„Ich möchte die Kollegen warnen“

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Taxifahrerin Bettina Blöck hat vom Überfall in der Nacht auf Sonntag eine Schnittwunde am Unterarm erlitten. Die Frau verdeckt diese Erinnerung mit ihrem Pullover-Ärmel.

Soest - Bettina Blöck lässt sich nichts gefallen. „Niemand macht mir mein Leben kaputt“, sagt die Taxifahrerin, die am Wochenende überfallen wurde und Schnittwunden erlitten hat. Sie sei einfach wütend, schildert sie.

Und sicher sitzt der Schrecken tief, doch Dienstag will die 54-Jährige wieder fahren – und dann auch wie gewohnt die Nachtschichten übernehmen. Es ist ihr wichtig, zu berichten, was ihr passiert ist: „Ich möchte meine Kollegen unbedingt warnen.“ 

Die Lippetalerin erinnerte im Gespräch mit dem Anzeiger an einen Vorfall im Dezember, der nach ähnlichem Muster abgelaufen sei: Auch damals sei nachts ein dunkelhäutiger junger Mann in ein Taxi gestiegen, habe dem Chauffeur als Ziel zunächst die Niederbergheimer Straße genannt, sich dann aber bis zum Wendehammer im Müllingser Weg bringen lassen, um dort ein Messer zu ziehen und die Einnahmen zu fordern. 

Genau diese Route sollte nun auch Bettina Blöck nehmen, als ein Fremder sie Sonntagfrüh gegen 2.50 Uhr bat, ihn mitzunehmen und dann auf dem Sitz genau hinter ihr Platz nahm. Sie habe gleich ein ungutes Gefühl gehabt, erläutert die 54-Jährige. Um den Gast im Blick zu behalten, habe sie ihn resolut aufgefordert, nach rechts zu rücken. Der Mann habe vorgegeben, kein Wort zu verstehen. 

Sie habe versucht, auf Englisch mit ihm zu sprechen, doch die einzige Antwort sei gewesen: „I can’t understand“. Die Tour führte von der Puppenstraße ins südliche Stadtgebiet, der Kunde habe aber mehrfach eine andere Endstation gewünscht. Sie habe schließlich im Bereich der Rüthener Straße gehalten, und der Fahrgast habe den Wagen verlassen. Weil sie glaubte, er wolle nun bezahlen, habe sie ihre Geldtasche zur Hand genommen, so Bettina Blöck. Doch nun habe der Mann die Tür aufgerissen, um nach ihrem Portemonnaie zu greifen. 

Sie habe die Börse dann reflexartig auf die Beifahrerseite geworfen. Um an das Portemonnaie zu kommen, habe sich der Mann über sie ins Innere gebeugt. Sie sei dann mit dem Fuß von der Bremse gerutscht, das Auto sei ein Stück gerollt und an einer Mauer gelandet: Der Mann habe in dem Moment auf ihr gelegen, habe sich dann aufgerappelt und schließlich die Mappe mit Bargeld und persönlichen Papieren geschnappt. Bettina Blöck ärgert sich: „Ich habe gehupt, geschrien und gelärmt, aber kein Anwohner hat reagiert. Niemand hat die Rollläden hochgezogen, um zu sehen, was los ist.“ 

Dankbar ist sie ihrer Chefin von „Silkes Taxi“ und dem Koordinator des Unternehmens, Günther Fröhlich. „Sie haben sich umgehend um mich gekümmert.“ Auch die Polizisten, die innerhalb weniger Minuten eintrafen, seien nett und hilfsbereit gewesen. Zahlreiche Kollegen hätten sich gemeldet und sich besorgt erkundigt, wie es ihr gehe, erzählt Bettina Blöck. 

Das Messer sei am Tatort gefunden worden. Um Spuren zu sichern, habe sie zudem ihre Kleidung abgeben müssen, erläutert sie. Die Lippetalerin fährt schon seit vielen Jahren Taxi. „Und ich hatte noch nie Angst“, betont sie. Nun werde sie sich ihre Fahrgäste jedoch noch genauer ansehen.

Verband will Videoüberwachung

Um die Sicherheit der Taxifahrer deutlich zu erhöhen, sei eine Videoüberwachung dringend erforderlich, betont Friedhelm Herwig als Geschäftsführer im Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Dortmund. „Es ist Zeit für einen neuen Vorstoß“, meint er. 

Denn: Taxifahrer werden, wie er unterstreicht, sehr oft Opfer von Gewalttaten. Bisher sperre sich der Datenschutz gegen technische Ausstattungen, die permanent Aufnahmen aus dem Wageninneren liefern und speichern. Sie wollen eine Aufzeichnung der Bildersequenzen nur in einer Notfallsituation zulassen: Der Fahrer müsste, wenn er sich in Gefahr befindet, einen Knopf drücken. 

Diese Lösung geht dem Verband nicht weit genug. Wenn über Mitschnitte auf Bahnhöfen und Flughäfen diskutiert werde, dann müsse auch über Schutz-Kameras in Taxen nachgedacht werden, macht der Geschäftsführer deutlich. In Bremen gebe es ein solches praktikables System.

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