Betteln mit dem Hundeblick

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Mit Hund vor dem Schoß bitten Männer und Frauen in der Soester Altstadt um Kleingeld

Soest - Ehrlich aufgebracht ruft die Leserin in der Redaktion des Anzeiger an und beklagt, dass – vermutlich rumänische – Bettler in der Soester Innenstadt einen kleinen Hund dazu benutzen, bei den Passanten Mitleid zu erwecken. Und sie bezweifelt, dass das Geld, das so eingenommen wird, tatsächlich auch dem Hund zugute kommt.

„Kann man so was nicht verbieten?“, ist die große Frage, die hinter ihrer Entrüstung schließlich aufkommt. Und sie macht einen Vorschlag, nämlich Fotos von solchen Situationen zu machen und die Bettler damit abzuschrecken. Kann das helfen? Birgit Oberg vom Soester Tierheim kennt sowohl die Bettelsituation als auch das Gefühl von Hilflosigkeit. „Ich bin mir nicht sicher, ob man da einfach Bilder machen kann. Fest steht: Wenn es dem Hund nicht offensichtlich schlecht geht, wenn also der Tierschutz nicht greift, dann kann man nichts dagegen tun.“ 

Das bestätigt auch Brigitte Sliwa von der Stadt Soest: „Die Stadt hat keine unmittelbare Möglichkeit, gegen das Betteln mit Tieren vorzugehen, solange nicht aggressiv gebettelt wird.“ Und weiter sagt sie: „Soweit keine Auffälligkeiten bei den Tieren festgestellt werden und die Bettler nicht aufdringlich werden, schreiten die Kollegen nicht ein. 

Bei Hinweisen auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz nehmen wir selbstverständlich Kontakt mit dem Veterinäramt des Kreises auf und stimmen gegebenenfalls weitere Maßnahmen ab.“ Birgit Oberg weiß, dass die Menschen, die Hunde zur Unterstützung ihrer Betteltätigkeit nutzen, häufig allergisch auf die Frage nach den Impfpapieren reagieren – oder anders: reagieren müssen. „Wenn keine gültigen Nachweise vorliegen, hat man einen Ansatzpunkt.“ 

Doch die Erfahrung lehrt, dass diejenigen, die keine Papiere vorlegen können, nicht nur zügig den Platz innerhalb der Stadt wechseln, sondern einen kompletten Ortswechsel vornehmen und rasch nicht mehr greifbar sind. Der Umgang mit Menschen, die Tiere zum Betteln einsetzen, bleibt schwierig. „Manchmal kann man einem Tier direkt helfen“, sagt Birgit Oberg, „aber das ist eher selten.“ 

Doch vielleicht hilft den Tieren das bisschen Aufmerksamkeit, das tierfreundliche Passanten ihnen auf direktem Weg entgegen bringen. Und ein Dose Hundefutter hilft sicher auch. 

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