Wer Lebensmittel wegschmeißt, schadet der Umwelt

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Michael König und Maike Oesterhaus zeigen Spenden für die Tafel. Zum 20-Jährigen informieren sie über das Mindesthaltbarkeitsdatum.

Soest.  „Anschauen, schmecken, riechen, fühlen. Einfach den eigenen Sinnen vertrauen!“ – Diesen Rat gibt der Soester Tafel-Vorsitzende Michael König, wenn es um die Frage geht, wie lange Lebensmittel genießbar sind. Zum 20-Jährigen des Vereins räumen die Helfer mit Mythen rund um das Mindesthaltbarkeitsdatum auf, das viele Verbraucher ihrer Erfahrung nach fälschlicherweise mit einer Ablauf- und Verbrauchsfrist gleichsetzen.

Das Tafel-Team möchte die Verschwendung stoppen. Der Vorsitzende spricht Klartext: „Über 11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden alleine in Deutschland jährlich vernichtet. Das verschärft den Treibhauseffekt.“ Für Herstellung und Transport seien wertvolle Ressourcen wie Wasser, Energie und Ackerflächen erforderlich, die Umwelt werde durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel belastet. Tatsache sei jedoch auch, dass gutes Essen massenweise in der Tonne lande. 

König steuert weitere Zahlen bei und spricht gar von einer „ökologischen Katastrophe“: „Pro Kopf entstehen in Deutschland durch Lebensmittelverluste etwa 500 Kilogramm Treibhausgase, und rund 2 700 Liter Wasser werden verbraucht.“ Blickt er auf die Zeit seit der Gründung des Vereins und denkt er an die Menschen, die in der Schlange warten, um für kleines Geld etwas auf dem Teller zu haben, dann kommt er frustriert zu dem Schluss: „Es hat sich nichts geändert.“ Immer noch gebe es viele einkommensschwache Menschen, die anstehen müssen, um satt zu werden. Nach wie vor sei eine Überproduktion von Nahrung an der Tagesordnung. Was rein optisch nicht dem Idealbild entspreche, werde häufig leichtfertig aussortiert. 

Eine Erfahrung, die auch Maike Oesterhaus, die neue Koordinatorin, macht: Sie ist nach wie vor bass erstaunt über die riesigen Mengen an Obst, Gemüse, Milchprodukten oder Backwaren, die bei der Tafel ankommen. Erst kürzlich standen die Mitarbeiter vor der Aufgabe, 600 Kilogramm einwandfreie Bio-Zucchini zu bewältigen. 

Wegen ein paar kleiner Stippen auf der Schale waren sie als „unbrauchbar für den Verkauf“ ausrangiert worden. 

Auf Faltblättern in unterschiedlichen Sprachen erhalten Tafel-Gäste Informationen über den Verzehr von Lebensmitteln. Ungeöffnete Konserven, so erfahren sie, seien meist noch ein Jahr nach dem durch die Hersteller aufgedruckten Termin unbedenklich. Vorsicht sei indes bei rostigen und stark verbeulten Dosen geboten, ebenso wenn der Inhalt gärig, faulig oder sauer stinke. Die Tafel wird auch auf die Straße gehen, um Passanten zum bewussten Einkaufen und zum sinnvollen Umgang mit Lebensmitteln anzuhalten. Das geschieht bei einer Aktion am 31. August in der Fußgängerzone. Eine Ausstellung, die ab Montag, 26. August, die ganze Woche über im Kreishaus zu sehen ist, vermittelt die Botschaft: „Lebensmittel zu retten, kann ganz einfach sein, fangen wir damit an, auch das zu lieben, was wir sonst unachtsam wegschmeißen.“ Auf der Homepage der Tafel liefert ein Videoclip Praxis-Tipps. Gute Lebensmittel wegwerfen, kostet seinen Preis: „Gut 235 Euro pro Kopf im Jahr“, meint Michael

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