorgenommen hatte. „Do it yourself“, hieß es auch beim Mittagessen: Pizza, Sandwich, Hot Dog kamen aus eigener Herstellung und schmeckten einfach klasse.

 Sandra Richter sieht das Programm auch als Ausgleich in der virtuellen Welt. Statt vor dem Computer oder dem Fernseher zu hocken und sich berieseln zu lassen, greifen die Kinder zu Stichsäge, Akkuschrauber und Pinsel, und sie zeigen: „Wir kriegen das hin.“ Ein wichtiger Effekt des Werkelns und Bastelns: Die motorischen Fähigkeiten und das Geschick werden trainiert. Gleichzeitig setzen die Selbermacher ein Zeichen für den sorgsamen Umgang mit Rohstoffen. 

Sie geben verborgenen Schätzen neues Leben, fühlen das Holz und riechen die Farbe. Tischlerin Nicole Rubock gab ihnen manchen Tipp mit auf den Weg. 

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