Normaler Infostand?

Umstrittene Kampagne verteilt Koran in der Soester Altstadt

In der Innenstadt werden immer wieder Korane verteilt – mit der Aufforderung: „Lies!“
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In der Innenstadt werden immer wieder Korane verteilt – mit der Aufforderung: „Lies!“

Soest - Obwohl sie bereits mehrfach zu Gast in Soest waren, dürften die Besucher, die jetzt in der Brüderstraße versuchten, mit Passanten ins Gespräch zu kommen, von der Schönheit der Soester Altstadt bislang wenig mitbekommen haben: Sie wollten werben, für ihren Glauben und das Buch, das dessen Grundlage ist – den Koran.

„Lies!“ war der wohl wahlweise als Befehl oder Wunsch zu verstehende Schriftzug, der den eigentlichen Grund für den Auftritt am kleinen Stand in der Fußgängerzone deutlich machte. Wie bereits mehrfach zuvor – und wie auch in vielen anderen deutschen Innenstädten – ging es den Initiatoren der durchaus nicht unumstrittenen Kampagne darum, den Koran zu verteilen.

Für die Stadt, so erklärte Sprecher Thorsten Bottin auf Anfrage, ein ganz normaler Infostand, vergleichbar mit denen von anderen Gruppen, für die sie eine Sondernutzungsgenehmigung erteilt habe. 

Die dabei zu beachtenden Auflagen sind überschaubar: Solange keine aktive Mitgliederwerbung betrieben oder etwas verkauft wird und solange keine größere Versammlung an dem Stand stattfindet, gibt es keine Probleme. Und natürlich muss auch die Gebühr in Höhe von 35 Euro pro Tag bezahlt werden.

Durchaus Bauchschmerzen haben Behörden dagegen andernorts, wenn es um solche Genehmigungen für die „Lies!“-Kampagne geht. So wurden die Stände in Hamburg jetzt mit der Begründung verboten, dass die Initiatoren eine Nähe zur salafistischen und dschihadistischen Szene hätten.

Im Düsseldorfer Landtag will die FDP-Fraktion im kommenden Monat ebenfalls einen Verbotsantrag einbringen. Die Liberalen fordern dabei eine Prüfung der Frage, ob „Lies!“ für ausländische terroristische Vereinigungen werbe oder sie anderweitig unterstütze. Derzeit aber gibt es für die Stadt keinen Grund, den Aufbau des Infostandes der Kampagne in der Innenstadt zu verbieten.

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