Teurer Abriss: Alte Coca-Cola-Fabrik weicht gerade für 130 neue Wohnungen im Soester Südosten

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Sabine Nethen und Jan Jäschke und ihre Großbaustelle auf dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände am Rigaring. Die alten Hallen werden gerade abgerissen. An ihrer Stelle plant der Soester Bauverein, bis zu 130 neue Wohnungen zu errichten.

Soest - 60 Jahre ist hier Cola abgefüllt worden – auf dem zwei Hektar großen Areal zwischen Rigaring, Briloner und Geseker Straße. Jetzt steht das Gelände vor dem Umbruch: Abrissbagger reißen die Produktionshallen nieder, nächstes Jahr soll  eine neue Siedlung mit  130 Wohnungen hochgezogen werden.

„Mach mal Pause!“ Der legendäre Werbespruch hat irgendwie auch zum Soester Bauverein in den vergangenen zwei Jahren gepasst. Erst griff er rasch zu, als auf dem Cola-Areal die Lichter ausgingen und ein Käufer für die Industriebrache gesucht wurde. 

Dann folgte die „Pause“, weil der Verein mit sich und seinem Vorstand zu tun hatte und das Führungspersonal austauschte (wir berichteten). Die neuen Chefs – Philipp Fischer, Jan Jäschke und Sabine Nethen – verfolgen nun umso emsiger das Ziel, den wohl kräftigsten Schluck in der Geschichte der Wohn-Genossenschaft aus der Pulle zu nehmen und mit einem Schlag ihren Immobilien-Bestand kräftig zu heben.

 2,25 Millionen Euro, so schildern Jäschke und Nethen im Gespräch mit dem Anzeiger, will der Bauverein für das Cola-Gelände in die Hand nehmen. 

Allein die Abriss- und Entsorgungsarbeiten, die jetzt im vollen Gang sind und noch bis in den September dauern, verschlingen 400 000 Euro. Weil das Areal rings herum von Wohngebieten eingekesselt ist, lag es nicht nur nahe, hier eine kleine Siedlung entstehen zu lassen. Es bietet sich in diesen Tagen beim Abriss auch an, zunächst mal alle Außenwände der Hallen entlang der Grundstücksgrenzen stehen zu lassen, um die Nachbarn nicht über Gebühr mit Staub und Lärm zu beuteln. 

Alles, was der Bagger gerade ein- und runterreißt, wird im nächsten Schritt sauber sortiert: Hier der Haufen mit den Bimssteinen, dem beliebten Baustoff der Fünfziger, als das Brause-Werk entstand, dort der Berg mit den Styropor-Platten für die Hallendämmung, daneben der Metallschrott.

 Längst abgefahren sind die Asbest-Materialien, die einst zum Feuerschutz verbaut worden sind und heute als Gefahrstoffe gelten, erläutern Nethen und Jäschke.

 Stichwort Gefahr. Mitten in der alten Produktionshalle finden sich mehr als ein Dutzend bierdeckelgroße Löcher in der fast einen Meter starken Betonplatte. Auf alten Luftbildaufnahmen sind hier Krater aus dem Krieg entdeckt worden, in denen womöglich noch ein Blindgänger ruhen könnte. Der Kampfmittelräumdienst ging inzwischen auf Nummer Sicher, bohrte an der Verdachtsstelle durch die dicke Betonsohle Löcher bis ins Erdreich, schob Sonden in die Kanäle und fand heraus: Blinder Alarm. 

Der Soester Bauverein, der für seine 13 Mitarbeiter heute Büros am Müllingser Weg hat, will künftig selber auch auf dem Cola-Gelände unterkommen: in einem Anbau an das Verwaltungsgebäude, das vorn an der Ringstraße steht und erhalten und saniert werden soll. 

Für den alten Trakt gibt es bereits Dienstleister, die hier Büros eröffnen wollen: Der Bauverein will sich, wenn er jährlich seine Mitglieder zur Hauptversammlung zusammenruft, ein Nutzungsrecht an dem großen Saal sichern – just dort, wo die Getränkehersteller-Mannschaft nicht nur Pause machte, sondern 2015 auch vom überraschenden Aus des Produktions- und Logistik-Standorts Soest erfuhr. 

Interessenten gibt es aber jetzt schon für das, was bislang nur auf dem Papier existiert: Die bis zu 130 neuen Wohnungen. Unter denen, die hier vielleicht mal gern einziehen wollen, sind auch einzelne der 380 Mitglieder des Bauvereins, die heute bereits in einer der 340 Bestandswohnungen leben und sich etwas anderes suchen. 

Aber auch Mieter, die mitbekommen haben, was sich hier tut und den Bauverein bislang nur aus der Zeitung kennen. Denn der erfüllt Wohnwünsche nicht nur an dieser Stelle, sondern ist auch noch an drei anderen Plätzen in Soest mit dem Bau drei Dutzend weiterer Wohnungen beschäftigt.

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