Versuchter Totschlag

Messerstecherei am Aldegrever-Gymnasium: Prozess gegen Soester Schüler beginnt

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Polizeibeamte trafen bereits wenige Minuten nach dem Angriff  am Aldegrever-Gymnasium ein und riegelten den Tatort ab.

Soest - Freitag, 17. Februar 2017, kurz nach 9.15 Uhr: Es ist eine ganz normale erste große Pause am Aldegrever-Gymnasium, auch der Streit zweier Schüler vor dem Kiosk in der Pausenhalle scheint zunächst nicht dramatisch – bis er eskaliert. Aus Geschrei wird ein Gerangel, dann fließt Blut und einer der beiden wird lebensgefährlich verletzt. Vor dem Arnsberger Landgericht wird dieser Angriff jetzt  juristisch aufgearbeitet.

Was geschah genau an diesem Morgen? Und wie ist die Schuld des Tatverdächtigen zu bewerten, der sich vor dem Landgericht wegen versuchten Totschlags verantworten muss? Diese und viele andere Fragen wird die 6. Große Strafkammer hinter verschlossenen Türen klären: Das Verfahren wird wegen des Alters des angeklagten jungen Soesters hinter verschlossenen Türen geführt. 

Weil es ungewöhnlich lange dauerte, bis ein Gutachten zur psychischen Verfassung des Angeklagten vorgelegt wurde, kann das Verfahren erst jetzt beginnen. 

Mitschüler retten ein Leben 

Ein Rückblick: Weil es stark regnet, dürfen die Schüler die Pause im überdachten Bereich vor dem Schulkiosk verbringen. Plötzlich wird es dort laut. Ein 16-Jähriger und ein ein Jahr älterer Mitschüler, beide Klassenkameraden in der 10 und sogar miteinander befreundet, streiten miteinander – es soll um ein Mädchen gehen. Schnell wird es handgreiflich, beide schlagen aufeinander ein. Dann bricht der 17-Jährige plötzlich zusammen, aus einer Wunde im Brustbereich spritzt Blut

Geschockte Mitschüler reagieren blitzschnell, als sie ein Messer in der Hand des 16-Jährigen sehen: Sie gehen dazwischen und entreißen ihm die Waffe, andere kümmern sich um die Erstversorgung des Opfers. Später wird klar: Das hat dem Jungen sehr wahrscheinlich das Leben gerettet – nur wenige Minuten später wäre er wohl nicht mehr zu retten gewesen. 

Das Opfer in einer Notoperation, der Angreifer in Gewahrsam

Schon wenige Minuten später treffen Rettungssanitäter und Notarzt auf dem Schulgelände ein, das Opfer wird ins Marienkrankenhaus gebracht. In einer Notoperation kann dort die Blutung gestoppt und das Leben des Jungen gerettet werden. Da sitzt der Angreifer bereits in Gewahrsam – er hat sich nach dem Angriff widerstandslos von alarmierten Polizeibeamten festnehmen lassen. 

Hier geht's zur gesamten Berichterstattung über den Fall

Martin Fischer, Leiter des Aldegrever-Gymnasiums, steht auch mehr als zwei Jahre später noch unter dem Eindruck der Bluttat, aber er ist sich auch sicher: „Wenn das irgendwo anders passiert wäre, wo keine Umstehenden hätten eingreifen können, dann wäre der Junge gestorben“.

Die Chronologie

  • 17. Februar 2017: Ein 16-jähriger Schüler der Klasse 10 verletzt einen ein Jahr älteren Mitschüler mit einem Messer. Der Junge erleidet einen Stich in die Brust, nur das sofortige Eingreifen von Mitschülern und eine Notoperation im Krankenhaus retten sein Leben. Der Täter wird von Mitschülern überwältigt und kurz darauf von der Polizei festgenommen.
  • 19. Februar 2017: Für Schüler und Lehrer steht ein Team von Notfallseelsorgern bereit, die psychologische Unterstützung anbieten. Große Anteilnahme gibt es von zahlreichen Soester – ebenso wie viel Lob für die Schüler, die das Opfer zuerst medizinisch versorgt hatten.
  • Mai 2017: Weil ein Gutachter die Möglichkeit sieht, dass die Tat im Affekt geschah, wird der 16-Jährige aus der U-Haft entlassen. Seitdem befindet er sich auf freiem Fuß.
  • August 2017: Ein zweiter Gutachter wird beauftragt. Über ein Jahr lang wartet die Staatsanwaltschaft auf seine Untersuchungsergebnisse – vergeblich.
  • Oktober 2018: Ein dritter Gutachter untersucht den Angeklagten.
  • 15. Mai 2019: Der Prozess beginnt. Angesetzt sind zunächst fünf weitere Verhandlungstage bis zum Juli.

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