Viele brauchen negatives Ergebnis

Trotz Lockerungen: Corona-Tester im Kreis Soest haben noch genug zu tun

In der Werler Schützenscheune: Bettina Dümpelmann mit dem Corona-Schnelltest.
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In der Werler Schützenscheune: Bettina Dümpelmann mit dem Corona-Schnelltest.

Die Inzidenzen sinken, bei immer weniger Gelegenheiten wird ein Negativtest gebraucht – sollte man meinen. Tatsächlich ist die Nachfrage rückläufig, aber noch haben die Tester zu tun.

Soest/Werl - Die Infektionszahlen sind im Kreis Soest und landesweit im Sinkflug. Damit kehren die alten Freiheiten Stück für Stück zurück. Schon jetzt ist etwa der Besuch der Außengastronomie ohne Test möglich – und ab Freitag kommen weitere Erleichterungen, wenn etwa in der Innengastronomie die Testpflicht entfällt oder größere Feiern ganz ohne Test erlaubt sind (siehe Infokasten). Verzichten die Menschen in der Soester Börde deshalb schon jetzt auf die Corona-Schnelltests? Nein. Die heimischen Testzentren haben zum Teil sogar deutlich mehr zu tun. Ein Überblick.

„Tatsächlich hatten wir gedacht, dass es weniger wird seit die Inzidenz unter 35 ist“, sagt Heidi Hennig als Betreiberin des Testzentrums im Vereinsheim der Soester Einigkeits-Schützen.

Corona-Tests im Kreis Soest: Deutlich mehr jüngere Menschen

In Wirklichkeit aber gehe es mit den Tests in die andere Richtung. „Die Sportvereine trainieren wieder, bei Veranstaltungen braucht man Tests und wer ins Fitness-Studio will, muss sich auch testen lassen“, begründet sie die aktuelle Steigerung. Zudem habe es vor dem letzten langen Wochenende viele Menschen gegeben, die vor einem Kurzurlaub noch einen Test gemacht hätten. Insgesamt kämen deutlich mehr jüngere Menschen ins Testzentrum, um den Status „negativ“ nachzuweisen.

„Man merkt, dass die Leute wieder gerne zum Sport wollen“, sagt Justin Glaser, der im Testzentrum der Apotheke am Brüdertor im Kaiser-Otto-Weg arbeitet. „Ordentlich gefüllt und mit einem kleinen Anstieg“ bewertet er die aktuellen Nachfrage.

„Nach wie vor gut zu tun“ haben nach Angaben von Thorsten Pälmer auch die Mitarbeiter im „Drive In“ am Plange-Platz. „Viele haben die zweite Impfung noch nicht und wollen einfach Sicherheit haben“, beschreibt er die Motivation vieler Testwilliger. Und für einige Bereiche wie die Gastronomie oder das Fitnessstudio seien die Tests ja auch noch verpflichtend.

Ebenfalls ein weiterhin hohes Test-Bedürfnis in der Bevölkerung stellt Karin Riedel als Sprecherin des Soester Marienkrankenhauses fest. Noch bis mindestens Ende Juni wolle das Haus die Test-Möglichkeit für alle anbieten, personell sei das kein Problem. Wie es dann im Juli weiter gehe, das hänge von der Entwicklung der Pandemie ab.

Corona-Tests im Kreis Soest: Personalmangel

Ein anderes Bild zeichnet Frank Beilenhoff als Sprecher des Soester Klinikums. Das Haus hatte wegen Personalmangels seine beiden Testzentren im Blauen Saal und am Bahnhof geschlossen. Nach Angaben Beilenhoffs war die Auslastung beider Zentren zuletzt stark zurück gegangen, habe nur noch 30 bis 40 Prozent der vorherigen Kapazitäten betragen. „Falls wir wieder aufmachen, dann höchstwahrscheinlich nur eines der beiden Zentren“, wagt er einen Blick in die ungewisse Zukunft.

Auch in der Hausarztpraxis von Aleida Hakmann in Ostönnen wird aktuell weniger getestet. Das könne aber auch an der Eröffnung des neuen Testzentrums in Ampen liegen.

Wenn nun am kommenden Freitag die neuen Regeln zur Testpflicht in Kraft treten, dann fallen viele Verpflichtungen für Tests weg.

Wie viele Menschen sich weiterhin testen lassen wollen, um ganz persönlich ein gutes Gefühl von Sicherheit zu haben, das bleibt abzuwarten.

Schützenscheune Werl

Martin Kollath, Geschäftsführer der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Werl, kann über mangelnde Nachfrage nicht klagen: „Die Nachfrage jetzt ähnelt der im Mai. Unsere Öffnungszeiten richten sich speziell an Berufstätige. Aber auch viele ältere Leute kommen zu uns, weil sie ohne Voranmeldung im Internet vorbeikommen können und kein Handy für die Testbestätigung brauchen.“ Die Schützenscheune ist wochentags von 16 bis 20 Uhr geöffnet und an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 13 Uhr. Damit bietet sie auch dann Tests an, wenn Praxen bereits geschlossen haben. Vor Ostern und Pfingsten hätten die Leute auch schon mal Schlange gestanden. „Die wollten wohl zu Familientreffen.“ Die Schützen wollen Ende Juni schauen, wie hoch das Testaufkommen noch ist. Einfach aufhören dürfen die Testzentren übrigens nicht: „Wir sind vom Land beauftragt und müssten einen Antrag stellen, um aufhören zu können“, erklärt er.

Pflege- und Gesundheitsteam Hoff

Hubert Hoff bietet ebenfalls Tests ohne Anmeldung an – in Werl an der Wickeder Straße, am Freibad und in Soest-Ampen. Er erlebt täglich, dass es noch genug Gründe für einen Negativtest gibt: Die Fitnesscenter und Fußpfleger würden einen verlangen. „Und dann sind wir am Rand vom Kreis Soest. Wer also nach Dortmund, Unna oder Hamm zum Shoppen will, lässt sich bei uns testen.“ Manche wollten zu Versammlungen, manche einfach nur auf Nummer Sicher gehen. Seine drei Testzentren werden erst einmal weiter laufen. „Man weiß ja auch nicht, wie sich die Inzidenzen entwickeln“, sagt er.

Möbel Turflon

Stephan Rahmann hat das Dortmunder Unternehmen Dometec mit der Durchführung von Tests auf dem Gelände von Turflon beauftragt. Der Geschäftsführer des Möbelhauses hat sich informiert über das Testaufkommen und berichtet: „Es sind weniger Tests geworden, aber es gibt immer noch genügend Testwillige. Die Leute wollen zum Sport oder ins Fitness Center, in die Fahrschule oder Essen gehen. Sein Fazit: „Die Anlässe haben sich geändert, aber unser Testzentrum wird noch gebraucht, es kann bleiben.“

Alte Apotheke Wickede

Für Arztpraxen und Apotheken stellt sich die Frage, ob reduzieren oder schließen nicht. Sie machen Schnelltests ja nur zusätzlich. Repräsentativ ist die Antwort von Regina Stobbe, Filialleiterin der Alten Apotheke in Wickede: „Wir machen immer noch 50 bis 90 Tests pro Tag. Unter unseren Kunden sind viele Ältere, die sich nicht im Internet anmelden wollen oder können. Und viele nutzen auch das Angebot, sich einmal die Woche kostenlos testen lassen zu dürfen, um Sicherheit zu haben.“

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