Tödlicher Radunfall: Lkw-Fahrer konnte jungen Radfahrer nicht sehen

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Ein Holzkreuz, Grablichter und Spielzeug erinnern an den jungen Gymnasiasten, der an der Kreuzung am Deiringser Weg von einem Lastwagen erfasst wurde und ums Leben kam.

Soest - Den Lastwagenfahrer, der Mitte November einen zwölfjährigen Jungen auf der Ringstraßen-Kreuzung am Deiringser Weg überfahren und getötet hat, trifft wenn überhaupt nur ein „minimales Verschulden“. Das geht aus dem Gutachten des Sachverständigen vor, das seit dieser Woche der Staatsanwaltschaft vorliegt. Sie wird deshalb das Verfahren gegen den 55-jährigen Fernfahrer einstellen, sagt Staatsanwalt Thomas Schmelzer gegenüber dem Anzeiger.

Es ist eine Tragödie, die sich am Nachmittag des 16. November zugetragen hat. Der Gymnasiast will mit seinem Rad in die Stadt – und macht alles richtig. Er stoppt vor der roten Ampel, so wie es die Vorschriften vorsehen. Neben ihm steht der Lastzug; der italienische Fahrer hat sich keineswegs in dem Wohngebiet am Deiringser Weg verirrt; Minuten vorher hat er Ware am Bürgerschützenweg ausgeliefert.

Vom Deiringser Weg aus will der Lkw-Fahrer nach rechts auf die Ringstraße abbiegen. Er telefoniert weder mit seinem Handy noch ist er sonst wie abgelenkt, sagt Staatsanwalt Schmelzer. Auch fährt der Auslieferer nicht sofort in die Kreuzung ein, sondern wartet noch einen Moment ab, bis eine andere Radfahrerin, die sich (im Prinzip regelwidrig) weiter vorn vor der Haltelinie aufgestellt hat, die Kreuzung passiert.

Erst danach zieht der 55-Jährige seine Maschine nach rechts und erfasst den Zwölfjährigen, der geradeaus in die Stadt radeln will. „Der Junge war für den Lkw-Fahrer faktisch nicht zu sehen.“ Zu diesem Schluss kommt der Sachverständiger, der sich den Lastwagen, die Spiegel, die Handyprotokolle und sämtliche andere Spuren an der Unfallstelle angesehen und sie ausgewertet hat.

Das Tragische daran: „Solche Unfälle sind keineswegs selten“, sagt der Staatsanwalt. In ihrem Leid über den Verlust ihres Sohns haben sich deshalb auch die Eltern des Schülers in einem ergreifenden Brief an Öffentlichkeit und Politik gewandt und die Verantwortlichen aufgefordert, für mehr Sicherheit an dieser Kreuzung zu sorgen.

„Viel können wir für unseren Sohn nicht tun“, sagen die Eltern, „wir können nur weiterhin die Kerzen an der Kreuzung anzünden und an die Politiker appellieren, die Kreuzung sicherer zu machen.“ Weil den Fahrer so gut wie keine Schuld treffe, müsste er – falls die Staatsanwaltschaft ihn anklagen würde und es zu einem Prozess käme – allenfalls mit einer minimalen Strafe rechnen, so Schmelzer. Bloß welche Strafe wäre angemessen angesichts des schrecklichen Unfalltods? „Dem Mann tut der Unfall unendlich leid, er ist am Boden zerstört“, so der Staatsanwalt. Nach dem tödlichen Radunfall sollen Radfahrer künftig im Blickwinkel der Autofahrer vor der roten Ampel warten. Außerdem sollen sie früher Grün bekommen. Mit einer Privatinitiative sammelt zudem der Soester Bernd Gockel Geld für Spiegel, die Lkw-Fahrern einen Blick in den toten Winkel rechts neben ihren Lastzügen gewähren.

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