Tausendfach in Soest im Einsatz: Laubbläser - des einen Freund, des anderen Graus

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Nie aus der Puste: Soester Stadtgärtner holen mit dem Laubbläser die Blätter von Wegen und Beeten.

Soest – Besen war gestern, Laubbläser ist heute. Auf diese knappe Formel lässt sich das Fegen und Pusten der riesigen Blättermassen dieser Tage zusammenfassen. Dabei müssen sich empfindliche Gemüter, denen das lautstarke Motorgedröhne auf die Nerven geht, keineswegs alles gefallen lassen.

Denn es gibt Regeln. Wir haben mal beim Ordnungsamt, im Baumarkt und bei den Stadtgärtnern nachgefragt.

Wer pustet alles? 

Es sind keineswegs nur die Profis wie etwa die Stadtgärtner, die wegen der Vielzahl der Straßen, Wege, Höfe und Parks gar nicht mehr zurande kämen, wenn sie das Herbstlaub allein mit Besen und Kehrblech aufnehmen müssten. Auch bei vielen Privatleuten, die manchmal nur ihre nicht mal hundert Quadratmeter großen Vorgärten entlauben wollen, kommen die Düsenmaschinen zum Einsatz.

Ein Massengeschäft? 

Laubbläser zählen gerade im Herbst zu den meistnachgefragten Artikeln in den Baumärkten. „Wir verkaufen gerade im Schnitt jeden Tag drei Stück“, sagt Karl-Heinz Schneider, Marktleiter im Soester Hagebaumarkt. Klingt auf den ersten Blick nicht riesig. Doch wenn man den Wert mal multipliziert mit den anderen Märkten in der Stadt und dem Online-Handel, und wenn man davon ausgeht, dass die Geräte viele Jahre halten, dürften in Soest durchaus Bläser in vierstelliger Zahl in Aktion sein. 

Geht es auch leise? 

Eindeutig nein. Allein die mechanische Erzeugung des großen Luftstroms gehe mit Radau einher, erläutert Axel Ruster, Chef der städtischen Gärtnertruppe, die derzeit im Großeinsatz in Sachen Laub ist. Doch es gebe von Gerät zu Gerät durchaus Unterschiede: Die benzingetriebenen Bläser sind die größten Krachmacher, ihre Schallpegel reichen schon dicht an die von Presslufthämmern heran. 

Die Alternativen 

„Der Trend geht eindeutig zu leiseren und leichteren Akku-Geräten“, berichtet Karl-Heinz Schneider vom Baumarkt. Aber auch diese und auch die anderen über Kabel mit dem Stromnetz verbundenen Geräte sollten keinesfalls ohne Gehörschutz gestartet werden. Wie gesagt: Leise ist keiner. 

Die Spielregeln 

Detlev Märte, der Chef im Soester Ordnungsamt, räumt zunächst mal mit der sich hartnäckig haltenden Mär von der Mittagsruhe auf. „Gibt es schon ewig nicht mehr.“ Dennoch gilt die „Maschinenlärmschutzverordnung“. Danach dürfen Krachmacher in Wohngebieten grundsätzlich nicht an Sonn- und Feiertagen eingesetzt werden und werktags nicht vor 7 Uhr sowie nach 20 Uhr. Besonders lautstarke Bläser – hier kommt es jetzt wirklich auf den genauen Typ und das Umweltsiegel an – dürfen nur von 9 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 17 Uhr aufheulen. 

Ruhe vor Kitas 

Die Stadtgärtner, so Ruster, planen ihre Touren bewusst, um vor Kitas und Schulen schon früh morgens klar Schiff zu machen und in Wohngebieten möglichst nicht zu allzu früher Stunde aufzukreuzen. 

Die Zukunft? 

Das Umweltministerium will Laubbläser komplett verbannen – am liebsten natürlich auf freiwilliger Basis. Den Ministerialen geht es nicht nur um die genervten Nachbarn, sondern auch um die zahlreichen Kleintiere wie Würmer, Insekten, Spinnen oder auch Kleinsäuger, die „mitgeschluckt“ werden.

Was denken Sie?

Wie steht es um das Laub vor ihrer Haustür? Greifen Sie zum Besen oder lieber zur Blasemaschine oder lassen Sie das Laub vielleicht ganz bewusst in den Beeten liegen, als Rückzugsgebiet für die Tiere im Winter? Wie reagieren Sie, wenn die Sauger infernalisch dröhnen? Beteiligen Sie sich an unserer Debatte und sagen uns Ihre Meinung – als Mail an stadtredaktion@soester-anzeiger.de

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