(T)Raumland, ein Treffpunkt im Soester Norden

Ein Blick in die Kleiderstube: Karin Gottlob und Margitta Kamen gehören zum Kreis der ehrenamtlichen Helfer, die dort Dienst tun. - Fotos: Niggemeier

Soest - Das Secondhand-Kaufhaus an der Oestinghauser Straße ist eine Anlaufstelle: für Menschen mit schmalem Portemonnaie und für Leute, die gut situiert sind, die sich aber bewusst für dieses Angebot von Gebrauchtwaren entscheiden. Zum (T)Raumland kommt, wer etwas braucht, aber auch, wer etwas übrig hat und abgeben möchte.

„Jeder ist für uns ein A-Kunde“, sagt Betriebsleiter Klaus Ehrhardt. Vor drei Jahren öffnete dieser etwas andere Laden seine Pforten und hat sich seither „prächtig entwickelt“. Ehrhardt spricht von einem ständigen Kundenzuwachs. Wie gefragt und gut besucht das (T)Raumland des Evangelischen Perthes-Werks ist, macht er unter anderem an der Zahl von 800 Ermäßigungskarten für Kunden fest, die nur ein geringes Einkommen haben und die dort für kleines Geld bekommen, was sie sich sonst nicht leisten könnten.

Teilhabe steht im Vordergrund

„Teilhabe“ – mit diesem Wort lassen sich Ansatz und Anliegen im Laufe der Jahrzehnte zusammenfassen. Vor 25 Jahren startete im Soester Norden die Sozialwerkstatt. Menschen in sozialen Schwierigkeiten und ohne jegliche berufliche Perspektive erhielten Hilfe, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sie blieben nicht allein, sondern wurden trainiert und qualifiziert.

Heute erstreckt sich in der ehemaligen Montagehalle die Ausstellungsfläche: Hier steht, was Spender zu Verfügung stellen, weil sie sich neu einrichteten, Couch oder Kommode ersetzen und nun Platz schaffen möchten. Andere Teile stammen aus Haushaltsauflösungen. Jeder, der gibt, kommt und kauft, setzt ein Zeichen gegen Armut und Ausgrenzung.

„Die Umwandlung war eine Notwendigkeit“, hebt Klaus Ehrhardt hervor. Der Betrieb wird wesentlich durch arbeitsmarktpolitische Programme und Instrumente der Beschäftigungsförderung bestimmt. Da heißt es, sich ständig veränderten Bedingungen anzupassen und auf der Grundlage des (enger werdenden) finanziellen Spielraums immer wieder tragbare Wege abzustecken. Mit dem (T)Raumland hatte Perthes schon in Hamm Erfahrungen gesammelt, also fiel der Entschluss, auch in Soest einen Treffpunkt zu schaffen, der das Prinzip der Teilhabe in den Vordergrund rückt. Menschen, die weniger gut betucht sind, finden die Möglichkeit, sich ihre Wohnung schön einzurichten oder sich gute Garderobe zu kaufen. Sie sollen gern kommen und sich in einem gepflegten Ambiente wohlfühlen. Sie sind in die Kaffeestube eingeladen, und mittags gibt’s am Tischmobil ein warmes Essen von der Tafel.

Im (T)Raumland finden Menschen Arbeit. Hier gibt es fünf Außenarbeitsplätze von Klevinghaus-Werkstatt und Industrieservice. Menschen bekommen die Chance auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Henryk Bednik erzählt, wie gern er das Angebot nutzte. Er hatte sich im Rahmen eines Förderprogrammes beworben und damit letzlich den Einstieg in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis gefunden. Zu seinen Aufgaben gehört die Koordination. „Ich habe mich weiterentwickelt“, berichtet er, „was ich gelernt habe, möchte ich weitergeben.“ Die Mitarbeiter sollen „ein gutes Gefühl haben und Ideen einbringen“. Er ist überzeugt: „Wer hier eingesetzt ist, der hat gute Kenntnisse und Fähigkeiten.“ Hohe Wertschätzung genießen die 40 Ehrenamtlichen. Sie sind aktiv und mit Spaß am Werk.

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